02. Oktober 2019

Legionellen: Der aktuelle Stand

In warmem Wasser finden Legionellen ideale Wachstumsbedingungen. Sie können die Legionärskrankheit und Pontiac-Fieber auslösen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) informiert in einem aktuellen Ratgeber zum Vorkommen der Bakterien, den klinischen Symptomen sowie zu Diagnostik und Therapie.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Ratgeber des Robert-Koch-Instituts, den Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Mögliche Untererfassung in Deutschland

Die gramnegativen, aeroben Bakterien der Gattung Legionella (über 60 Arten) leben und vermehren sich im Zellinneren, vor allem in freilebenden Amöben im Wasser, aber auch in menschlichen Makrophagen. Am wohlsten fühlen sich Legionellen bei Wassertemperaturen von 25-45°C, oberhalb von 60°C kommt es zum Absterben der Keime. Auch in kälterem Wasser können die Bakterien auftreten, sich bei Temperaturen unter 20°C jedoch nicht vermehren.

Infektionen kommen weltweit vor. Mit einer gemeldeten Inzidenz von 1,7 Erkrankungen je 100.000 Einwohner liegt Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt. Allerdings werden nicht alle Pneumonien auf eine Legionellen-Infektion getestet, weshalb das RKI von einer Untererfassung ausgeht.

Die meisten Infektionen (75%) werden ambulant erworben, gefolgt von Erkrankungen nach Reisen (20%) und Krankenhausinfektionen (5%). Zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zählen:

  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem (aufgrund einer Erkrankung oder Medikation)
  • Menschen mit chronischen Krankheiten (z.B. Diabetes mellitus, chronische Herz- oder Lungenerkrankungen)
  • Raucher
  • ältere Menschen (> 50 Jahre alt)

Männer sind 2-3 Mal häufiger als Frauen betroffen. In 5-10% der Fälle verläuft die Erkrankung tödlich. Seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 nimmt die Fallzahl stetig zu. Das RKI führt als Gründe eine verbesserte Fallerkennung, die Alterung der Bevölkerung und veränderte klimatische Bedingungen (hohe Temperaturen, vermehrter Niederschlag) an. In den Sommer- und Herbstmonaten treten die meisten Erkrankungen auf (Reisen während der Urlaubszeit, Baden in warmen Gewässern oder Pools, Stagnation des Wassers in Leitungen).

Infektionswege und klinische Symptomatik

In der Regel erfolgt die Infektion aerogen durch das Einatmen von Legionellen-haltigen Aerosolen. Seltener ist eine (Mikro-)Aspiration von kontaminiertem Wasser. Das Schlucken von Wasser mit Legionellen stellt kein Risiko dar, da die Bakterien von der Magensäure abgetötet werden. Kommt es zur Infektion, werden 2 typische Krankheitsbilder unterschieden:

  • Legionärskrankheit: Nach einer Inkubationszeit von 2-10 Tagen (meist 5-6 Tage, in Ausnahmefällen auch bis zu 26 Tage) kommt es zu einer schweren Form der Lungenentzündung (Legionellen-Pneumonie). Klinisch ist sie nicht von anderen Formen der Pneumonie zu unterscheiden. Weitere mögliche Symptome sind Verwirrtheit, Abdominalschmerzen und Durchfälle. Die Letalität liegt bei ambulant erworbenen Fällen bei 5-9%, bei krankenhausassoziierten Fällen bei ca. 13%.
  • Pontiac-Fieber: Die Inkubationszeit beträgt 5-72 Stunden (meist 8-24 Stunden). Es handelt sich um einen akuten fiebrigen Infekt ohne Lungenentzündung. Üblicherweise treten leichte grippale Symptome (Kopf- und Gliederschmerzen, Thoraxschmerzen, trockener Husten) auf. Patienten erholen sich innerhalb weniger Tage, es sind bislang keine Todesfälle aufgetreten. Die Pathogenese des Krankheitsbildes ist derzeit noch nicht vollständig geklärt.

Diagnostik: Goldstandard kultureller Erregernachweis

Zur Differenzierung gegenüber anderen Erregern einer Pneumonie wie Mycoplasma pneumoniae, Streptococcus pneumoniae oder Haemophilus influenzae sollte eine Erregerdiagnostik durchgeführt werden. Goldstandard ist der kulturelle Nachweis auf Spezialagar, wobei das Ergebnis erst nach einigen Tagen vorliegt. Eine Alternative ist der Nachweis von Legionellen-DNA mittels real-time PCR.

Weitere mögliche Untersuchungen sind der Urin-Antigen-Test (UAT) mit einer Sensitivität für Legionella pneumophila von 60-95%, sowie die direkte Immunfluoreszenz, welche aufgrund der relativ geringen Sensitivität (20-60%) vor allem bei einer frischen Pneumonie mit hoher Erregerdichte geeignet ist.

Therapie nur bei Legionärskrankheit

Mit geeigneten Antibiotika lässt sich eine Legionellen-Pneumonie wirksam bekämpfen. Als Mittel der ersten Wahl bei schweren Verlaufsformen einer ambulant erworbenen Pneumonie werden in der aktuellen S3-Leitlinie Levofloxacin oder Moxifloxacin empfohlen. Allerdings gilt es die Risiken von Fluorchinolonen zu beachten, mehr dazu im Beitrag “Fluorchinolone: Der Status Quo”.

Bei milden Verlaufsformen können Medikamente wie Azithromyzin oder Clarithromyzin eingesetzt werden. Nicht geeignet sind Betalaktam-Antibiotika, da sie keine ausreichende Wirkung auf intrazelluläre Erreger haben. Resistenzen stellen in der Praxis derzeit noch kein Problem dar.

Bei einer Erkrankung am Pontiac-Fieber ist keine antibiotische Therapie erforderlich. Die Infektion ist selbstlimitierend und kann symptomatisch behandelt werden.

Nach §7 Abs.1 des Infektionsschutzgesetz (IfSG) muss der direkte oder indirekte Nachweis von Legionellen bei einer akuten Infektion an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Die Meldung muss spätestens 24 Stunden nach dem Erlangen der Kenntnis erfolgen.

  1. Legionellose. Ratgeber des Robert-Koch-Instituts, Stand 05.09.2019

Bildquelle: © Getty Images/tarun101

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