11. Dezember 2019

Klima-Spezial – Teil 2

Tropische Zecken, Allergien & was Ärzte tun können

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland erstmals tropische Zeckenarten gesichtet. Lesen Sie außerdem, wie sich der Klimawandel auf Allergien, Heilpflanzen und die Psyche auswirken kann.

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Marc Fröhling

Zecken (Ixodes): Zecken (auch: Gemeiner Holzbock, Ixodes ricinus) und die von ihnen übertragenen Erkrankungen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch.

Abb. 1: Hyalomma marginatum (r.) im Vergleich zum Gemeinen Holzbock. Bildquelle: (IMB / Lidia Chitimia-Dobler)

Tropische Zecken (Hyalomma): Im vergangenen Jahr berichteten Zeckenforscher von den ersten Funden der tropischen Hyalomma-Zecken in Deutschland. Auch einige Arten aus dem Mittelmeergebiet, wie Ixodes inopinatus, sind in den letzten Jahren nach Deutschland eingewandert. Besteht also Grund zur Sorge? An der Universität Hohenheim forschen Prof. Dr. Ute Mackenstedt und ihre Kollegen zum Thema Zecken. Bei Funden verdächtiger Zecken kann eine E-Mail mit Foto, Datum und Fundort der Zecke an tropenzecken@uni-hohenheim.de geschickt werden.

Weitere gesundheitliche Folgen des Klimawandels

Vibrionen in der Ostsee: Der Lancet-Report spricht von einer zunehmenden Gefahr durch Vibrionen, auch in der Ostsee. Die Bakterien können Magen-Darm- und Wundinfektionen verursachen. Seit den 1980er Jahren hat sich aufgrund höherer Wassertemperaturen die Anzahl der Tage verdoppelt, an denen man sich mit Vibrionen in der Ostsee anstecken kann. 2018 waren es 107 Tage.1 Für das Gros der Badenden besteht jedoch keine Gefahr.

Mehr Allergien: Allergieforscher Torsten Zuberbier von der Charité in Berlin begrüßt den Lancet-Report grundsätzlich. Es fehle jedoch ein wichtiger Aspekt, der auch die Schulleistungen betreffe: Durch den Klimawandel habe sich Pollenflug verstärkt und die Blütezeit verlängert. Zudem breiteten sich allergene Pflanzenarten wie etwa Ambrosia in Europa weiter aus. Wird also der Klimawandel zum Allergie-Booster?

Bedrohte Heilpflanzen: In Entwicklungsländern sind Heilpflanzen für 70-95 % der Bevölkerung die Hauptmedikamente. Autoren um Wendy L. Applequist warnen nun vor den schädlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Heilpflanzen.

Auswirkungen auf die Psyche: Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sieht die Effekte des Klimawandels auf die psychische Gesundheit noch viel zu wenig beachtet. Mögliche Auswirkungen sind unter anderem Stress und Ängste durch Katastrophen sowie der gesteigerte Versorgungsbedarf psychiatrischer Dienste in Katastrophenfällen.

Was kann der Gesundheitssektor selbst tun?

Der Report ruft auf den Gesundheitssektor selbst dazu auf, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Bisher verursacht dieser 4,6 % der weltweiten Kohlenstoff-Emission. Gerade in Krankenhäusern sieht der Report enormes Einsparpotential.2 Doch was lässt sich unbürokratisch und schnell umsetzen?
Demonstrieren: Auch Ärzte gehen für mehr Klimaschutz auf die Straße. Im Zuge weltweiter Klimastreiks im vergangenen September demonstrierte so der Marburger Bund Landesverband Berlin/Brandenburg unter dem Motto „Klimaschutz ist Umweltschutz“. Würden auch Sie für unsere Umwelt auf die Straße gehen?
Ressourcen schonen: Im Zuge der Klimaproblematik stellte die Zahnärztin und coliquio-Mitglied „marjabl“ die Frage, wie sich innerhalb der eigenen Praxis ressourcenschonender Arbeiten lässt. Die Ergebnisse und die besten Tipps finden Sie hier.
Ernährung: Die richtige Ernährung ist nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Zukunft unseres Planeten wichtig. Eine Lancet-Kommission hat daher zu Beginn des Jahres einen nachhaltigen Speiseplan erstellt. Nur so können in Zukunft 10 Milliarden Menschen ernährt werden, ohne dabei Raubbau zu betreiben.

1. dpa, 14.11.2019.
2. Lancet-Report prognostiziert bis zu 30 Hitzewellen mehr pro Jahr in Süddeutschland – BÄK fordert Hitzeaktionspläne. Medscape. Dierbach, Heike; 21.11.2019.

Titelbild und Abbildung 1: IMB / Lidia Chitimia-Dobler.

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