07. April 2022

Natrium-Restriktion bei Herzinsuffizienz: keine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse

Das Thema Salz und Gesundheit scheint eine unendliche Geschichte zu werden. Mal heißt es, eine Reduktion des Salz-Konsums schütze vor kardiovaskulären Komplikationen, mal wird berichtet, dass der Nutzen einer „Salz-Abstinenz“ eher gering sei. Eine Studie, die relativ „bescheidene“ Argumente für eine Salz-Reduktion liefert, ist gerade auf dem Jahres-Kongress des „American College of Cardiology“ (ACC 2022, Washington) vorgestellt worden und zeitgleich im „Lancet“ erschienen. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Die Rede ist von der SODIUM-HF-Studie. Das Hauptergebnis der Studie lautet: Eine natriumarme Ernährung (unter 1,5 Gramm täglich) hat bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter oder erhaltener Auswurffraktion nicht die Sterberate oder die Zahl der Krankenhausaufenthalte gesenkt. Allerdings hatten die Patientinnen und Patienten mit reduzierter Natrium-Aufnahme größere Verbesserungen im Gesamtscore und bei den körperlichen Einschränkungen im Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire (KCCQ).

In der von Erstautor Professor Justin A. Ezekowitz (Universität von Alberta, Kanada) vorgestellten multizentrischen Studie beschränkten die Patientinnen und Patienten der Interventionsgruppe ihre Natrium-Aufnahme auf weniger als 1,5 g täglich. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, nachdem nur etwa die Hälfte der geplanten Patienten-Population aufgenommen worden war. Laut Ezekowitz hatte dies eine geringe Zahl von kardiovaskulären Ereignissen zur Folge, was den Nachweis eines signifikanten Unterschiedes zwischen den Vergleichsgruppen erschwerte. 

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Die Studiendetails

An der Studie nahmen 806 herzinsuffiziente Patientinnen und Patienten aus 26 Kliniken in Kanada, Australien, Neuseeland, Mexiko, Kolumbien und Chile teil. Das Durchschnittsalter betrug 67 Jahre, 268 (33 %) waren Frauen und 538 (66 %) waren Männer. Etwa ein Drittel der Studienpopulation war in den letzten 12 Monaten wegen ihrer Herzinsuffizienz im Krankenhaus; die Ejektionsfraktion lag im Median bei 36 Prozent. Die Teilnehmer mit der natriumarmen Diät (n = 397) erhielten eine Ernährungs- und Verhaltensberatung sowie spezielle Menüs, die ihnen bei der Auswahl natriumarmer Lebensmittel helfen sollten; die Teilnehmenden der Vergleichsgruppe (n = 409) bekamen allgemeine Ratschläge zur Begrenzung des Natriumgehalts.

Der Median der täglichen Natriumzufuhr betrug bei Studienbeginn in der Interventionsgruppe 2,286 mg; nach einem Jahr war er auf 1,658 mg gesunken. In der Gruppe mit üblicher Betreuung lag der Median der täglichen Natriumaufnahme zu Beginn der Studie bei 2,119 mg; er sank auf medianen Wert von 2,073 mg.

Die Ergebnisse

  • Der primäre kombinierte Endpunkt (Krankenhauseinweisung, ein Besuch in der Notaufnahme oder Gesamtmortalität) trat nach einem Jahr bei 15 Prozent der Gruppe mit natriumarmer Ernährung (60 Ereignisse) und bei 17 Prozent der Gruppe mit üblicher Versorgung (70 Ereignisse; p = 0,53) auf; auch bei den einzelnen Komponenten des primären Endpunkts gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.
  • Beim KCCQ-Gesamtscore ergab sich ein mittlerer Unterschied zwischen den Gruppen von 3,29 Punkten beim klinischen Gesamtscore und von 3,77 Punkten beim Score für körperliche Einschränkungen. 
  • Weitere Berechnungen ergaben, dass Patientinnen und Patienten mit natriumarmer Diät nach 12 Monaten mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Verbesserung um eine NYHA-Klasse haben als Teilnehmende mit üblicher Behandlung (p = 0,0061).

„Wir haben versucht, die Diäten sorgfältig auszubalancieren, so dass wir nur die Natriumzufuhr und nicht andere Faktoren wie die Kalorien-, Eiweiß- oder Kaliummenge verändert haben”, sagte er.  „Im Gegensatz zu anderen Diäten, wie z. B. der DASH-Diät, bei der die Senkung des Natriumgehalts bei gleichzeitiger Erhöhung des Kaliumgehalts in der Ernährung von Menschen mit Bluthochdruck getestet wird, war es unser Ziel, nur die Senkung eines einzigen Elements zu testen, und ich denke, das haben wir erreicht.” Ezekowitz und seine Kollegen halten es für möglich, dass eine längere Nachbeobachtungzeit und/oder ein niedrigerer täglicher Natrium-Grenzwert zu Unterschieden bei der Sterblichkeit und den Krankenhausaufenthalten führen könnte.

Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.

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