14. Februar 2020

Ärzte & Gefühle: Tipps Ihrer Kollegen

Eine glückliche Beziehung trotz Stress und häufiger Überstunden, flirtende Mitarbeiter und allzu aufdringliche Patienten: Lesen Sie hier, was Ihre Kollegen zum Thema Gefühle im Arztberuf berichten.

Lesedauer: 4 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf mehreren Diskussionen im coliquio-Forum.1-4 Redaktion: Marc Fröhling

Tipps für ein glückliche Arztehe

Distanz schafft Nähe: Um für den Partner – egal in welchem Beruf – attraktiv zu bleiben, rät „docebby” aus der Allgemeinmedizin dazu, sich und dem Gegenüber genügend Freiheiten zu belassen.
Gemeinsam abschalten: „alohasteffi“, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Zahnarztpraxis betreibt, rät dazu, mehrmals im Jahr in den Urlaub zu fahren und jeden Brückentag zu nutzen, um rauszukommen und abzuschalten.

Kein Patentrezept: Gäbe es laut Laboratoriumsmediziner „dudeldoc“ ein Patentrezept für eine glückliche Ehe, dann gäbe es auch nur glückliche Beziehungen. Leider beweise die Realität das Gegenteil. Auch Zahnmedizinerin „susalensie“ sieht jede Partnerschaft als etwas höchst Individuelles an. Ihre eigene Beziehung habe sich in den vergangenen 30 Jahren über diverse Krisen hinweg entwickelt. Den Zauber einer funktionierenden Beziehung sieht sie im Wechsel der Bestimmer- und Dulderfunktion. Auch könne es im Lauf der Jahre nicht schaden, sein Verhaltensrepertoire ein wenig zu diversifizieren.

Alphatier-Problematik: „rehatante“ aus der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin sieht ein mögliches Problem darin begründet, dass häufig beide Partner Alphatiere sind. Wenn beide der Meinung sind, dass nur man selbst die Gabe hat, Probleme zu lösen, wird es eben schwierig. Was die Arbeitszeiten angeht, hat sie mit Ihrem Partner, der Geschäftsführer ist, folgendes vereinbart: „Jeder darf seinem Beruf nachgehen, wie es nötig ist.“

Partnersuche in Klinik & Praxis: Probleme am Arbeitsplatz?

Bei einer coliquio-Umfrage mit 1.390 Teilnehmern gaben mehr als die Hälfte Ihrer Kollegen an, mit einem Partner aus dem medizinischen Umfeld zusammen zu sein: 35,2% sind ebenfalls mit einem Arzt liiert. Bei 23,3% ist der Partner nicht ärztlich tätig, arbeitet aber dennoch im medizinischen Bereich.

Amors Pfeil: Laut „ernsold“ aus der Allgemeinmedizin kann im Falle von Liebe am Arbeitsplatz selten von einer Suche gesprochen werden, dies geschehe viel eher unfreiwillig.

Geheimhaltung unmöglich? „anco47“ aus der Orthopädie hält es für eine Illusion zu glauben, auf Dauer könne niemand etwas von einer heimlichen Beziehung am Arbeitsplatz merken. Insbesondere Frauen hätten ein subtiles Gefühl dafür, wenn es im beruflichen Umfeld knistert.

Professioneller Umgang mit Gefühlen: „ni-irti“ aus der Hämatologie hält es bei Gefühlen am Arbeitsplatz für wichtig, so professionell damit umzugehen, dass weder die Arbeit noch die Kollegen darunter leiden müssen. Bei ernsten Gefühlen unter Mitarbeitern rät „ni-irti“ dazu, die Freude des Paares zu teilen, jedoch klar zu machen, dass Gefühlschaos am Arbeitsplatz nicht angebracht ist.

Was tun, wenn der Patient Avancen macht?

Umgang mit Gefühlen: „pavelkagyn” aus der Gynäkologie sieht bei Flirtversuchen den Arzt selbst in der Verantwortung und rät dazu, die Verführung zu spüren und emotional den Rückzug anzutreten, dabei aber den Patienten nicht herunterzumachen oder zu demütigen.

„barbara7“ aus der Psychologischen Psychotherapie hatte bereits einige Male mit verliebten Patienten zu tun. In einem solchen Fall bedankt sie sich zunächst für das Vertrauen und die positiven Gefühle. Dann erklärt sie jedoch, dass das Gefühl der Dankbarkeit und Liebe durch die intensive Begegnung entstehe und nicht mit einer Beziehung und Verliebtheit zu verwechseln sei. So werden die Gefühle der Patienten von ihrer Person abgetrennt.

Wenn der Patient Grenzen überschreitet: „docolliday” aus der Zahnmedizin rät beim Verdacht auf überbordende Sympathie von Patientenseite sofort eine MFA hinzuzuziehen, die bei der weiteren Behandlung mit anwesend ist. „pieauer“ aus der Dermatologie hat den Tipp, das Empfinden für solche unpassenden Situationen zu schärfen und diese zu dokumentieren.

Zwei Liebesgeschichten: „tibiadent” aus der Zahnmedizin hat ein einziges Mal einen berufsethischen Fehler begangen und eine sympathische und attraktive Patientin gedatet. Das Ergebnis: Im Jahr 2017 konnte die Silberhochzeit gefeiert werden. Auch „rauscher” aus der Allgemeinmedizin kann eine glückliche Liebesgeschichte erzählen: Es begann mit einem notfallmäßigen Hausbesuch und endete in einer glücklichen Ehe.

Extremfall Stalking: „bettyz“ aus der Psychosomatischen Medizin hat in den letzten 20 Jahren zwei gravierende Fälle von Stalking erlebt und rät dazu, schnell die Ärztekammer und einen Anwalt einzuschalten, auch um das mulmige Gefühl und Schuldzuweisungen loszuwerden.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Grauzone: „seplnerhe“ aus der Allgemeinmedizin merkt an, dass der Punkt, an dem sexuelle Belästigung anfängt, sehr persönlichkeitsabhängig sein kann. Manche fassen als Kompliment auf was andere als Belästigung empfinden. Auch „albruebb“ aus der Dermatologie spricht von einem Minenfeld: Flirten ist eine Errungenschaft unserer westlichen Kultur, Übergriffigkeit ein Rückfall in die archaische Gewaltausübung des Stärkeren.

Patientenvorwürfe: „dirhmaicra“ aus der Chirurgie wurde von Patientenseite bei einer Ultraschalluntersuchung sexuelle Belästigung vorgeworfen. Um solche Vorfälle im Keim zu ersticken, ist nun immer eine zweite, weibliche Person bei diesen Untersuchungen im Raum.

Männer wie Frauen betroffen: „chrrgetoef“ sieht in den bekannt gewordenen Fällen sexueller Belästigung nur die Spitze des Eisberges. An der Universitätsklinik galt vor 20 Jahren regelhaft das Motto: „Wenn Sie bei mir etwas werden wollen …”. Während der klinischen Tätigkeit von „berlinbaer50“ aus der Chirurgie kam es öfter zu direkten Angeboten von Krankenschwestern, wie etwas das unbestellte Servieren einer Tasse Tee, nur mit dem halboffenen Kittel bekleidet.

1. coliquio-Thread vom 29.09.2019: Rezepte für eine glückliche Ehe und Beziehung?
2. Diskussion im Beitrag: Ärzteliebe in Klinik und Praxis: Karriereberaterin gibt Tipps
3. Diskussion im Beitrag: Wenn Patienten Avancen machen: 5 Tipps vom Rechtsanwalt
4. Diskussion im Beitrag: Sexuelle Belästigung unter Ärzten: Erstmals Zahlen für Deutschland

Titelbild: © Getty Images/andrei_r
Bilder im Beitrag: © Getty Images/ferrerivideo/South_agency
© iStock.com/kirin_photo/demaerre, privat

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