25. Juli 2019

Hitzschlag: Das Wichtigste für den Ernstfall

Bei den erwarteten Rekordtemperauren von örtlich fast 40 °C erhöht sich das Risiko für einen Hitzschlag. Informieren Sie sich hier über Risikogruppen, Symptome und therapeutische Maßnahmen.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Maria Weiß

Ältere Personen und Kleinkinder besonders gefährdet

Die klassische Form des Hitzschlags findet man vor allem bei älteren, multimorbiden Personen. Kleinere Kinder sind aufgrund ihres ungünstigen Verhältnisses zwischen Körperoberfläche und Gewicht ebenfalls gefährdet. Bei beiden Personengruppen ist die physiologische Fähigkeit, sich höheren Temperaturen anzupassen, eingeschränkt. Kann die Körpertemperatur nicht mehr über physiologische Mechanismen wie vermehrte Schweißbildung reguliert werden, steigt sie unter Umständen auf Werte über 40°C an.

Erhöht wird das Risiko durch

Beim klassischen Hitzschlag stehen Dysfunktionen des zentralen Nervensystems wie Schwindel, Bewusstseinsstörungen oder Verwirrtheit im Vordergrund. Rhabdomyolyse oder akutes Nierenversagen werden dagegen seltener beobachtet. Calcium- und Kaliumwerte im Serum sind dabei meist normal. Häufig wird ein Hitzschlag bei diesen Personengruppen erst zwei bis drei Tage nach Einsetzen der Beschwerden diagnostiziert, schreiben die Autoren. Durch die verzögerte Behandlung kann die Mortalität dann auf über 50 % steigen.

Hitzschlag nach körperlicher Anstrengung

Eine weitere Form ist der anstrengungs-assoziierte Hitzschlag. Er tritt vor allem bei Sportlern und Menschen auf, die bei hohen Temperaturen im Freien arbeiten. Auch Feuerwehrleute, Soldaten oder Arbeiter im Bergbau oder in der Metallverarbeitung sind besonders gefährdet. Im Unterschied zum klassischen Hitzschlag ist Calcium im Serum hier oft erniedrigt, während der Kaliumwert erhöht ist. Da hier auch jüngere Menschen betroffen sind, ist die Mortalität deutlich niedriger.

Neurologische Symptome als Alarmzeichen

In der Anamnese sollte in Erfahrung gebracht werden, ob Patienten hohen Temperaturen ausgesetzt waren und/oder sich sportlich bzw. körperlich betätigt haben. Typische neurologische Auffälligkeiten in der Anfangsphase (hypertherme-neurologische Akutphase) sind

  • Schwindel,
  • Verwirrtheit,
  • undeutliches Sprechen,
  • Schwäche oder auch Agitation.

Übelkeit und Erbrechen können auf ein Hirnödem hinweisen. Weitere Symptome sind Hypotension, Tachykardie bzw. Tachypnoe. Im weiteren Verlauf kann es innerhalb von 24-48 Stunden zum Nieren- und Leberversagen oder zur Rhabdomyolyse kommen (renal-hepatischen Phase).

Maßahmen: Rasche Kühlung zuerst

Da sich die Prognose verschlechtert, wenn die kritische Schwelle von 40,5°C überschritten wird, muss die Temperatur unbedingt schnell und effektiv auf 38 bis 38,5°C gesenkt werden, betonen die Autoren. Dies kann durch Kühlung im kalten Wasser und gegebenenfalls auch durch auf 4°C gekühlte Infusionslösungen erfolgen. Antipyretika sollten beim Hitzschlag nicht eingesetzt werden.

Weitere Maßnahmen hängen von den jeweiligen Symptomen und dem Krankheitsstadium ab. Prähospital kann dies eine kardiopulmonale Reanimation, Benzodiazepin-Gabe bei Krampfanfällen und die Gabe von 1 bis 2 Liter isotonischer Flüssigkeit sein. Die Körpertemperatur sollte dabei kontinuierlich überwacht werden.

Im Krankenhaus sollte neben der weiteren Kühlung eine intensivmedizinischen Überwachung mit Kontrolle von Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte erfolgen, um Komplikationen rasch zu erkennen.

Zahlreiche Differenzialdiagnosen zu beachten

Differenzialdiagnostisch kommen vor allem Erkrankungen mit neurologischen Störungen und Fieber in Betracht wie z.B. Meningitis oder Enzephalitis. Auch schwere Stoffwechselstörungen wie das Serotoninsyndrom, das maligne neuroleptische Syndrom, die Hyperthyreose oder Hormonstörungen durch ein Phäochromozytom sollten in Betracht gezogen werden. Auch eine ausgeprägte Dehydratation kann zu ähnlichen Beschwerden führen.

Weitere Beiträge zum Thema in der Übersicht:

  1. Yoram Epstein et al. Heatstroke. N Engl J Med 2019; 380: 2449-2459.
  2. Medscape Deutschland: Hitzschlag: Know-how rettet Leben – diese Symptome und Therapie-Optionen sollten Sie kennen

Bildquelle: ©Getty Images/Halfpoint, Xurzon

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