09. August 2019

Teil 2

Leitlinien: 10 wichtige Neuerungen 2019

Erhalten Sie hier Informationen zu 5 weiteren Leitlinien, die in diesem Jahr veröffentlicht worden sind. Unter anderem gab es Aktualisierungen bei Varikosen, Harnsteinen & Krebserkrankungen.

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

S3-Leitlinie: Varikose

In der aktualisierten S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Varikose“ gibt es keine Empfehlung für ein bestimmtes Therapieverfahren, dies ist in Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern einzigartig.1,2 Invasive Verfahren, Kompression und medikamentöse Therapie können kombiniert werden.

Endovenös stehen 3 Methoden zur Wahl:

  • thermische Ablation (EVTA)
  • Laserablation (EVLA)
  • Radiofrequenzablation (RFA)

Die EVTA ist bei Insuffizienz der V. saphena magna und parva indiziert, bei anderen Gebieten reicht die Studienlage nicht für eine Empfehlung aus. EVLA und RFA können als neue Alternativen angboten werden, zu den Vorteilen einer Laserablation zählen geringere Schmerzen und die kurze Erholungszeit (1-2 Tage).

Erstmals empfiehlt die Leitlinie eine Intervention beim postthrombotischen Syndrom zur Therapie von Seitenast- und Parforansvarizen. Diagnostisch steht die Duplexsonographie klar im Mittelpunkt.

S3-Leitlinie: Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut

„Es gibt viele Möglichkeiten, bereits die Vorstufe zum weißen Hautkrebs – die Aktinische Keratose – zu behandeln“, sagt Prof. Dr. Carola Berking, Koordinatorin der Leitlinie. So können beispielsweise Lasertherapien oder topische Arzneimittel in Creme- oder Gelform zum Einsatz kommen. Erstmals liegt eine S3-Leitlinie zu diesen hellen Hautkrebsarten vor.3,4

Themen, wie nicht-invasive Hautkrebsdiagnostik und UV-induzierter Hautkrebs als Berufskrankheit, werden nun erstmalig in einer Leitlinie beschrieben. Besonders wird zudem auf Risikogruppen, wie immungeschwächte Patienten eingegangen.

Mehr über die Empfehlungen zu Kontrolluntersuchungen lesen Sie im Beitrag „Leitliniengerechte Nachsorge – wer, was und wie oft?“.

S2k-Leitlinie: Urolithiasis

Wichtige Änderungen der aktualisierten Leitlinie betreffen unter anderem die Bereiche Harnsteine bei Kindern, metabolische Diagnostik und Metaphylaxe sowie die konservative Therapie.5,6

„Ein Großteil insbesondere kleinerer Harnsteine geht spontan über den Harn ab. Falls nicht, können sie heute in aller Regel minimal-invasiv therapiert werden. Die hohe Rezidivrate von bis zu 50 Prozent erfordert jedoch die Identifikation von Risikopatienten. Diese Patienten bedürfen einer erweiterten metabolischen Diagnostik und diätetischer bzw. medikamentöser Metaphylaxe-Maßnahmen, wodurch das Rezidivrisiko je nach Steinart und Ursache sehr deutlich gesenkt werden kann“, erläutert Prof. Dr. Christian Seitz.

Bei Patienten mit neu diagnostiziertem Harnleiterstein bis zu 7 mm Durchmesser kann der Spontanabgang unter regelmäßiger Kontrolle abgewartet werden. In der Leitlinienversion von 2015 wurde dies nur für Steindurchmesser bis zu 5 mm empfohlen.

DGS-Praxisleitlinie: Opioidinduzierte Obstipation

Ein wichtiger Teilaspekt der Nebenwirkungen von Opioiden ist die opioidinduzierte Obstipation (OIC), welche durch Aktivierung von µ-Opioid-Rezeptoren im Darm verursacht wird. Aus Kostengründen empfiehlt die aktuelle Praxisleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) als Mittel der Wahl konventionelle Laxanzien, z.B. Macrogol, Bisacodyl, Natriumpicosulfat und Sennapräparate.7,8

Kommt es innerhalb von ein bis zwei Wochen zu keiner spürbaren Verbesserung, sollte zu jedem Opioid ein peripher wirkender µ-Opioidrezeptor-Antagonist (PAMORA) verordnet werden.

Weitere Informationen zur Diagnose, Therapieschritten und manuellen Eingriffen erhalten Sie im Beitrag „Neue DGS-Leitlinie zur opioidinduzierten Obstipation“.

Onkopedia-Leitlinie: Chronische Lymphatische Leukämie (CLL)

Die Wahl der Behandlung orientiert sich am Allgemeinzustand der Patienten und relevanten Komorbiditäten. Allerdings durchläuft die Therapie derzeit einen Wandel. Neben und anstelle der bisherigen Standards der Chemoimmuntherapie kommen zunehmend gezielte Inhibitoren zum Einsatz.9

Im aktuellen Leitlinien-Update (April 2019) wurde der Therapiealgorithmus neu geordnet, basierend auf neuen Studienergebnissen, die auf dem Kongress der American Society of Hematology (ASH) vorgestellt worden sind. Neu ist die Empfehlung die IgHV-Mutationsstatus für die Therapieentscheidung zu bestimmen.

Lesen Sie mehr über die Änderungen der Erstlinientherapie im Beitrag CLL-Leitlinien-Update: Neuer Erstlinien-Standard?“

  1. Diagnostik und Therapie der Varikose. AWMF-Registernr. 037-018
  2. Varikose: Kommende Leitlinie gibt keinem Therapieverfahren den Vorzug. Medical Tribune, 10.05.2019
  3. Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut. AWMF-Registernr. 032-022OL
  4. Bessere Versorgung für Patienten mit hellem Hautkrebs. Pressemitteilung Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), 09.07.2019
  5. Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. AWMF-Registernr. 043-025
  6. Neue Empfehlungen zur Volkskrankheit Harnsteine – DGU aktualisiert S2k-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU), 19.07.2019
  7. Überall MA. Opioidinduzierte Obstipation. DGS-Praxisleitlinie, 2019
  8. PAMORA statt Laxanzien. Pharmazeutische Zeitung, 26.04.2019
  9. Chronische Lympathische Leukämie. Onkopedia, April 2019

Bildquelle: © Getty Images/BiranAJackson

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