21. August 2020

Kaffee & Koffein: Auswirkungen auf die Gesundheit

Um kaum ein Getränk ranken sich so viele Mythen wie um den Kaffee. Ein aktuelles Review hat sich nun mit den Auswirkungen von Kaffee und Koffein auf die Gesundheit befasst. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

Lesedauer: 3 Minuten

Der Beitrag basiert auf dem Review von van Dam und Kollegen aus dem New England Journal of Medicine.1 Redaktion: Marc Fröhling

Koffein als Wachmacher?

Die molekulare Struktur von Koffein ähnelt derjenigen von Adenosin. Der Stoff kann so an den Adenosin-Rezeptoren andocken und diese blocken. In moderaten Dosen (zwischen 40 und 300 mg) kann Koffein daher der Müdigkeit entgegenwirken, die Aufmerksamkeit erhöhen und die Reaktionszeit verringern. Dieser Effekt wurde auch bei Personen nachgewiesen, die gewöhnlich kein Koffein konsumieren, ebenso bei regelmäßigen Konsumenten, die zuvor kurze Zeit abstinent waren.

Trotz dieser zunächst positiven Eigenschaften kann Koffein laut dem Review jedoch nicht den Leistungsrückgang nach einem langfristigen Schlafentzug kompensieren. Spät am Tag konsumiert, kann sich Koffein zudem auf die Schlafqualität auswirken und das Einschlafen erschweren. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass der Einfluss von Koffein auf den Schlaf höchst individuell ausfallen kann, was unter anderem von den Genvarianten des Adenosin-Rezeptors und dem Stoffwechsel abhängt.

Toxische Effekte in hohen Dosen?

Die Autoren empfehlen eine Begrenzung der Koffeinzufuhr auf 400 mg pro Tag bei gesunden Erwachsenen, Schwangere sollten nicht mehr als 200 mg täglich konsumieren. 400 mg Koffein entsprechen etwa vier großen Tassen Filterkaffee oder sechs Espressi. In höheren Dosen ab 1,2 g kann Koffein dem Review zufolge zu Angstzuständen, Unruhe, Nervosität, Dysphorie, Schlaflosigkeit, Erregung und psychomotorischer Agitation führen. Allerdings wird von den Autoren darauf hingewiesen, dass Personen verschieden stark auf Koffein reagieren können, was von diversen Faktoren abhängt – neben genetischen Ursachen beschleunigt beispielsweise das Rauchen den Kaffeestoffwechsel. Energy Drinks und Koffein-Shots gelten laut dem Report als riskant, was kardiovaskuläre, psychische und neurologische Komplikationen angeht – besonders, wenn die Getränke zusätzlich Alkohol enthalten.

Ab einer Dosis von 10-14 g kann Koffein tödlich wirken. Für eine tödliche Vergiftung, die über die Einnahme kaffeehaltiger Getränke erfolgt, müssten hierzu allerdings 75 bis 100 Tassen in kurzer Zeit getrunken werden.

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Geringere Gesamtmortalität durch Kaffeekonsum?

Weltweite Kohortenstudien haben gezeigt, dass der Konsum von 2 bis 5 Standardtassen Kaffee mit einer niedrigeren Gesamtmortalität einhergeht. Auch bei einem höheren Konsum von über 5 Tassen pro Tag war die Mortalität im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern geringer oder vergleichbar. Laut den Autoren trifft dies sowohl auf gewöhnlichen als auch auf entkoffeinierten Kaffee zu.

Kein erhöhtes Krebsrisiko?

Lange Zeit wurden Kaffee und Koffein eine möglicherweise krebserregende Wirkung zugeschrieben. Mittlerweile sieht das anders aus, wie aus dem Review hervorgeht. Zahlreiche prospektive Kohortenstudien liefern demnach starke Evidenz dafür, dass Kaffeegenuss nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert ist. Mehr noch: Studien weisen sogar auf ein leicht verringertes Risiko für Melanome, bestimmte Arten von Hautkrebs, Brust- und Prostatakrebs hin. Ähnliche Assoziationen wurden auch für das Risiko von Endometrium- und Leberzellkarzinome beobachtet.  

Schlägt Kaffeekonsum auf das Herz?

Hierzu verweisen die Autoren auf die Ergebnisse zahlreicher Studien, die den Zusammenhang von Kaffeekonsum mit dem Risiko koronarer Herzkrankheiten und Schlaganfällen untersucht haben. Die Ergebnisse zeigen hier übereinstimmend kein erhöhtes Risiko beim Konsum von 6 Standardtassen Filterkaffe am Tag im Vergleich zu Kaffeeabstinenz. Dies trifft sowohl auf gesunde Menschen als auch auf Personen, die bereits herzkrank sind, zu.

Der zweite Teil des Beitrags befasst sich unter anderem mit Wechselwirkungen von Koffein und Arzneimitteln, Entzugserscheinungen und dem Einfluss von Kaffeekonsum auf neurologische Erkrankungen.

1. Van Dam et al: Coffee, Caffeine, and Health. New England Journal of Medicine; 383:369-378, 23.07.2020. DOI: 10.1056/NEJMra1816604.
2. Schlimpert, Veronika: 9 Mythen über Kaffee und Koffein. Kardiologie.org. 04.08.2020.
Titelbild: © Getty Images/AlexRaths

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