27. August 2021

Extreme Temperaturen sorgten wohl für 1,7 Millionen Tote im Jahr 2019

Kälte oder Hitze erhöhen die Mortalität beim Menschen. Eine Studie schätzt die Opfer für das Jahr 2019 auf 1,69 Millionen Menschen. Überraschend: Es gab mehr Opfer durch Kälte als durch Hitze. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Sebastian Schmidt

Kernbotschaften

Die Exposition gegenüber extremer Kälte oder Hitze erhöht die Mortalität durch mindestens 17 Todesursachen. Für das Jahr 2019 wurde die Zahl der Opfer auf 1,69 Millionen Menschen geschätzt. Weitaus mehr gingen dabei auf das Konto großer Kälte und nicht Hitze.

Hintergrund

Assoziation zwischen hohen und niedrigen Temperaturen einerseits und Morbidität sowie Mortalität andererseits wurden zwar bereits mehrfach berichtet, allerdings habe es bislang noch keine umfassende Erhebung zur Krankheitslast gegeben, erklären die Autoren der aktuellen Arbeit. 1

Medizinische Auswirkungen von Umwelt- und Klimaänderungen für Menschen in Deutschland

  • Die europäische allergologische und immunologische Fachgesellschaft EAACI hat auf ihrer Jahrestagung den Kampf gegen Umweltverschmutzung und gegen deren gesundheitlichen Folgen zu einer ihrer Kernaufgaben erklärt. Die Fachgesellschaft arbeitet aktuell auch an einer Leitlinie zu Environmental Health (Umwelthygiene und Umweltmedizin). Mehr zum Thema Luftverschmutzung und Umweltmedizin lesen Sie hier >>
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  • Für den Vorsitzenden der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), Dr. Martin Herrmann, ist die Klimakrise einen „medizinischen Notfall“. Warum das so ist und wie die DGIM das Thema einschätzt, erfahren Sie hier >>
  • Schon Ende 2019 hatte ein Lancet-Report Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen beschrieben. Den Überblick dazu finden Sie hier >>

Design

In Teil 1 der Studie wurden 64,9 Millionen Todesfälle in 9 Ländern für die Jahre 1980 – 2016 in 176 unterschiedliche Kategorien eingeteilt und mit den Tagestemperaturen von 23 Zonen verlinkt, die im gleichen Zeitraum im Rahmen des ERA5-Datensatzes global mit einer Auflösung von 30 Kilometern verfügbar sind. Daraus wurde die fallspezifische und die gesamte, den Temperaturen zuzuschreibende, Krankheitslast ermittelt. In Teil 2 der Studie wurden dann die fallspezifischen relativen Risiken unter Nutzung der Daten der Burden of Diseases-Studiengruppe auf die gesamte Weltbevölkerung extrapoliert.

Ergebnisse

  • 17 der 176 Todesursachen zeigten eine Temperaturabhängigkeit.
  • Ischämische Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Kardiomyopathien und Myokarditis, Bluthochdruck, Diabetes, chronische Nierenerkrankungen, Infektionen der unteren Atemwege und COPD zeigten einen J-förmigen Zusammenhang mit der Tagestemperatur.
  • Externe Todesursachen wie Tötungsdelikte, Suizide, Ertrinken, Katastrophen, (Verkehrs)unfälle und andere unbeabsichtigte Verletzungen zeigten einen gleichmäßige Zunahme mit der Temperatur.
  • Die Schätzungen für Todesfälle durch „nicht-optimale“ Temperaturen reichten von 7,98 Toten / 100.000 und einem Anteil der Bevölkerung (PAF) von 1,2 % in Brasilien bis zu 35,1 Toten / 100.000 und einem Bevölkerungsanteil von 4,7 % in China.
  • Die Mortalität durch Kälte war im Jahr 2019 in allen Ländern mit verfügbaren Daten höher als durch Hitze, beispielsweise in China mit einem PAF von 4,3 % und in Neuseeland mit einem PAF von 3,4 %. Der Hitzeeffekt machte dagegen in den am stärksten betroffenen Ländern China und Brasilien nur 0,4 % aus.
  • Insgesamt starben global im Jahr 2019 geschätzt 1,69 Millionen Menschen (95%Konfidenzintervall 1,52 – 1,83) infolge nicht optimaler Temperaturen. Von Hitze waren dabei vorwiegend Süd und Südostasien, Afrika und der Mittlere Osten betroffen, von Kälte das östliche und zentrale Europa sowie Zentralasien.

Klinische Bedeutung

Die Studie stärkt die Datengrundlage, auf der über die möglichen klinischen Folgen des Klimawandels und der globalen Erwärmung diskutiert werden kann. Überraschend dürfte das Studien-Ergebnis sein, dass gegenwärtig weitaus mehr Menschen vorzeitig infolge von Kälte sterben als infolge von Hitze.

Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.“

Bildquelle: © gettyImages/cmannphoto

  1. Burkart KG et al.: Estimating the cause-specific relative risks of non-optimal temperature on daily mortality: a two-part modelling approach applied to the Global Burden of Disease Study. Lancet. 2021 Aug 21;398(10301):685-697. doi: 10.1016/S0140-6736(21)01700-1.

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