
Unzählige Redensarten befassen sich mit der Liebe, einige davon mit wissenschaftlichem Hintergrund. Zum Valentinstag werfen Ärzte einen fachlichen Blick auf einige bekannte Redensarten.
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Dieser Beitrag beruht auf einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom 8. Februar 2019.1
Frisch Verliebte können angeblich allein von Luft und Liebe leben. Verantwortlich dafür ist wohl das Hormon Phenylethylamin, das bei Verliebten reichlich gebildet wird und zu einem gezügelten Appetit führt. Anders sieht es in längeren Beziehungen aus: Studien zeigen, dass glückliche Paare im Schnitt mehr wiegen als Singles.
Menschen in glücklichen Partnerschaften wiegen zudem mehr als solche in kriselnden. „Dies ist womöglich auf den sinkenden Konkurrenzdruck in glücklichen Partnerschaften zurückzuführen”, berichten Prof. Dr. Martina Müller-Schilling und Kollegen von der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin am Uniklinikum Regensburg (UKR).
Ähnlich wie bei Organspenden passe es nicht immer zwischen zwei Menschen, erklärt Umweltmedizinerin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München. Doch scheint in der Liebe die Devise „je fremder, umso besser” zu gelten. Dabei geht es um Immun-Gene, wie Prof. Dr. Bernhard Weber, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Regensburg, erklärt. Diese spielen bei der Abwehr von Krankheitserregern eine Rolle. Und je unterschiedlicher der Genpool von Mutter und Vater, desto besser ist der Nachwuchs für möglichst viele Krankheitserreger gewappnet.
Traidl-Hoffmann sagt, es gebe Hinweise, dass Moleküle auf Oberflächen von Zellen, die bei der Erkennung des Immunsystems über Freund oder Feind entscheiden, Duftkomponenten entstehen lassen. „Interessant ist zudem, dass es offensichtlich ein Optimum für den genetischen Unterschied der Immunausstattung von zwei Sexualpartnern gibt”, fügt Bernhard Weber hinzu. Zuviel Diversität könne zu autoaggressiven T-Zellen führen, die womöglich körpereigenes Gewebe angreifen und Autoimmunerkrankungen auslösen.
Ein Botenstoff, der im Gehirn das Gefühl von Verliebtheit entstehen lässt, ist Dopamin. Prof. Dr. Thomas Loew, Leiter der UKR-Abteilung für Psychosomatische Medizin, vergleicht die Wirkung mit einer wahnhaften Störung. Amerikaner sagten dazu jargonhaft „firm, fixed, false idea”. „‚Firm’ bedeutet, die Person ist von dem Sachverhalt überzeugt, ohne dass es weitere Argumente bräuchte. ‚Fixed’ meint, der Zustand hält einige Zeit an, allgemein bei der Verliebtheit etwa sechs Wochen. ‚False’ bedeutet, dass nicht unbedingt jeder im Umfeld die uneingeschränkt positive Bewertung des Objekts der Begierde teilt”, so Loew. Oder anders gesagt: Verliebte sind blind für etwaige Fehler des Geliebten.
Endorphine, die Glücksgefühle vermitteln und schnell Zufriedenheit herstellen können, führen laut Loew dazu, dass Liebende sich zumindest anfangs vollkommen ausreichten. „Kommt dann noch die körperliche Berührung ins Spiel, wird zusätzlich das Oxytocin – gerne auch Kuschelhormon genannt – aktiviert, das auf Dauer eine Bindung entstehen lässt.”
Der Leiter der Stabsstelle Infektiologie des UKR, Prof. Dr. Bernd Salzberger, vermutet keinen wissenschaftlichen, sondern eher einen kulturellen Hintergrund dieser Floskel, da der Begriff lange vor einem modernen Verständnis von Infektionskrankheiten entstanden ist. „Wie eine Infektionskrankheit kann auch die Liebe Menschen so transformieren, dass die Umgebung annimmt, hier ist es zu einem Verlust der Gesundheit – oder des gesunden Menschenverstands – gekommen”, erklärt der Mediziner.
Und der Pfeil Amors könne als Bild eines Infektionserregers gedeutet werden. Auch sei Liebe als Phänomen ansteckend, trete also in Gruppen gehäuft und in zeitlichem Zusammenhang auf. Und letzten Endes bringe die Liebe auch eine Reihe von Infektionsgefahren mit sich: etwa die Übertragung des Epstein-Barr-Virus.