04. Januar 2022

Studie: Multivitaminpräparate verlangsamen Hirnalterung

Die Einnahme von Multivitaminpräparaten über einen Zeitraum von drei Jahren verlangsamte in einer Studie den kognitiven Abbau im Alter um 60 %. Diese Auswirkung war bei Patientinnen und Pateinten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders ausgeprägt. 1,2

Lesedauer: 2,5 Minuten

Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Dr. Linda Fischer

In der COSMOS-Mind-Studie (NCT03035201, NCT02422745) untersuchte ein Forschungsteam, ob sich ein täglich eingenommenes Multivitaminpräparat positiv auf kognitive Fähigkeiten auswirkt. 2-4

Die Ergebnisse „könnten sich angesichts der Zugänglichkeit von Multivitamin- und Mineralienpräparaten, ihrer geringen Kosten und ihrer Sicherheit auf die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere auf die Gesundheit des Gehirns, auswirken”, sagte Studienleiterin Laura D. Baker, PhD, Professorin für Gerontologie und geriatrische Medizin an der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina.

Die Ergebnisse wurden auf der 14. Konferenz über klinische Studien zur Alzheimer-Krankheit (Clinical Trials on Alzheimer’s Disease, CTAD) vorgestellt.

Die Placebo-kontrollierte Studie

Bei den vorgestellten Ergebnissen handelt es sich um Daten einer Teilstudie, welche die Forschenden im Zuge einer großen übergeordneten Studie durchgeführt hatten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen in dieser die Auswirkung eines Standard-Multivitamin-Mineralstoff-Präparats (MVM) mit Placebo auf kardiovaskuläre und krebsbedingte Ereignisse.

Für das primäre COSMOS-Mind-Ergebnis untersuchte das Forschungsteam den Effekt des MVM-Präparats auf Tests zur kognitiven Funktion im Vergleich zu Placebo. Außerdem erprobte das Team, wie sich die Nahrungsergänzungsmittel auf die Exekutivfunktion und das Gedächtnis auswirken. Auch die Behandlungseffekte für vorab festgelegte Untergruppen, einschließlich der Probandinnen und Probanden mit kardiovaskulärer Erkrankung (cardiovascular disease, CVD) in der Vorgeschichte, wurden beleuchtet.

An der COSMOS-Mind-Studie nahmen 2262 Erwachsene im Alter von mindestens 65 Jahren ohne Demenz teil. Zu Studienbeginn betrug das Durchschnittsalter 73 Jahre, 40,4 % der Kohorte waren Männer. Sowohl zu Studienbeginn als auch täglich über einen Zeitraum von drei Jahren unterzogen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kognitiven Tests.

Positiver Effekt durch Multivitaminpräparat nach 2 Jahren

„Wir sehen einen positiven Effekt von Multivitaminpräparaten für die Versuchsgruppe im Vergleich zu Placebo, der nach zwei Jahren seinen Höhepunkt erreicht und dann über die Zeit stabil bleibt”, sagte Baker (Effekt: 0,07; 95 % KI, 0,02 -0,12; p = 0,007).

Besonders Menschen mit CVD profitierten

In der Studienkohorte fanden sich Menschen mit diversen Vorerkrankungen. Erwartungsgemäß hatten Menschen mit CVD zu Studienbeginn niedrigere kognitive Werte. „Diejenigen mit kardiovaskulären Erkrankungen profitieren auch nach dem ersten Jahr weiterhin von den Multivitaminpräparaten, während die Werte derjenigen, die Placebo erhielten, im Laufe der Zeit weiter sanken”, so Baker.

Auf der Grundlage der Studiendaten zu den kognitiven Funktionswerten schätzte das Forschungsteam, dass die Multivitaminbehandlung einen positiven Nutzen von 0,028 Standardabweichungen (SD) pro Jahr hatte.

„Eine tägliche Multivitamin-Mineralien-Supplementierung scheint die kognitive Alterung um 60 % oder 1,8 Jahre zu verlangsamen”, fügte Baker hinzu.

Andere Studie zeigte keinen positiven Effekt

Bislang wurde die Wirkung einer Nahrungsergänzung mit Multivitamin-Mineralstoffen auf die Kognition nur in einer einzigen großen randomisierten klinischen Studie untersucht – der Physicians Health Study II. Diese Studie zeigte keine Wirkung, umfasste aber nur ältere männliche Ärzte – und die kognitiven Tests begannen 2,5 Jahre nach der Randomisierung, so Baker.

„Unsere Studie liefert neue Hinweise dafür, dass die tägliche Einnahme von Multivitaminpräparaten die kognitiven Funktionen älterer Frauen und Männer verbessern kann, wobei die Wirkung der Präparate bei Teilnehmern mit kardiovaskulären Erkrankungen stärker ausgeprägt sein könnte.“

Was die Auswirkungen von Multivitaminpräparaten auf die Prävalenz und das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit anbelangt, kann die Studie jedoch nicht ergründen.

Rolle des Vitamin-B12-Spiegels unklar

Inwieweit Menschen mit niedrigem Vitamin-B12-Spiegel von der Intervention profitieren, ist ebenfalls noch unklar. „Einiges ist noch in Arbeit”, fügte Baker hinzu. „Ich denke, die Ergebnisse zu diesem Thema stehen noch aus.”

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.

  1. 14. Konferenz über klinische Studien zur Alzheimer-Krankheit (CTAD); Vortrag am 10. November 2021.
  2. Baker et al.: „Design and baseline characteristics of the cocoa supplement and multivitamin outcomes study for the Mind: COSMOS-Mind“ in Contemporary clinical trials (2019)
  3. U.S. National Library of Medicine: „COcoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study for the Mind (COSMOS-Mind)“ aufgerufen am 03.01.2022
  4. U.S. National Library of Medicine: „COcoa Supplement and Multivitamin Outcomes Study (COSMOS)“ aufgerufen am 03.01.2022

Bildquelle: © Getty Images/ Elena Popova

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Jeremy Schneider, Blake DeSimone
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653