15. Juni 2021

Frischmilch könnte Gesundheitsrisiken bergen

Milch galt lange Zeit als sehr gesundes Lebensmittel. Jetzt mehren sich die Erkenntnisse, dass der langjährige Genuss von unfermentierter Kuhmilch vielleicht doch keine so gute Idee ist. Epidemiologische Studien weisen auf einen möglichen Zusammenhang mit Zivilisationskrankheiten hin.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Milch ist alles andere als ein normales Getränk: Es handelt sich vielmehr um ein hochkomplexes endokrines Signalsystem zwischen dem mütterlichen Organismus und den Nachkommen. Enthalten sind zahlreiche Wachstumsfaktoren, die anabol wirken und die Proliferation fördern. Was für das Wachstum von Säugling bzw. Kalb gut ist, muss aber nicht unbedingt für Erwachsene richtig sein. Durch eine bakterielle Fermentierung wie bei der Joghurt- und Käseherstellung wird die mTORC1-aktivierende Signalfunktion der Milch abgeschwächt.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Bodo C. Melnik, Dermatologe und Umweltmediziner aus Gütersloh, hat epidemiologische Studien zum Thema Milchkonsum und Gesundheitsrisiken ausgewertet. Dabei wurden nur Studien berücksichtigt, in denen zwischen unfermentierter Milch und fermentierten Milchprodukten wie Käse oder Joghurt unterschieden wurde.

Zahlreiche Krankheiten mit Frischmilchkonsum assoziiert

Für den Genuss unfermentierter Kuhmilch konnte ein Zusammenhang mit höherem Geburtsgewicht, früherer Menarche, stärkerem Längenwachstum und höherem BMI gezeigt werden, das ist für fermentierte Milch nicht nachweisbar.

Acne vulgaris wird nach einer Metaanalyse durch beide Milchformen gefördert. Für Frischmilch ist zudem eine Assoziation mit Typ-2-Diabetes, Prostatakarzinom, Mammakarzinom, hepatozellulärem Karzinom, Non-Hodgkin-Lymphom, Morbus Parkinson und Gesamtmortalität belegt. Fermentierte Milchprodukte wirken dagegen überwiegend neutral und vor allem Joghurt zum Teil auch protektiv. Eine protektive Wirkung von Joghurt wurde für das hepatozelluläre Karzinom, Non-Hodgkin-Lymphome und M. Parkinson gezeigt.

Nach Meinung der Autoren sollte ein langjähriger kontinuierlicher Konsum von pasteurisierter Milch im Erwachsenenalter aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden – das gelte insbesondere bei positiver Familienanamnese für die assoziierten Erkrankungen. Fermentierte Milchprodukte wie Käse und Joghurt sind dagegen gesundheitlich unbedenklich.

  1. Bodo C. Melnik et al; Gesundheitsrisiken durch Milchkonsum – Eine kritische Bewertung aus ärztlicher Sicht; MMW (2021); 163 (S4): 3–9;

Bildquelle: © gettyImages/IgorBukhlin

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