07. Februar 2019

Assistenzhunde in der Medizin

Allergieanzeigehunde, Migräne- und Schlaganfallwarnhunde – die Vierbeiner sind bei vielen Erkrankungen eine wichtige Hilfe. Doch für welche Patienten und wie kommen sie zum Einsatz? Und wer vermittelt den passenden Begleiter?

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Talina Weber

Therapiehunde vs. Assistenzhunde

Therapiehunde: Therapiehunde durchlaufen keine Ausbildung und erfüllen keine Standards mit bestimmten Aufgaben. Sie können gleichzeitig bei mehreren Menschen eingesetzt werden und unterstützen diese emotional. In Begleitung eines medizinischen Fachpersonals besuchen die Therapiehunde Altenheime, Kindergärten oder Ergotherapiepraxen.1

Assistenzhunde: Im Gegensatz dazu helfen Assistenzhunde nur einem bestimmten Patienten mit einer Schwerbehinderung. Sie leben zusammen mit dem Patienten und sind rund um die Uhr für ihn da. Die Assistenzhunde durchlaufen eine zweijährige Ausbildung, die auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Dabei erlernen sie mindestens drei Aufgaben, darunter warnen, unterstützen und beruhigen.1

„Warnhunde“: Migräne oder Schlaganfall frühzeitig erkennen

Diese Assistenzhunde geben Sicherheit, können bedrohliche Situationen bei verschiedenen Erkrankungen erkennen und verständigen im Notfall Hilfe.1 Sie können einige Minuten zuvor vor folgenden Bedrohungen warnen:

  • Einer schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Allergie
  • Asthmaanfällen
  • Migräneattacken
  • Hypo- und Hyperglykämien
  • Fokalen Anfällen der Epilepsie
  • Schlaganfällen
  • Narkolepsie
  • Addison Krisen

Um die Patienten vor einem Anfall zu warnen, stupsen die Assistenzhunde sie an.

Die Fähigkeit, bedrohliche Situationen bei Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, kann ein Hund nicht erlernen. Sie muss den „Warnhunden“ angeboren sein. Denn diese Assistenzhunde können nicht auf ein Kommando des Patienten warten, sondern müssen von sich aus reagieren. So kann der Patient rechtzeitig Medikamente einnehmen, medizinische Hilfe erhalten und vor ernsthaften Folgen der Erkrankung bewahrt werden.1

In einer aktuellen Studie aus Großbritannien haben 83 % von 27 Assistenzhunden vor einer Hypoglykämie und 67 % vor einer Hyperglykämie bei Diabetikern gewarnt. Dabei konnten sie die drohenden Anfälle schneller als technische Geräte erkennen.2 Bei Hypo- und Hyperglykämien sowie Asthma-, Migräne- und epileptischen Anfällen reagieren sie auf eine verringerte Sauerstoffsättigung im Körper der Patienten.1

„Unterstützerhunde“: Alltagshilfe bei eingeschränkter Mobilität

Diese Assistenzhunde helfen Menschen, welche in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, darunter:

  • LPF-Patienten
  • Epileptiker
  • Demenzkranke
  • Schwerhörige und Gehörlose
  • Menschen, die Gehschwierigkeiten haben oder im Rollstuhl sitzen

Ein Assistenzhund mit Mobilitätsgeschirr, an dem sich sein Mensch festhalten kann.

Die Assistenzhunde unterstützen die Patienten bei alltäglichen Aufgaben wie Gegenstände vom Boden aufheben, Objekte aus Regalen holen und Lichtschalter sowie Knöpfe betätigen. Sie öffnen und schließen Türen, räumen die Waschmaschine ein und aus und helfen beim An- und Ausziehen. Zudem stützen sie ihren Menschen mithilfe eines Mobilitätsgeschirrs und bringen Krücken. Sie zeigen Geräusche an und können bei Anfällen Medikamente sowie Hilfe holen.1

In einer Studie aus Texas berichteten 40 gehbehinderte und 14 hörgeschädigte Menschen, dass durch den Assistenzhund ihre Abhängigkeit von anderen Menschen wie das Pflegepersonal reduziert wurde und sie sich im Alltag und in der Öffentlichkeit wohler, sicherer und mobiler fühlten.3

„Beruhigungshunde“: Bei Reizüberflutung Sicherheit geben

Diese Assistenzhunde können in folgenden Fällen behilflich sein:

  • PTBS-Patienten
  • Menschen mit psychischen und psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Essstörungen, schwere Depressionen, bipolare Störung sowie Borderline
  • Autisten
  • Menschen mit FAS-Syndrom

Die Assistenzhunde läuten an einer Glocke, um zu signalisieren, dass der Autist die Wohnung oder das Haus verlässt.

Bei Alpträumen wecken diese Assistenzhunde die Patienten auf und machen das Licht an, unterbrechen Flashbacks sowie Dissoziationen. Bei Panikattacken führen sie die Patienten an einen ruhigen Ort, schaffen Distanz und bellen auf Kommando. Sie durchsuchen Räume auf Einbrecher, passen auf, dass sich beim Öffnen einer Tür niemand von hinten unbemerkt nähert, und gehen in dunklen Räumen voraus.1

Eine kanadische Studie mit 42 Familien hat gezeigt, dass der Cortisol-Gehalt bei Autismus-Kindern im Alter zwischen drei und 14 Jahren 48 % niedriger ist (p < 0,05), wenn der Assistenzhund anwesend ist. Neben der Stressminderung berichteten die Autoren von weniger Wutanfällen und einer größeren Toleranz der Kinder gegenüber Geräuschen.4

  1. Deutsches Assistenzhunde-Zentrum T.A.R.S.Q.®
  2. Rooney NJ et al. How effective are trained dogs at alerting their owners to changes in blood glycaemic levels?: Variations in performance of glycaemia alert dogs. Plos One 2019.
  3. Rintala DH et al. Effects of assistance dogs on persons with mobility or hearing impairments: A pilot study. Journal of Rehabilitation Research and Development 2008; 45(4): 489-504.
  4. Viau R et al. Effect of service dogs on salivary cortisol secretion in autistic children. Psychoneuroendocrinology 2010; 35(8): 1187-1193.

Bildquellen: © iStock.com/FatCamera; Halfpoint; bobbymn; SrdjanPav

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653