Ketamin: Vom Notfallmedikament zur modernen Droge
Medizinischem Fachpersonal ist Ketamin aus der Pharmakologie bekannt. Vor allem in der Notfallmedizin findet das Medikament Anwendung und mittlerweile sogar auch bei Depressionen. Doch auch immer mehr Laien können mit dem Begriff etwas anfangen – vor allem in der Drogenszene. Denn Ketamin ist eine beliebte Partydroge.
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Autorin: Bernadette Neuhauser | Redaktion: Marc Fröhling
Vergleichsweise preiswerter Rausch
Unter konsumierenden Personen wird die Droge auch als „K“ oder „Special K“ bezeichnet. Entweder wird sie in Form von weißem Pulver geschnupft, oder aber als Tablette oder Flüssigkeit eingenommen. Auch Spritzen oder Rauchen sind mögliche Einnahmeformen.
Die Nachfrage bestimmt das Angebot und so ist Ketamin immer leichter zu bekommen. In Großbritannien zahlt man für ein Gramm 20 £ (ca. 24 €) – weniger als für Ecstasy oder Kokain. Die weltweite Produktion steigt und der Kilopreis sinkt. Dadurch wird es gerade für junge, eher einkommensschwache Konsumenten interessant.
Kurz- und langfristige Auswirkungen der Droge
Nach der Einnahme wirkt Ketamin innerhalb von ungefähr 15 Minuten. Meistens wirkt es euphorisierend und entspannend. Allerdings kann es auch zu einer Dissoziation kommen, was bei manchen Personen wiederum Panikattacken und Erinnerungslücken verursachen kann. In dieser Phase des Rauschs sind Konsumentinnen und Konsumenten auch anderweitig gefährdet – beispielsweise steigt das Risiko, in Unfälle verwickelt zu werden.
Anders als bei Alkohol führt Ketamin zu keinem Kater am nächsten Tag. Die Kombination der beiden Drogen ist jedoch fatal und kann zum Koma führen.
Eine gefürchtete Langzeitfolge ist die sogenannte „Ketamin-Blase“. Bei steigendem Konsum kann es zu Blasenentzündung, Hämaturie oder Bildung von Geschwüren kommen. Weiterhin fraglich sind die Langzeitfolgen bei konsumierenden Personen. Bei einer Untersuchung von 21 Ketamin-Konsumenten konnten bei allen Probanden Hirnschäden nachgewiesen werden. Das Ausmaß hing mit der Dauer des Konsums zusammen.
Steigende Zahl der Konsumenten
Dass die Beliebtheit der Droge steigt, spiegeln auch Zahlen aus Großbritannien wider. So konsumierten zwischen 2006 und 2007 noch 0,9 % der 16- bis 24-Jährigen die Droge, zwischen 2022 und 2023 stieg die Zahl auf 3,8 %. Die Zahl der jungen Menschen die aufgrund von Abhängigkeit eine Therapie benötigten, stieg im Vereinigten Königreich von 512 (2021 bis 2022) auf 719 (2022 bis 2023).
Ketamin als letzter Ausweg
Doch nicht alle Konsumentinnen und Konsumenten nehmen das Medikament aus Freude am Rausch ein. Ketamin ist auch für seine Wirkung bei therapieresistenten Depressionen bekannt. Gerade in Ländern mit langen Wartelisten für Therapieplätze liegt die Vermutung nahe, dass manche Betroffene aus Verzweiflung einen Therapieversuch in Eigeninitiative versuchen. Auch das Gefühl von Dissoziation kann auf Menschen mit psychischen Erkrankungen wie ein zeitweiser Ausweg von belastenden Gedanken und Gefühlen wirken.
Fazit
Die beste Form, um Folgeschäden zu vermeiden, wäre kein Konsum. Da das landesweit allerdings unrealistisch ist, sollte man stattdessen auf aktive Aufklärung gerade von gefährdeten Gruppen setzen. Denn unüberlegter Konsum kann im schlimmsten Fall mit dem Tod enden, so wie bei dem berühmten Schauspieler Matthew Perry im vergangenen Jahr.
Der folgende Beitrag ist im Original auf Univdadis.de erschienen.


