08. Oktober 2019

Interview mit Prof. Dr. Agnes Flöel (Greifswald)

„Risiko für kognitiven Abbau kann durch Ernährung beeinflusst werden“

Wie kann sich die Ernährung auf die Kognition auswirken?

Prof. Agnes Flöel: Das metabolische Syndrom, das durch die Faktoren Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen gekennzeichnet ist, stellt einen Risikofaktor für kognitiven Abbau dar und kann durch die Ernährung beeinflusst werden.1

Außerdem gibt es eine Reihe von Mikro-Nährstoffen, die für die Kognition wichtig sind, wie B-Vitamine oder auch Omega-3-Fettsäuren. Allerdings gibt es keine Hinweise, dass sich eine Überversorgung positiv auswirkt. Eine Kalorienrestriktion (Caloric restriction, CR) könnte sich ebenfalls positiv auswirken.2

Welche Nährstoffe und Ernährungsweisen spielen eine besondere Rolle?

Prof. Agnes Flöel: Stoffe, die eine Kalorienrestriktion imitieren können (CR-Mimetika), werden derzeit in Studien untersucht. Daher können noch keine Empfehlungen gegeben werden.

Insgesamt halte ich es für schwierig eine bestimmte Ernährungsweise zu empfehlen, die neuroprotektiv ist. Die beste Evidenz gibt es hier für die mediterrane Diät, mit viel Gemüse, Obst und ungesättigten Fettsäuren; wenig rotem Fleisch oder Milchprodukten.

Auch andere Ernährungsmuster können positive Effekte haben geben, wie die „schwedische Diät“, mit Nahrungsmitteln wie Fisch, Süßkartoffeln oder Heidelbeeren.3

Wie können CR-Mimetika die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen?

Prof. Agnes Flöel: Der wichtigste Faktor ist die Verstärkung der Autophagie, des Abräumens von Zellschrott.4 Dies kann bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen mit Proteinablagerungen helfen. Weitere zentrale Bausteine sind Effekte auf die Insulinsensitivität und eine Verringerung von Entzündungsfaktoren.

Dabei handelt es sich bei den jetzt eingesetzten Substanzen um frühe Therapien oder sogar präventive Ansätze, da die Effektstärken klein bis maximal moderat sind. Eine bereits manifeste Alzheimer-Demenz kann wahrscheinlich leider nicht mehr wesentlich beeinflusst werden.

In Ihrer aktuellen Studie untersuchen Sie das Polyamin Spermidin.5,6 In welchen Nahrungsmitteln findet sich dieser Inhaltsstoff vor allem?

Prof. Agnes Flöel: Es gibt eine Reihe von Lebensmitteln, in denen Spermidin vorkommt, zum Beispiel Weizenkeime, in Nüsse und Nattō (fermentierte Sojabohnen) oder auch Kartoffeln und Hülsenfrüchten.

Zur Person: Prof. Dr. Agnes Flöel ist Direktorin der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin in Greifswald. Zu ihren Schwerpunkten zählen kognitive Prozesse bei Demenzen, gesundes Altern und vaskuläre Erkrankungen. Im Jahr 2012 erhielt sie den Pette-Preis der Deutschen Gesellschaft für Neurologie für herausragende neurologische Forschung.

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