21. Dezember 2019

Kuriose Forschung: Die Ig-Nobelpreise 2019

Auch in diesem Jahr wurden die Ig-Nobelpreise für Forschungsarbeiten vergeben, die zwar zum Teil zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregen.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Medizin: Pizza schützt vor Krankheiten, aber nur italienische

Den Preis der Organisation “Improbable Research” im Bereich Medizin erhält der Italiener Silvano Gallus für seine Forschung über Pizza und Gesundheit, insbesondere wenn diese in Italien zubereitet und verspeist wird.

Bereits im Jahr 2003 veröffentlichte Gallus eine Analyse, ob Pizza vor Krebs schützen kann. Dabei zeigte sich, dass Pizzakonsum sich positiv auf das Risiko für Krebserkrankungen des Verdauungssystems auswirkt.2

Auch das kardiovaskuläre Risiko steht in Zusammenhang mit Pizzakonsum. Das Odds Ratios für Herzinfarkte in der Untersuchung in Mailand lagen für gelegentliche Pizzaesser bei 0,78, bei regelmäßigem Konsum bei 0,62 und bei häufigem Pizzagenuß bei 0,44.3

Möglicherweise lassen sich die gesundheitsförderlichen Effekte auf bestimmte Inhaltsstoffe der italienischen Pizzen zurückführen, oder sie sind ein Anzeichen einer mediterranen Ernährungsweise, von der bekannt ist, dass sie sich positiv auf die Gesundheit auswirkt.

Lernen in der Medizin: Klicker für Chirurgen

Bei den zum 29. Mal vergebenen Ig-Nobelpreisen kamen die Gewinner in der Kategorie “Lernen in der Medizin” aus den USA. Karen Pryor und Theresa McKeon erhielten die Auszeichnung, da sie das Klicker-Training, eine Methode zur Erziehung von Tieren, erfolgreich zum Erlernen chirurgischer Techniken anwandten.

Operantes Lernen, Konditionierung und positive Verstärkung können auch für angehende Chirurgen eine Hilfe beim Erlernen von Techniken sein. In einer Studie mit Medizinstudierenden und Assistenzärzten wurde bei einer Gruppe ein akustisches Signal (Klicken) als positve Verstärkung bei den korrekten Arbeitsschritten eingesetzt. Bei der Kontrollgruppe erfolgte lediglich eine Demonstration der Techniken.4

In der Experimentalgruppe waren die Fertigkeiten (Knoten, Schlaufen, Löcher bohren) besser und akkurater als in der Kontrollgruppe, bei der Geschwindigkeit gab es keine Unterschiede.

Anatomie: Hodensäcke französischer Postbeamter und Busfahrer

Preisträger in der Kategorie “Anatomie” sind die Franzosen Roger Mieusset und Bourras Bengoudifa, für ihre Forschungsarbeit über die Temperaturunterschiede im Hodensack, bei bekleideten und nackten Postbeamten und Busfahrern.

In ihrer Studie untersuchten sie in 3 Experimenten die Frage, ob sich die Temperatur in den beiden Hoden ähnelt oder ob es Unterschiede zwischen linkem und rechtem Hoden gibt. Ausgewertet wurde die skrotale Temperatur bei Probanden in unterschiedlichen Positionen, sowie bei 11 Postmitarbeitern und 11 Busfahrern, bei ihren üblichen Arbeitsabläufen (vorwiegend stehend bzw. sitzend).5

Es zeigte sich, dass, unabhängig von der Tätigkeit, die Temperatur am linken Hoden höher war als am rechten. Außerdem waren die Temperaturen bei unbekleideten Probanden höher, als bei bekleideten Teilnehmern. Skrotale Temperaturunterschiede werden als mögliche Ursache von Infertilität diskutiert.

Ein besonderer Fall: Hodenschmerz nach Fahrradfahrt

Weitere Preisträger in verschiedenen Fachrichtungen

In der Kategorie Biologie durfte sich ein internationales Forschungsteam über die Auszeichnung freuen. In ihrer Arbeit fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich tote, magnetisierte Küchenschaben anders verhalten als lebende Artgenossen.6

Der Preisträger in Chemie, der Japaner Shiguru Watanabe, wurde für seine Forschung zur Schätzung des Speichelvolumens, das 5-jährige Kinder täglich produzieren, ausgezeichnet. Als Probanden dienten ihm seine eigenen Söhne.7

Die Entdeckung, wieso die australischen Wombats Kot in Würfelform produzieren, erschien den Organisatoren im Bereich Physik als preiswürdig.8

Auch ein deutscher Wissenschaftler wurde ausgezeichnet. Fritz Strack erhielt den Preis im Bereich Psychologie für seine Entdeckung, dass man sich glücklicher fühlt, wenn man einen Stift im Mund hält.9 Sowie seine spätere Arbeit, die dies widerlegte.10

  1. The 2019 Ig Nobel Prize Winners. Improbable Research, September 2019
  2. Gallus S et al. Does pizza protect against cancer? International Journal of Cancer 2003; 107(2): 283-284.
  3. Gallus S et al. Pizza and risk of acute myocardial infarction. European Journal of Clinical Nutrion 2004; 58: 1543-1546.
  4. Levy IM et al. Is Teaching Simple Surgical Skills Using an Operant Learning Program More Effective Than Teaching by Demonstration?Clin Orthop Relat Res  2019; 474, 945–955.
  5. Bengoudifa B & Mieusset R. Thermal asymmetry of the human scrotum. Human Reproduction 2007; 22(8): 2178-2182.
  6. Kong LJ et al. In-vivo biomagnetic characterisation of the American cockroach. Scientific Reports 2018; 8: 5140.
  7. Watanabe S et al. Estimation of the total saliva volume produced per day in five-year-old children. ARchives of Oral Biology 1995; 40(8): 781-782.
  8. Yang PJ et al. How do wombats make cubed poo? 71st Annual Meeting of the APS Division of Fluid Dynamics 2018, Abstract: E19.00001
  9. Strack F et al. Inhibiting and facilitating conditions of the human smile: A nonobtrusive test of the facial feedback hypothesis. Journal of Personality and Social Psychology 2016; 54(5): 768–777.
  10. Strack F. From Data to Truth in Psychological Science. A Personal Perspective. Frontiers in Psychology 2017; 8:702

Bildquelle: © Getty Images/Lauri Patterson

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653