08. Oktober 2021

WHO empfiehlt Malaria-Impfstoff

Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet „einen historischen Moment“: Erstmals hat sie einen Malaria-Impfstoff für den breiten Einsatz empfohlen.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Autorin: Dr. Angela Speth

Geimpft werden sollen Kinder in Afrika südlich der Sahara und in anderen Regionen mit mäßigem bis hohem Übertragungsrisiko des Erregers. Jedes Jahr könnten so Zehntausende von Menschen vor dem Tod bewahrt werden.

„Der lang erwartete Malaria-Impfstoff für Kinder ist ein Durchbruch für die Wissenschaft, die Gesundheit von Kindern und die Malariabekämpfung“, so WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Mitteilung der Genfer Behörde.

„Wenn dieser Impfstoff zusätzlich zu den vorhandenen Mitteln zur Malariaprophylaxe eingesetzt wird, könnten jedes Jahr Zehntausende von jungen Menschenleben gerettet werden.“ Ein noch laufendes Pilotprogramm in Ghana, Kenia und Malawi, das seit 2019 mehr als 800.000 Kinder erreichte, hatte die Wirksamkeit und Sicherheit belegt.

Impfstoff gegen tödlichsten Malariaparasiten

Der Impfstoff RTS,S/AS01 (RTS,S) wirkt gegen Plasmodium falciparum, den tödlichsten Malariaparasiten weltweit, der in Afrika am häufigsten vorkommt. Die Infektion ist eine der Hauptursachen für Kinderkrankheiten und Todesfälle in Afrika südlich der Sahara. Jährlich sterben daran mehr als 260.000 afrikanische Kinder unter 5 Jahren. Allerdings hatten die WHO und ihre Partner in den letzten Jahren festgestellt, dass die Fortschritte bei der Bekämpfung der Krankheit stagnieren.

Gemäß den Vorgaben der WHO ist der Impfstoff RTS,S zur Vorbeugung von P. falciparum-Malaria bei Kindern bestimmt, und zwar zusammen mit weiteren Maßnahmen in Regionen mit mäßiger bis hoher Übertragung. Die Kinder sollen die auch „Mosquirix“ genannte Vakzine ab dem 5. Lebensmonat in einem Schema von 4 Dosierungen erhalten. Zugrunde liegen die Empfehlungen zweier globaler WHO-Beratergremien, eines für Immunisierung und eines für Malaria.

Impfstoffentwicklung basiert auf jahrelanger Forschung

Dem jetzigen Erfolg gehen 30 Jahre an Forschung und Entwicklung voraus, vom britischen Pharma-Unternehmen GlaxoSmithKline in Partnerschaft mit PATH, unterstützt von einem Netzwerk afrikanischer Forschungszentren. Zudem hat die Bill & Melinda Gates Foundation zwischen 2001 und 2015 Geldmittel für die Spätphase bereitgestellt.

Der WHO-Beschluss wird durch Pilotprojekte gestützt. Deren Daten und Erkenntnisse umfassen eine 2-jährige Kampagne in Kinderkliniken von Ghana, Kenia und Malawi unter Leitung der 3 Gesundheitsministerien.

Die Finanzierung wurde durch eine noch nie dagewesene Zusammenarbeit dreier globaler Institutionen ermöglicht: der Impf-Allianz Gavi, des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria sowie Unitaid.

Todesfälle durch schwere Malaria sank um 30 %

Dabei wurde eine Reihe von Kriterien geprüft und bestätigt:

  • Machbarkeit: Die Einführung des Impfstoffs lässt sich vor Ort umsetzen. Die Immunisierung verbessert die Gesundheit, rettet Leben und kann gut und gleichmäßig in Routine-Impfungen integriert werden, wie sich sogar während der Covid-19-Pandemie gezeigt hat.
  • Erreichen schwer erreichbarer Menschen: RTS,S erhöht die Chancengleichheit beim Zugang zur Malariaprävention. Es profitierten sogar mehr als 2 Drittel der Kinder, die nicht unter einem Moskitonetz schliefen. Wurden beide Maßnahmen kombiniert, stieg die Rate auf mehr als 90 %.
  • Hohe Sicherheit: Bisher wurden in den 3 afrikanischen Ländern mehr als 2,3 Millionen Dosen verimpft – mit guter Verträglichkeit.
  • Keine Beeinträchtigung des Gesundheitsverhaltens: Die Menschen nutzten ebenso oft Insektizid-imprägnierte Moskitonetze, nahmen andere Kinderimpfungen in Anspruch und gingen bei fieberhaften Erkrankungen unverändert umsichtig vor.
  • Erhebliche Wirksamkeit in realen Situationen: Todesfälle durch schwere Malaria verringerten sich signifikant um 30 %, selbst in Gebieten, wo Insektizid-behandelte Netze weit verbreitet waren und ein guter Zugang zu Diagnostik und Behandlung bestand.
  • Hohe Kosteneffizienz nach Modellrechnungen: In Gebieten mit mäßiger bis hoher Malariaübertragung übertreffen die Einsparungen die Kosten.

Nächster Schritt: Breitere Einführung der Impfung

„Seit Jahrhunderten wird Afrika südlich der Sahara von der Malaria heimgesucht, was unermessliches persönliches Leid verursacht. Die heutige Empfehlung ist ein Hoffnungsschimmer für den Kontinent, denn nun können viel mehr Kinder geschützt werden und zu gesunden Erwachsenen heranwachsen“, fasst Dr. Matshidiso Moeti, WHO-Regionaldirektor für Afrika, die Resultate zusammen.

Im nächsten Schritt wird der Mitteilung zufolge die globale Gesundheitsgemeinschaft über die Finanzierung der breiteren Einführung entscheiden. Und die Länder wollen prüfen, ob und wie sie die Impfung als Teil ihrer Anti-Malaria-Strategien übernehmen.

Das Malaria Vaccine Implementation Programme sammelt weiterhin Erkenntnisse über die Durchführbarkeit, Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs unter realen Routinebedingungen in ausgewählten Gebieten von Ghana, Kenia und Malawi.

Dort sollen auch der zusätzliche Nutzen der 4. Dosis und die längerfristigen Auswirkungen auf die Sterblichkeit von Kindern ermittelt werden. Die WHO koordiniert das Programm mit Unterstützung internationaler Partner, darunter PATH, UNICEF und GSK, das bis zu 10 Millionen Dosen spendet.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape erschienen.

Bildquelle: © Getty Images/Manjurul

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