26. Juni 2020

Leitlinien: 5 weitere Neuerungen 2020

Leitlinien der Fachgesellschaften bieten eine wertvolle Hilfe im ärztlichen Alltag. Finden Sie hier 5 weitere aktuelle Neuerungen zu Diagnostik und Therapie.

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Idiopathische Lungenfibrose : Neue Leitlinie zur Diagnostik

Die im März 2020 veröffentlichte S2K-Leitlinie zur Diagnostik der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) soll diese optimieren und eine Diagnose ohne Verzögerungen, möglichst wenig invasiv und zuverlässig ermöglichen.1 Eine zentrale Aussage ist dabei, dass es sich bei der IPF noch immer um eine Ausschlussdiagnose handle.

Für die Diagnose einer IPF müssen Kriterium 1 und entweder Kriterium 2 oder 3 erfüllt sein:

  1. Eine interstitielle Lungenerkrankung (ILD) bekannter Ursache (z.B. Noxen-Exposition, Kollagenosen, andere Systemerkrankungen, medikamentös induzierte ILD etc.) muss ausgeschlossen werden.
  2. In der hochauflösenden Computertomographie (HRCT) muss ein UIP-Muster (usual interstitial pneumonia: Honigwabenmuster mit oder ohne Traktionsbronchiektasien etc.) vorliegen.
  3. Vorliegen spezifischer Kombinationen von HRCT- und Histologie-Ergebnissen.

Frühsommer-Meningoenzephalitis: Neurologische Schäden verhindern

Zu Beginn des Jahres 2020 hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie die Empfehlungen rund um die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erneuert.2 Zu den neu hinzugekommenen Punkten zählen:

  • Wirtstiere für FSME-Viren können neben kleinen Nagetieren auch Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Rinder sein.
  • Eine Übertragung mit FSME-Viren kann auch durch eine Organtransplantation geschehen. Die Infektion kann in der Folge zum Tod führen.
  • Immunmodulierende Therapien (z.B. mit Rituximab) können bei Erkrankten zum Tod führen.
  • Das Risikogebiet wächst stetig. Mittlerweile gehört nun die gesamte Schweiz mit Ausnahme der Kantöne Genf und Tessin dazu. Auch in den Niederlanden wurde im Jahr 2019 über lokale Übertragung berichtet.

Mehr als ein Drittel der an FSME erkrankten Patienten tragen dauerhafte neurologische Schäden davon. Deshalb wird die aktive Impfung allen Personen nach dem vollendeten 1. Lebensjahr und vor Aufenthalt in einem Risikogebiet empfohlen. Lesen Sie hier alles Wichtige zur Zeckensaison 2020.

Covid-19: Update zur intensivmedizinischen Behandlung

Die Leitlinie mit Empfehlungen zur intensivimedizinischen Behandlung von schwer an Covid-19 erkrankten Patienten wurde kürzlich überarbeitet und steht nun in ihrer zweiten Version zur Verfügung.3

Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN)und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) werden u.a. Empfehlungen zur Diagnostik, Hygienemaßnahmen und Verfügbarkeit von Intensivbetten gegeben.

Ausführlich wird auf die Maßnahmen bei akuter hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz eingegangen. Dabei werden Sauerstoffgabe, Prozeduren an den Atemwegen, Intubation, invasive Beatmung und Tracheotomie diskutiert.

Covid-19: Versorgung und Reanimation des Neugeborenen

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann das Risiko vorzeitiger Wehen erhöhen und führt tendenziell zu mehr Kaiserschnitten aufgrund einer fetalen Gefährdung. Das Risiko einer Infektion des Babys während der Geburt ist gering, selbst bei bekannter Covid-19-Erkrankung der Mutter.4

Dennoch sollte das übliche Vorgehen im Kreißsaal geändert werden, um eine SARS-CoV-2-Infektion von Neugeborenem und Personal zu verringern, so eine aktuelle Covid-19-Leitlinie des European Resuscitation Councils.

Die Autoren geben unter anderem folgende Empfehlungen:

  • Bei keinem klinischen Verdacht der Mutter auf Covid-19 soll das Personal die örtlichen oder nationalen Richtlinien zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) befolgen. Dazu zählen flüssigkeitsresistente chirurgische Masken oder Visiere, kurzärmlige Schutzkittel und Handschuhe, zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen.
  • Bei Verdacht auf und Bestätigung von Covid-19 der Mutter muss das Personal eine vollständige Luftpartikel-PSA tragen (FFP3- oder FFP2-Maske (wenn FFP3 nicht verfügbar), Langarmschutzkittel und Handschuhe).
  • Lokale Empfehlungen können die regionale Prävalenz von Covid-19 berücksichtigen.

Multiples Myelom & COVID-19: Das empfehlen die Leitlinien

Onkologische Erkrankungen erhöhen das Risiko, durch eine Infektion mit respiratorischen Viren an einer Lungenentzündung zu erkranken. Dies gilt wahrscheinlich auch für eine Infektion mit SARS-CoV-2, welche bei Betroffenen zu schweren Krankheitsverläufen führen kann.

Was es daher bei onkologischen Patienten und speziell bei Patienten mit Multiplem Myelom zu beachten gilt, erfahren Sie in der aktuellen Onkopedia-Leitlinie.5 Die Empfehlungen besagen:

  • Therapie: Eine gemäß der Leitlinien indizierte Therapie sollte bei MM-Patienten durch- bzw. fortgeführt werden. Eine kontrollierte Tumorerkrankung ermöglicht eine bessere Infektkontrolle.
  • ASCT: Autologe Stammzellstransplantationen können in der Regel nach Plan durchgeführt werden.
  • Steroide: Der Einsatz von Steroiden sollte nach Möglichkeit in niedriger Dosierung erfolgen. Allgemein ist der Einfluss der Steroide auf Infektionen mit SARS-CoV-2 noch unklar. Bei einem geringen Therapiedruck, beispielsweise ein langsamer Anstieg von Paraprotein oder Leichtketten, kann die Therapie, unter Berücksichtigung der regionalen Versorgungssituation, verschoben werden.

Wichtige Leitlinien im Überblick

Regelmäßige Informationen über neue oder aktualisierte Leitlinien aus allen Fachbereichen finden Sie in unserem Infocenter Wichtige Leitlinien im Überblick.

  1. Behr J et al. S2K-Leitlinie zur Diagnostik der idiopathischen Lungenfibrose. Pneumologie 2020; 74(5): 263-293
  2. Kaiser R. et a., Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), S1-Leitlinie, 2020, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.
  3. Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit COVID-19. AWMF-Registernummer 113-001, 2020
  4. Madar J et al. Die Versorgung und Reanimation des Neugeborenen. COVID-19-Leitlinien des European Resuscitation Council, 2020
  5. Onkopedia Leitlinie. Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen. Stand: Mai 2020.

Bildquelle: © Getty Images/megaflopp

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