16. Oktober 2019

Vorletzte Grippewelle war tödlichste seit 30 Jahren

Wie stark wird die kommende Grippewelle? Das kann niemand ganz genau vorhersagen, denn die Viren sind extrem wandelbar. Der Blick zurück zeigt jedenfalls, dass der Erreger nicht unterschätzt werden sollte.1

Lesedauer: 2 Minuten

Gesundheitsminister Spahn ruft zur Impfung auf

Mit einer harmlosen Erkältung lässt sich die Grippe nicht vergleichen, das belegen aktuelle Zahlen für die vorletzte Saison eindrucksvoll. Rund 25.100 Menschen in Deutschland kostete die außergewöhnlich starke Grippewelle 2017/18 das Leben, so ein Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI). Das sei die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. Es gebe auch saisonale Wellen mit wenigen Hundert Todesfällen. Ein Vergleichswert für die laut RKI „moderate“ Welle 2018/19 liegt noch nicht vor.

„Diese Zahl sollte allen Impfskeptikern zu denken geben“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er rief besonders Ältere, chronisch Kranke, Schwangere sowie Medizin- und Pflegepersonal auf, sich rechtzeitig gegen Grippe impfen zu lassen. Den genannten Gruppen empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung.

Impfung lohnt sich in diesem Jahr besonders

Bisher wurden nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts rund 15,7 Millionen Impfdosen freigegeben. Sie enthalten Bestandteile der erwarteten Virus-Varianten. „Der Impfstoff für die neue Saison hat zwei neue, aktualisierte Influenza-A-Komponenten – eine Impfung lohnt sich dadurch besonders“, sagte RKI-Expertin Silke Buda. Laut dem Institut stellt die Impfung die wichtigste Schutzmaßnahme dar. Daneben empfehlen die Experten etwa gründliches Händewaschen mit Seife und Abstandhalten zu Erkrankten.

Im Vergleich zur heftigen vorletzten Grippewelle stufen Fachleute die vergangene Saison als moderat ein, wie Buda sagte. „Sie war nicht mild, denn es gab doch auch schwere Verlaufsfälle.“ Laut dem neuen Influenza-Bericht des RKI sorgte die Welle für 3,8 Millionen Arztbesuche – weniger als halb so viel wie 2017/18. 40.000 Menschen kamen ins Krankenhaus, Buda zufolge in vielen Fällen mit akutem Atemnotsyndrom oder Lungenentzündung. Insgesamt registrierte das Institut von Oktober bis Mitte Mai 182 000 labordiagnostisch bestätigte Grippe-Fälle. Betroffen waren alle Altersgruppen.

Auffällig sei gewesen, dass beide Influenza-A-Subtypen (H1N1 und H3N2) mehr oder weniger zu gleichen Anteilen zirkulierten. „Es waren fast überhaupt keine Influenza-B-Viren unterwegs“, sagte Buda. Die starke Welle 2017/18 sei zu einem großen Teil durch Influenza-B-Viren (Yamagata-Linie) ausgelöst worden.

Noch keine Vorhersage möglich

Mangels Influenza-B-Viren habe der neue, inzwischen von der STIKO empfohlene Vierfachimpfstoff seine Wirkung in der vergangenen Saison noch nicht entfalten können, sagte Buda. Dieser Impfstoff soll vor vier Virusvarianten schützen, enthalten sind je zwei A- und je zwei B-Komponenten. Zuvor erhielten gesetzlich Versicherte in der Regel einen günstigeren Dreifachimpfstoff mit nur einer B-Komponente.

Wie die kommende Welle in Deutschland ausfallen wird? „Der Blick auf andere Länder und die Südhalbkugel ergibt noch kein eindeutiges Bild“, sagte Buda. Momentan würden weltweit mehr Influenza-A-Viren nachgewiesen.

  1. dpa, 30.09.2019

Bildquelle: © Getty Images/ Media Raw Stock

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