20. Oktober 2021

Grippesaison 2021/22: Aktuelles Wissen im Überblick

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie kommt der Grippeschutzimpfung im Herbst 2021 eine besondere Rolle zu, betont das Robert-Koch-Institut. Lesen Sie hier wichtige Fakten zum Start der Grippesaison im Überblick.

Lesedauer: 4 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Die Grippewelle ist in der letzten Saison weltweit ausgefallen: Die Corona-Schutzmaßnahmen haben auch die Influenzaviren in Schach gehalten. Nun stehen jedoch Befürchtungen im Raum, dass das Immunsystem im kommenden Winter weniger gut auf die dann zirkulierenden Influenzaviren vorbereitet sein könnte. 1

Daher sollten sich insbesondere Menschen mit besonderen Risiken für schwere Krankheitsverläuft impfen lassen. Hierzu zählen:

  • Personen ab 60 Jahren
  • chronisch kranke Menschen
  • Bewohner/-innen von Pflegeheimen
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • Kontaktpersonen von Risikogruppen
  • Schwangere
  • Medizinisches Personal

Impfquote bei Ärzten angestiegen

Medizinisches und pflegerisches Personal ist berufsbedingt einer größeren Ansteckungsgefahr ausgesetzt stellt eine mögliche Infektionsquelle für die zu betreuenden Patientinnen und Patienten dar. Zahlreiche Studien haben bisher immer wieder gezeigt, dass der Impfschutz bei medizinischem Personal häufig ungenügend ist.

Doch in den letzten Jahren hat sich scheinbar ein Wandel vollzogen: Die Impfquote ist angestiegen wie eine Befragung von Klinikmitarbeiter/-innen zu ihrem Impfstatus gezeigt hat. 2 Dabei ist die Impfquote in der Ärzteschaft über alle Jahre am höchsten und lag in der Saison 2019/20 bei 79,3% – ein leichter Anstieg zur Vorsaison bzw. ein Unterschied von rund 20 % zur Saison 2017/18. Von den Pflegenden waren in der Saison 2019/20 46,7% gegen Influenza geimpft, was etwa der Impfquote der Vorsaison entspricht und im Vergleich zur Saison 2017/18 einen Anstieg von rund 16 Prozentpunkten bedeutet.

Neu: Empfehlung von Hochdosis-Impfstoff für Personen ab 60 Jahren
Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt seit diesem Jahr allen Personen im Alter von ≥ 60 Jahren im Herbst eine jährliche Impfung mit einem inaktivierten, quadrivalenten Influenza-Hochdosis-Impfstoff mit aktueller von der WHO empfohlener Antigenkombination. 3

Risikogruppen: Auch gegen Covid-19 und Pneumokokken impfen

Wie auch bei Covid-19 tragen insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren sowie chronisch Kranke ein gesteigertes Risiko eines schweren Influenza-Verlaufs, weshalb sie sich auch gegen das Grippevirus impfen lassen sollten. Außerdem soll so einer möglichen Doppelbelastung des Gesundheitssystems durch Influenza und Covid-19 vorgebeugt werden.

Trotz deutlich höherer Impfrate in der letzten Saison im Vergleich zu den Jahren zuvor, seien nach wie vor zu wenige Menschen geimpft, gemessen an internationalen Zielvorgaben (Quote von 75 %), beklagt der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens. Die Grippe-Impfquoten lägen bei Menschen über 60 leider nur bei 30 bis 40 Prozent. 4

Doppelimpfung unbedenklich
Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studien aus Großbritannien untermauern die Unbedenklichkeit einer Doppelimpfung gegen Covid-19 und Influenza: Den Daten zufolge ist die zeitgleiche Impfung sicher und wirksam. Details zur Studie lesen Sie hier.

Personen, für die sowohl die Pneumokokken- als auch die saisonale Influenza-Impfung empfohlen wird, sollten beide Impfungen erhalten, so das RKI. Dies gelte auch, weil es im Rahmen von Influenza-Erkrankungen gehäuft zu Sekundärinfektionen mit Pneumokokken kommen kann.

Sollten Kinder eine Impfung gegen Influenza erhalten?

Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung mit einem Vierfach-Impfstoff Kindern mit bestehender Grunderkrankung ab dem Alter von 6 Jahren. Neben dem Totimpfstoff steht Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren auch ein Lebendimpfstoff zur Verfügung, der als Nasenspray verabreicht wird. Kontraindikationen sind hier allerdings unter anderem Immunschwäche und schweres Asthma.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Impfung?

Die jährliche Influenzawelle beginnt in der Regel nach dem Jahreswechsel. Da der Impfschutz nach etwa 10 bis 14 Tagen aufgebaut ist, sollte die Impfung ab Mitte Oktober bis spätestens Mitte Dezember erfolgen. Aber auch später während der Grippewelle kann eine Impfung sinnvoll sein, da nie genau vorherzusagen ist, wie lange eine Influenzawelle andauern wird.

Wichtige Kontraindikationen der Influenza-Impfung

Eine Impfung sollte nicht bei Fieber (ab 38°C), einer akuten Infektion oder einer Hühnereiweiß-Allergie erfolgen. Für den Lebendimpfstoff (Nasenspray), der für Kinder und Jugendliche zugelassen ist, gibt es folgende Anwendungseinschränkungen: schweres Asthma, Immundefizienz, Salicylat-Therapie.

Gelockerte Maßnahmen: Kommt jetzt die Erkältungswelle?

Durch die Corona-Schutzmaßnahmen befand sich auch die adaptive Immunabwehr im Lockdown. Der Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, befürchtet deshalb einen allgemeinen Anstieg der Atemwegsinfektionen. Tatsächlich verzeichnet das RKI in den letzten Wochen eine deutliche Zunahme bei der Rate der allgemeinen Atemwegserkrankungen (ARE). Mehr dazu lesen Sie hier.

Zusammensetzung der aktuellen Impfstoffe

Bei den in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffe handelt es sich meist um Totimpfstoffe. Der für ältere Menschen (ab 65 Jahren) zugelassene quadrivalente Hochdosis-Impfstoff enthält Adjuvantien, ein weiterer eine höhere Menge Antigen (zugelassen ab 60 Jahren) für eine verbesserte Wirksamkeit. Für Kinder ist zusätzlich ein Lebendimpfstoff (Live Attenuated Influenza Vaccine, LAIV) zugelassen, der als Nasenspray verabreicht wird.

Die Stammzusammensetzung für den Influenzaimpfstoff für die Saison 2021/2022 weicht von der für die Saison 2020/2021 ab. Die empfohlene Zusammensetzung finden Sie hier auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts.

Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts sind bis 17. Oktober rund 28,9 Millionen Impfstoffdosen freigegeben worden. Angestrebt wird laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), bei der Zahl der Impfungen mindestens eine Größenordnung wie in der Vorsaison zu erreichen, als 22 Millionen verzeichnet wurden. Das war bereits deutlich mehr als in den Jahren zuvor üblich.

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