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17. Feb. 2025

Mundpflaster bei Schlafapnoe – sinnvoll oder nicht?

Schlafapnoe kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Sind Schlafpflaster, die über den Mund geklebt werden, die neue einfache Lösung? Ein Blick auf die Studienlage. 1

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Mundpflaster bei Schlafapnoe – sinnvoll oder nicht?
Ein spezielles, vertikal angebrachtes Pflaster soll die Nasenatmung fördern. (Foto: Getty Images | Sevda Ercan)

Autorin: Bernadette Neuhauser

Adipositas ist ein Risikofaktor für das Entstehen, die Folgen reichen von ausgeprägter Tagesmüdigkeit bis hin zur Hypertonie. Betroffene haben aufgrund der Folgen der Erkrankung oft einen hohen Leidensdruck.

Bisherige Therapieoptionen bei Schlafapnoe

Als Therapieoption gibt es dann die sogenannte CPAP-Beatmung (Continuous Positive Airway Pressure), welche die Atmung nachts unterstützt. Auch Unterkiefer-Vorschubgeräte sind eine Option. 

Die CPAP gilt als Goldstandard zur Therapie der Schlafapnoe. Allerdings sind die Geräte teilweise laut und einschränkend, was die Compliance der Patienten senkt. Unterkiefer-Vorschubgeräte sind kleiner und weniger offensichtlich, aber auch hier gibt es Nachteile. Bei manchen Betroffenen führen sie zu Mundtrockenheit, sowie zu Kiefer- und Zahnfleischschmerzen. Bei stärker betroffenen, adipösen oder älteren Patienten ist die Wirkung oftmals unzureichend.

Das Schlafpflaster – die neue, einfache Lösung? 

Ein neuer Trend sind Schlafpflaster. Man klebt sich hierbei den Mund über Nacht zu, um die Nasenatmung zu forcieren. Hierfür gibt es spezielle Pflaster auf dem Markt. Befürworter dieser neuen Option raten zu atmungsaktiven Pflastern, die für medizinische Zwecke entwickelt wurden. Außerdem werden die meisten Pflaster vertikal angebracht und verdecken somit nicht den kompletten Mund.

Eine aktuelle Studie hat nun jedoch gezeigt, dass das Mundpflaster nicht bei allen Probanden zu einer Besserung führt. Bei einem Teil der Kohorte stieg der Atemfluss zwar an, bei anderen sank er jedoch. Zu einer Verschlechterung des Atemflusses kam es vor allem bei denjenigen, die hauptsächlich durch den Mund atmen und an velopharyngealer Obstruktion litten. Die Autoren plädieren für individuelle Therapieansätze bei Patienten. 

Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass Mundpflaster bei milder Schlafapnoe helfen können. So könnte die Therapieform angewendet werden, bevor man zur CPAP greift. 

Risiken und Nebenwirkungen 

Potenzielle Risiken gibt es meistens, so auch beim Schlafpflaster. So kann das vertikale Anbringen des Pflasters dazu führen, dass man einfach an der Seite des Mundes ausatmet. Eine mögliche Folge ist mehr Kohlenstoffdioxid und weniger Sauerstoff im Blut, was den Körper in einen Stresszustand bringt. 

Laut weiteren Studien wurden die Symptome wie Schnarchen oder geringer Atemfluss durch Verwenden eines Pflasters bei 1/3 der Patientinnen und Patienten schlechter. Hautirritationen sind ebenfalls eine mögliche Folge. Gerade im Gesicht und um die Mundpartie ist die Haut besonders reizempfänglich und empfindlich. Folge kann eine Dermatitis oder Follikulitis sein. Im schlechtesten Fall lösen sich die obersten Hautschichten ab. 

Gerade bei Atemwegsinfekten sollte man Abstand von Mundpflastern halten, denn hier ist der Atemfluss meist schon durch den Infekt beeinträchtigt. Das Verwenden von einem Pflaster stellt hier eine weitere Behinderung der Atmung dar, was wiederum zum Absinken des Sauerstoffs im Blut führt. Auch bei jeglichem Risiko des Erbrechens muss dringend von Mundpflastern abgeraten werden, denn das Risiko einer Aspiration und darauf folgenden Pneumonie ist zu hoch. 

Fazit: Bei milder Schlafapnoe können die Pflaster helfen

Alles in allem lässt sich zusammenfassen, dass das Mundpflaster bei Patienten mit milder Schlafapnoe helfen kann. Bei Betroffenen mit schwereren Formen der Erkrankung ist der Effekt jedoch noch nicht nachgewiesen. Mögliche Risiken und Nebenwirkungen gibt es einige, was die Frage aufwirft, ob Risiko und Nutzen bei aktuellem Stand der Forschung in sinnvollem Verhältnis zueinander stehen. 

Dieser Beitrag ist im Original bei Univadis.de erschienen.

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