11. Juli 2019

Vorsicht giftig! Spinnen, Skorpione & Meerestiere

Auf Urlaubsreisen kann es zu Begegnungen mit giftigen Tieren kommen. Erfahren Sie mehr über mögliche Symptome und die Behandlung im Notfall.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Fachzeitschrift Kinder- und Jugendmedizin, den Christoph Rennigner für Sie zusammenfasst.1

Spinnen: Selten tödlich, aber weit verbreitet

Latrodectus variolus

Giftige Spinnen gibt es weltweit, allerdings ist der Biss für Menschen selten tödlich. Gefürchtet wird die Schwarze Witwe (Latrodectus spp.), welche auch in der Mittelmeerregion vorkommt. Der Biss bleibt häufig unbemerkt und etwa eine halbe Stunde später treten Symptome auf, unter anderem:

  • ansteigender Schmerz, in Lymphknoten, Bauch- und Lendenbereich (akutes Abdomen),
  • Schweißausbrüche,
  • Muskelkrämpfe,
  • Speichel- und Tränenfluss (bis zu 24 Stunden).

Die Therapie erfolgt symptomatisch, stark agitierte Patienten können Benzodiazepine erhalten.

Speispinnen (Loxosceles spp.) kommen ebenfalls weltweit vor und können durch ihr Gift langsam progrediente Hautnekrosen (Loxoscelismus) auslösen. Bei Kindern kann es zu einer systemischen Reaktion aufgrund der intravaskulären Hämolyse kommen.

Brachypelma Smithi

Zwar schmerzhaft, aber für Menschen meist harmlos sind Bisse von Vogelspinnen (Theraphosidae). Es kommt meist zu lokalen Reizungen, eine Gefahr können jedoch allergische Reaktionen darstellen. Auch Sekundärinfektionen durch Keime auf den Kieferklauen (Cheliceren) sind möglich.

Skorpione: Versteckt in Schuhen & Kleidung

In trockenen Gebieten mit warmen und gemäßigtem Klima leben giftige Skorpionarten und verursachen jährliche etwa 3.000 Todesfälle. Häufig verstecken sich die Tiere in Felsspalten oder im Sand, aber auch in abgelegten Kleidungsstücken oder in Schuhen.

Als erste Symptome treten meist Schmerzen, Erythem und Schwellungen auf. Im weiteren Verlauf kann es zu cholinergen Effekten wie Erbrechen, Schwitzen, Hypersalivation, Bradykardie, Hypotension oder auch einem Priapismus kommen. In einer zweiten, adrenergen Phase treten Hypertension, Tachykardie und ein Lungenödem auf.

Die Behandlung erfolgt, sofern vorhanden, mit einem Antiserum, sowie symptomatisch mit einer Kontrolle der neuroexzitatorischen Reaktion (z.B. Nifedipin, Prazosin oder ACE-Hemmer). Die Therapie sollte so bald wie möglich eingeleitet werden.

Quallen: Mitunter tödliche Nesseltiere

Verletzungen durch die Nesselkapseln (Nematozysten) von Quallen können von leichtem Ausschlag über ein Ödem bis hin zu Nekrosen reichen. Bei großflächigem Kontakt sind auch systemische Reaktion mit Kreislaufproblemen bis hin zu Schock und Herzversagen möglich. Ein stechender Schmerz tritt fast immer auf.

Physalia physalis

Am gefährlichsten für Menschen ist die portugiesische Galeere (Physalia phyalis), welche in allen Weltmeeren vorkommt. Tödlich enden kann auch der Kontakt mit der Würfelqualle (Chironex fleckeri), die im westlichen Pazifik beheimatet ist. In europäischen Gewässern verbreitet sind Feuerquallen (Pelagia noctiluca), die brennende Schmerzen und Erytheme verursachen.

Kommt es zu Berührungen der Tentakel sollte die Stelle mit Meereswasser gewaschen, sowie mit oralen oder topischen Substanzen (Analgetika) behandelt werden. Haushaltsessig ist zwar gegen die Nesselkapseln der australischen Würfelqualle effektiv, bei anderen Quallenspezies jedoch nutzlos oder gar schädlich.

Giftige Fische, Seeigel und Seesterne

Trachinus draco

Schmerzhafte Stachelverletzungen können in der Nordsee und im Mittelmeer durch Petermännchen (Trachinus draco) verursacht werden. Da die Fische sich in Strandnähe in Sand oder Schlamm eingraben, stellen sie eine Gefahr für Badegäste dar.

Die häufigste Verletzung beim Baden, insbesondere bei Kindern, ist der Tritt auf einen Seeigel (Echinoidea). Die Stacheln sollten möglichst schnell entfernt werden, wobei darauf zu achten ist, dass sie nicht abbrechen. Restmaterial im Körper kann weitere Schmerzen verursachen und zu Granulomen führen.

Manche Seeigelarten sind zudem giftig, der Diademseeigel (Diadema Setosum) stellt ein Neurotoxin her, das zu Lähmungen führen kann.

Acanthaster planci

Seesterne sind zwar schön anzusehen, der Dornenkronenseestern (Acanthaster planci) kann jedoch mit seinen Stacheln in die Haut eindringen und durch sein Gift Symptome von Übelkeit bis zu Lähmungserscheinungen auslösen.

In Deutschland leben in freier Wildbahn zwei giftige Schlangenarten. Der Biss dieser Reptilien erfordert eine spezifische Vorgehensweise. Erfahren Sie 6 wichtige Sofortmaßnahmen und die empfohlenen Therapieschritte in unserem Beitrag.

Kreuzotterbisse
Wird ein Patient, der ACE-Hemmer nimmt, von einer Kreuzotter gebissen, so ist er unverzüglich in die Klinik einzuweisen. Den Grund dafür sowie weiterführende Informationen finden Sie in diesem Beitrag, mit freundlicher Genehmigung von Deximed.

  1. Lindert J & Kotsias-Konopelska S. Urlaubsbekanntschaft mit Gifttieren an Land und im Meer. Kinder- und Jugendmedizin 2019; 19: 107-114.

Bildquellen: © Getty Images/Iamyai
© Check Evans
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© Hans Hillewaert

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