16. November 2021

Metaanalyse

Was bringt Zink bei der Vorbeugung von Atemwegsinfektionen?

Von der Einnahme von Zink-Präparaten versprechen sich viele Menschen gerade jetzt in den Wintermonaten eine Stärkung des Immunsystems und eine bessere Abwehr von viralen Atemwegsinfektionen einschließlich Covid-19. In einer Metaanalyse aus Australien wurde der Effekt auf den Prüfstand gestellt.  1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Mit Ausnahme von Covid-19 und Influenza gibt es keine Impfungen gegen virale Atemwegsinfektionen. Die Symptome reichen von harmlosen Erkältungserscheinungen bis hin zu viralen Pneumonien. Auch wenn die Infekte häufig selbstlimitierend sind, verursachen sie erhebliche Gesundheitskosten sowie Fehlzeiten am Arbeitsplatz und in der Ausbildung.  

Rationale hinter dem Einsatz von Zink sind antivirale Eigenschaften und die Bedeutung für ein funktionierendes Immunsystem. In einigen Leitlinien wird Zink zur Vorbeugung gegen Atemwegsinfektionen empfohlen.  

In der Metaanalyse von Jennifer Hunter von der Western Sydney University und ihrem Team wurden 28 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 5.446 Teilnehmenden zur vorbeugenden Wirkung verschiedener Zink-Formulieren (oral, sublingual, intranasal) analysiert. Eine spezifische Studie zur Prävention von Covid-19 war nicht dabei.

Mit oralen oder intranasalen Zinkpräparaten konnten im Vergleich zu Placebo 5 Atemwegsinfektionen pro 100 Personenmonate verhindert werden das entsprach einer „number needed to treat“ (NNT) von 20 zur Prävention eines Atemwegsinfektes. Sublinguale Zinkpräparate hatten keinen präventiven Effekt nach Rhinovirus-Inokulation (RR 0,96).

Im Mittel litten die Patienten mit Atemwegsinfektionen nach Anwendung sublingualer oder intranasaler Zinkpräparate zwei Tage weniger unter Symptomen und von den Menschen ohne Zinkanwendung waren im Vergleich zu 10 von 100 Erwachsenen mehr an Tag 7 noch symptomatisch. An Tag 3 waren die Symptome bei Zinkanwendung weniger stark ausgeprägt, nicht aber im Durchschnitt aller Tage. Die Qualität dieser Studien war aber zumeist gering. Unter den Zink-Präparaten traten mehr Nebenwirkungen (z.B. Übelkeit, Irritationen an Mund- und Nasenschleimhaut) auf, eine vermehrte Rate an schweren Nebenwirkungen wurde nicht beobachtet.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Zinkpräparate bei Erwachsenen ohne Hinweise auf ein Zinkdefizit möglicherweise zur Prävention von Atemweginfekten beitragen und Dauer und Schwere der Symptome reduzieren können. Vergleiche verschiedener Zink-Formulierungen und Dosierungen waren nicht möglich. Die Qualität der Studien war eher schlecht, was die Aussagekraft einschränkt. Wünschenswert wären weitere Studien insbesondere auch zur Prävention von Covid-19.

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