11. Januar 2019

5 medizinische Mythen und was dahintersteckt

Manche unbelegten medizinischen Behauptungen halten sich hartnäckig – nicht nur unter Patienten. Erfahren Sie hier, was es mit fünf häufigen Annahmen auf sich hat.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel aus dem British Medical Journal, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

„Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns”

Trotz großer Fortschritte in der Neurowissenschaft hält sich der Mythos, dass nur 10% des Gehirns genutzt werden, hartnäckig seit mehr als einem Jahrhundert. Manche Quellen schreiben die Behauptung Albert Einstein zu, wofür es jedoch keine Belege gibt. Bereits 1907 wurde dieser Mythos genutzt, um Selbstoptimierung und die Nutzung ungeahnter Fähigkeiten zu propagieren.3

Bildgebende Verfahren, metabolische Studien und mikrostrukturelle Analysen haben gezeigt, dass wesentlich mehr als 10% des Gehirns genutzt werden. Läsionen in ziemlich jeder Gehirnregionen führen zu spezifischen und anhaltenden Effekten auf mentale, vegetative oder Verhaltenseigenschaften.

„Haare und Fingernägel wachsen nach dem Tod weiter”

In der Literatur gibt es immer wieder Beschreibungen, dass Haare und Nägel auch Tage nach dem Tod noch weiterwachsen. Hintergrund dieses Mythos ist das Austrocknen und Schrumpfen der Haut nach dem Tod, das zum anscheinenden Wachsen der Haare und Nägel führt. Es handelt sich jedoch nur um einen betonten Unterschied der Nägel und Haare zum zurückgewichenen Gewebe an Kopf und Händen.

Tatsächliches Wachstum wird durch komplexe hormonelle Kreisläufe reguliert, welche nach dem Tod nicht aufrechterhalten werden können.

„Lesen bei schlechtem Licht schadet den Augen”

Bei dämmerigem Licht zu lesen wirkt sich negativ auf die Sehfähigkeit aus, so die populäre Annahme. In der Tat führt suboptimale Beleuchtung zu Schwierigkeiten beim Fokussieren, einer verminderten Blinzelrate und dadurch trockenen Augen. Allerdings sind diese Effekte nur vorübergehend und nicht dauerhaft anhaltend. Eine Überanstrengung wirkt sich nicht auf die Funktion oder Struktur der Augen aus.4

„Man sollte 8 Gläser Wasser am Tag trinken”

Eine tägliche Trinkmenge von 2,5 Litern findet sich in vielen Ernährungsempfehlungen, jedoch ohne Belege. Bereits 1945 wurde behauptet, dass für jede Kilokalorie ein Milliliter Wasser getrunken werden solle. Allerdings findet sich in der Literatur keinerlei Evidenz für das Trinken von acht Gläsern Wasser am Tag.2

Eine adäquate Flüssigkeitsaufnahme erfolgt üblicherweise durch den typischen Konsum von Wasser und anderen Getränken (auch koffeinhaltige). Übermäßiges Trinken kann sogar gefährlich sein, da eine Wasserintoxikation oder Hyponatriämie auftreten können.

„Handys stören medizinische Geräte”

Störung von medizinischen Geräten durch Handystrahlung wird von vielen als Gefahr angesehen. In manchen Kliniken führte die Furcht zum gänzlichen Verbot von Mobiltelefonen.

Allerdings gibt es kein Grund zur Sorge: Untersuchungen zeigen, dass eine Interferenz von Handys und medizinischen Apparaten sehr gering ist. Dabei musste der Abstand zwischen den Geräten unter einem Meter liegen.

Das Mitführen von Mobiltelefonen in den Kliniken hat hingegen einige positive Effekte: Es kann Verzögerungen in der Kommunikation verhindern und dadurch das Risiko von Verletzungen oder Behandlungsfehlern minimieren.5

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  1. Vreemann RC & Carroll AE. Medical myths. British Medical Journal 2007; 335: 1288-1289.
  2. Valtin H. “Drink at least eight glasses of water a day.” Really? Is there scientific evidence for “8 × 8″? Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol. 2002 Nov;283(5):R993-1004.
  3. Beyerstein BL. Do we really use only 10 percent of our brains? Scientific American, 08.03.2004
  4. 5 common eye myths dispelled. Harvard health publishing.
  5. Derbyshire SWG. Use of mobile phones in hospitals. British Medical Journal 2006; 333(7572): 767-768.

Bildquelle: © istock.com/Jolygon, Astrid860, stevanovicigor, yipengge, nito100

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