27. November 2018

Krätze auf dem Vormarsch: Wissenswertes im Überblick

Von wegen ausgerottet: In Deutschland steigt aktuell die Zahl der Krätzefälle. Dabei ist nur ein Bruchteil der Infektionen meldepflichtig. Wie Sie die Krankheit erkennen und effektiv behandeln, erfahren Sie hier.

Lesedauer: 2 Minuten

Von der Krätzemilbe hervorgerufene Papeln auf der Haut.
Von der Krätzemilbe hervorgerufene Papeln auf der Haut.

Der folgende Beitrag basiert auf der S1-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und dem Skabies-Ratgeber des Robert Koch-Instituts (RKI). Redaktionelle Umsetzung: Marc Fröhling

Der Erreger: die Krätzemilbe Sarcoptes scabiei

Abbildung 1: Sarcoptes scabiei mit Eiern und Kot im Milbengang.
Abbildung 1: Sarcoptes scabiei mit Eiern und Kot im Milbengang.

Das befruchtete Weibchen der Krätzemilbe gräbt tunnelförmige Gänge bis in die Hornschicht (Stratum corneum) der Haut und legt dort Eier und Kot ab. Die geschlüpften Larven verbreiten sich dann über die Hautoberfläche und werden nach zwei bis drei Wochen selbst zu Milben. Die weiblichen Milben erreichen eine Größe von 0,3 – 0,5 mm und sind so für das menschliche Auge gerade noch als Punkt erkennbar. Bei den üblichen Raumtemperaturen sind die Milben nicht länger als 48 Stunden infektiös, bei 50 °C in der Waschmaschine noch für etwa zehn Minuten.1

Infektionsweg: Übertragung per intensivem Hautkontakt

Die Übertragung erfolgt per direktem Haut-zu-Haut-Kontakt, hier kann bereits ein befruchtetes Weibchen ausreichen. Da sich die Milben jedoch nur langsam bewegen und sich an Geruchs- und Temperaturgradienten orientieren, reichen einfaches Händeschütteln oder Umarmungen für eine Übertragung nicht aus. Gefährlich ist großflächiger, anhaltender Kontakt von fünf- bis zehnminütiger Dauer, weshalb besonders Partner, Eltern mit Kleinkindern oder Pflegende gefährdet sind. Eine Übertragung über kontaminierte Textilien ist möglich, aufgrund der außerhalb der menschlichen Haut abfallenden Infektiosität aber sehr unwahrscheinlich.1

Die Inkubationszeit bei Erstinfestation beträgt zwei bis fünf Wochen, bei Reinfestation ein bis vier Tage. Bereits während der Inkubationszeit können Kontaktpersonen angesteckt werden. Eine Infektion kann trotz erfolgreicher Therapie erneut auftreten – beispielsweise können sich nahestehende Kontaktpersonen immer wieder gegenseitig anstecken.2

Symptomatik: Kommaartige Milbengänge mit charakteristischem Pruritus

Abbildung 2: Die von der Krätzemilbe verursachten typischen Papeln an den Zwischenräumen der Finger.
Abbildung 2: Die von der Krätzemilbe verursachten typischen Papeln an den Zwischenräumen der Finger.

Primäreffloreszenzen bestehen aus typischen, bis 1 mm langen, kommaartigen Milbengängen, an deren Ende sich ein Bläschen bilden kann. Zusätzlich entsteht ein Ekzem mit zum Teil krustösen Papeln und Bläschen, das den in der Nacht zunehmenden, generalisierten Pruritus verursacht. Es tritt infolge der Immunreaktion auf Milbenprodukte, die in den Gängen abgelegt werden, auf.1

Bevorzugte Körperregionen (hohe Temperatur und dünne Hornschicht) sind u.a.:

  • Finger- und Zehenzwischenräume
  • Gesäß
  • Analfalte
  • Penissschaft
  • Nabelregion
  • vodere Axillarfalten

Diagnose: Mikroskopischer Nachweis nach Verdachtsdiagnose

Nach der S1-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zur Diagnostik und Therapie von Skabies, wird die Verdachtsdiagnose bei starkem Juckreiz und den genannten klinischen Symptomen in Zusammenhang mit anamnestischen Angaben über mögliche Expositionen gestellt.

Diagnose der gewöhlichen Skabies (mod. nach 4).
Diagnose der gewöhlichen Skabies (mod. nach 4).

Die Verdachtsdiagnose kann beispielsweise durch mikroskopischen Nachweis von Milben und deren Produkten abgesichert werden. Hautgeschabsel hierfür werden von den blinden Enden der Gänge, an denen eine Papel – der Milbenhügel – zu erkennen sein kann, mit einem Skalpell geführt. Nach der DDG-Leitlinie ist der Klebebandtest eine Alternative. Hier wird ein durchsichtiges Klebeband auf die Milbenhügel gedrückt und anschließend auf den Objektträger gelegt. Eine weitere Möglichkeit ist eine Dermatoskopie. Hierbei wird nach dem sogenannten „kite sign“, dem drachenförmigen Brust- und Kopfschild der Milbe, in Verbindung mit dem Gangsystem, gesucht.1

Mehr über Therapiemöglichkeiten der gewöhnlichen Skabies sowie Näheres zur Scabies crustosa finden Sie im zweiten Teil des Beitrags.

1. S1-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) zur Diagnostik und Therapie von Skabies; Kurzfassung.
2. Deutsches Ärzteblatt: Skabies: Ein Erfahrungsbericht.
3. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Skabies (Krätze).

Abbildung 1: ©iStock.com/Nastasic.
Abbildung 2: CDC Public Health Image Library (Centers for Disease Control and Prevention); Symbolbild mit Modell.
Abbildung 3: mod. nach RKI-Ratgeber Skabies, Tabelle 1.
Teaserbild: https://commons.wikimedia.org/Steschke; Symbolbild mit Modell.

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