21. August 2020

Kaffee & Koffein: 4 weitere gesundheitliche Effekte

Im zweiten Teil des Beitrags lesen Sie mehr über mögliche Wechselwirkungen von Koffein mit Arzneistoffen. Außerdem erfahren Sie, warum bei den Themen Bluthochdruck und Insulinspiegel eine differenzierte Betrachtung von Kaffee und Koffein nötig ist.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ärzte sollten laut den Studienautoren beachten, dass es über verschiedene Medikamentenklassen hinweg zu Wechselwirkungen mit Koffein kommen kann. Darunter fallen manche Chinolon-Antibiotika, Herz-Kreislauf-Medikamente, Bronchodilatatoren und Antidepressiva. Durch diese Medikamente kann die Koffein-Clearance verlangsamt und die Halbwertszeit erhöht werden, da sie in der Regel von denselben Leberenzymen metabolisiert werden. Weitere Informationen zur Interaktion von koffeinhaltigen Nahrungsmitteln mit Arzneistoffen finden Sie in unserem Beitrag „Wechselwirkungen von Arznei- und Nahrungsmitteln“

Bluthochdruck und Insulin: Kaffee ist nicht gleich Koffein

Besonders mit Blick auf den Blutdruck und den Insulinspiegel zeigt sich, dass eine differenzierte Betrachtung der Auswirkungen von Kaffee und Koffein nötig ist. So weisen Metaanalysen von Langzeitstudien auf einen mäßigen Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdrucks hin, wenn die Koffeinzufuhr in Reinform erfolgt ist. Studien, bei denen das Koffein über Kaffee zugeführt wurde, konnten den blutdrucksteigernden Effekt dagegen nicht bestätigen – selbst bei Probanden mit einer Hypertonie war dies nicht der Fall. Die Autoren vermuten hinter dieser Erkenntnis andere Bestandteile des Kaffees, wie Chlorogensäure, die die blutdrucksteigernde Wirkung des Koffeins wieder ausgleicht.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Auswirkungen von Koffein auf den Insulinspiegel. So scheint Koffein die Insulinsensitivität zumindest für kurze Zeit zu reduzieren, was die Forscher auf durch das Koffein veränderte Glukosespeicherung und eine erhöhte Adrenalinausschüttung zurückführen. Keinen Einfluss auf die Insulinresistenz hatte einer anderen Studie zufolge dagegen der Konsum von täglich 4 bis 5 Tassen koffeinhaltigen Kaffees über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten. Darüber hinaus bringen Kohortenstudien regelmäßigen Kaffeegenuss mit einem verringerten Risiko für einen Typ-2-Diabetes in Verbindung. Die Forscher schreiben diese Beobachtungen einer möglichen Koffeintoleranz zu. Als weitere Erklärungen werden positive Effekte anderer Kaffeebestandteile in Betracht gezogen, die die Wirkung des Koffeins ausgleichen.

Positiver Einfluss von Koffein auf neurologische Erkrankungen?

Prospektive Kohortenstudien aus Europa, den Vereinigten Staaten und Asien zeigen eine starke inverse Assoziation zwischen Koffeinkonsum und dem Risiko, an Parkinson zu erkranken. Zudem beugt Koffein auch in Tiermodellen der Parkinsonkrankheit vor.
Mehrere Kohortenstudien aus den USA und Europa bringen den Konsum von Kaffee und Koffein mit einem verringerten Selbstmordrisiko und einer geringeren Wahrscheinlichkeit, an Depressionen zu erkranken, in Verbindung. Eine Einschränkung gibt es: Der Zusammenhang scheint den Autoren zufolge nicht bei besonders starken Kaffeetrinkern (über 8 Tassen pro Tag) zu bestehen. Assoziationen zum Demenzrisiko wurden dagegen nicht festgestellt.

55-Jährige nach täglichen Kaffeeeinläufen kraftlos und verwirrt
Eine Frau wird wegen Bauchschmerzen, Verstopfung und zunehmender Kraftlosigkeit von ihrer Familie in die Notaufnahme gebracht. Um ihre Beschwerden zu lindern, hat die Patientin tägliche Einläufe mit Kaffee durchgeführt und Kombucha-Tee getrunken. Nur drei Tage später verstirbt sie.
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Entzugserscheinungen auch bei Kaffeetrinkern möglich?

Möchte ein regelmäßiger Kaffeetrinker seinen Konsum beenden, können beim Verzicht auf Koffein Entzugserscheinungen auftreten. Diese äußern sich typischerweise in Kopfschmerzen, Müdigkeit, verminderter Wachsamkeit und depressiver Stimmung. In Einzelfällen können auch grippeähnliche Symptome auftreten. In der Regel erreichen die körperlichen Symptome nach 1 bis 2 Tagen ihren Höhepunkt und sind nach 2 bis 9 Tagen überstanden.

Fazit des Reviews

Ein moderater Kaffeekonsum von 3 bis 5 Standardtassen (400 mg Koffein) pro Tag bei gesunden Erwachsenen scheint das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs nicht zu erhöhen – für zahlreiche chronische Erkrankungen besteht ein verringertes Risiko. Schwangeren und Stillenden wird ein Grenzwert von 200 mg Koffein pro Tag empfohlen. Daneben weisen die Autoren daraufhin, dass die Reaktion auf Koffein sehr individuell ausfallen kann. Ein mäßiger Konsum kann aber Teil eines gesunden Lebensstils sein.

1. Van Dam et al: Coffee, Caffeine, and Health. New England Journal of Medicine; 383:369-378, 23.07.2020. DOI: 10.1056/NEJMra1816604.
2. Schlimpert, Veronika: 9 Mythen über Kaffee und Koffein. Kardiologie.org. 04.08.2020.

Titelbild: © Getty Images/Diversity Studio

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