05. September 2019

Therapie von Insektenbissen und -stichen

Grundsätzlich sind Insektenbisse und -stiche voneinander zu unterscheiden. Besonders zweitere können nicht nur lästig sein, sondern auch lebensbedrohlich werden. So gehen Sie im Ernstfall vor.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „Nicht immer harmlos: Insektenbisse und -stiche”1 aus der Zeitschrift „hautnah dermatologie”. Redaktion: Maria Weiß

Insektenbisse meist harmlos

Beißende Insekten, die es auf menschliches Blut abgesehen haben, sind unter anderem Moskitos, Kriebelmücken, Flöhe und Bettwanzen. Der Biss dient dem Ziel, menschliches Blut aufzunehmen. Damit dies besser möglich ist, injizieren die Tiere Speichel in die Wunde, der für den Menschen allergene Substanzen wie Antikoagulanzien und Enzyme enthält. Dies ist die Ursache für lokale Abwehrreaktionen mit leichter Schwellung, Rötung und Juckreiz, die jeder von einem Mückenstich her kennt. Als Erstversorgung sollte eine Säuberung mit Leitungswasser und Seife erfolgen sowie lokal gekühlt werden. Bei starkem Juckreiz kann auch eine schwach wirksamen Kortisonsalbe oder ein orales Antihistaminikum angewandt werden.

Schwere Lokalreaktionen möglich: In manchen Fällen kann es aber auch zu schweren Lokalreaktionen mit ausgeprägten Rötungen und Schwellungen kommen – manchmal sogar begleitet von leichtem Fieber und Krankheitsgefühl. Die für die Patienten oft sehr beunruhigenden Symptome entwickeln sich hier rasch (Minuten bis wenige Stunden nach dem Biss), nehmen über 8-12 Stunden zu und verschwinden nach 3-10 Tagen von selbst wieder. Symptomatisch kann mit mittelstark wirksamen topischen Kortikoiden behandelt werden – in besonders schweren Fällen kann auch ein orales Glukokortikoid verabreicht werden (1 mg Prednisolon /kg KG, aber nicht mehr als 50 mg/d).

Erysipel als Komplikation: Wichtigste Differenzialdiagnose ist das Erysipel, das auch als sekundäre Superinfektion nach Insektenbissen auftreten kann. Unterscheidungsmerkmal ist hier der andere Zeitverlauf mit Auftreten innerhalb von Tagen nach dem Biss. Anaphylaktische Reaktionen sind nach Insektenbissen sehr selten, können aber in Einzelfällen auch auftreten.

Video: Heftpflaster bei Mückenstichen
Ein einfaches Heftpflaster kann gegen Juckreiz helfen & Infektionen verhindern. Mehr dazu in diesem Beitrag.

Insektenstiche dagegen können lebensbedrohlich werden

Insektenstiche – z.B. von Bienen, Wespen oder Hornissen – sind anders als die Bisse ein Instrument der Selbstverteidigung. Die dabei erfolgende Giftinjektion ist zwar meist harmlos – es kann aber auch zu lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen kommen. Typisch sind Rötung, Schwellung und Schmerzen. Sichtbare Stachel sollten entfernt und das Insekt weggeschnippt werden, um die Giftinjektion zu verkürzen.

Nach Reinigung mit Wasser und Seife, Kühlung und ggf. Hochlagerung kann hier symptomatisch mit Analgetika (z.B. Ibuprofen), stark wirksamen topischen Kortikoiden oder auch systemischen Kortikoiden behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen orale Antihistaminika.

Intramuskuläre Adrenalininjektion bei Anaphylaxie: Gefürchtet sind anaphylaktische Reaktionen auf Insektenstiche, die bei etwa 3 % aller Stiche auftreten. Bei Kinder stehen meist Hautsymptome wie Urtikaria und Flush im Vordergrund – bei Erwachsenen treten häufig auch respiratorische Beschwerden und kardiovaskuläre Komplikationen (Schwindel, Hypotension, Schock auf). Daher sind Todesfälle bei Erwachsenen häufiger, aber auch Kinder können betroffen sein. Die Symptomatik beginnt meist rasch nach dem Stich – je schneller, umso schwerer ist meist die Reaktion.

Wichtigste Therapiemaßnahme bei anaphylaktischen Reaktionen ist die intramuskuläre Injektion von Adrenalin (0,3 bis 0,5 mg) in den anterolateralen Bereich des Oberschenkels. Die intravenöse Gabe von Kortison und Antihistaminika kann danach zwar zusätzlich erfolgen – mit einem Wirkeintritt nach 30 bis 60 Minuten kommt die lebensrettende Wirkung aber zu spät. Parallel sollte immer der Notarzt alarmiert und der Patient in eine Schocklagerung gebracht werden.

1. Nicht immer harmlos: Insektenbisse und -stiche. Just, Johannes, Weckbecker Klaus. In: hautnah dermatologie. 04/2019. 19.07.2019.

Titelbild: © Getty Images/Claudia Nass

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