11. April 2019

Biss einer Giftschlange: 6 wichtige Sofortmaßnahmen

In Deutschland leben in freier Wildbahn zwei giftige Schlangenarten: Die Kreuzotter und die Aspisviper. Der Biss dieser Reptilien erfordert eine spezifische Vorgehensweise. Erfahren Sie hier 6 wichtige Sofortmaßnahmen und die empfohlenen Therapieschritte.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in der Fachzeitschrift „Der Hautarzt“, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Die beiden giftigen Schlangen in Deutschland

Abb.1 Kreuzotter (Vipera berus)

Die größte Giftschlangenfamilie in Europa sind die Vipern oder Ottern (Viperidae), zu denen auch die beiden in Deutschland vorkommenden Giftschlangen zählen. Die Kreuzotter (Vipera berus) (Abb.1) kommt in Mooren und Heiden in Norddeutschland, in östlichen Mittelgebirgen und alpinen Regionen vor. Ihr Bestand gilt als stark gefährdet. Sie ist mit Abstand die am weitesten verbreitete Giftschlange Europas (vom Mittelmeer bis Nordpolarkreis).

Abb.2 Aspisviper (Vipera aspis)

Die Aspisviper (Vipera aspis) (Abb.2) lebt im südöstlichen Schwarzwald und ist mit ca. 200 Exemplaren in der Region vom Aussterben bedroht. Außerdem kommt sie in den Alpen und Pyrenäen vor.

So erkennen Sie einen Vipernbiss

Wesentliche Merkmale einer Giftbissverletzung sind lokale zytotoxische und hämorrhagische, teilweise auch neurotoxische Effekte. Es kann zu kleinfleckigen Einblutungen in Haut und Schleimhäute kommen. Gerinnungsstörungen oder kardiotoxische Effekte werden durch diese Schlangengifte nur sehr selten ausgelöst und kommen eher bei Bissen von nichteuropäischen Vipernarten vor.

Der Biss einer Kreuzotter beginnt meist mit einem schmerzhaften Ödem an der Bissstelle, das sich auf weitere Körperregionen ausbreiten kann. Die betroffene Stelle kann sich blau-rot verfärben und die benachbarten Lymphknoten können schmerzhaft anschwellen. Auch serös gefüllte Blasen können sich an der Bissregion bilden.

Neben den lokalen Beschwerden treten nach etwa einer halben Stunde Allgemeinsymptome ein, wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö und abdominale Schmerzen. Auch kardiovaskuläre Symptome wie Tachykardie, Hypotonie oder gar ein Schock sind möglich. Allerdings werden diese Symptome auch häufig durch die psychische Stresssituation verursacht und sind schwer von der Giftwirkung abzugrenzen.

Der Biss der Aspisviper kann außerdem neurologische Symptome auslösen, wie eine Ptosis oder eine Ophthalmoplegie. Schwerwiegende Folgen oder gar ein letaler Ausgang sind bei Bissen europäischer Vipern extrem selten.

Ein nicht alltäglicher Noteinsatz: Bisse von exotischen, hochgiftigen Schlangen, die in Terrarien gehalten werden sind zwar selten, können jedoch schwerwiegende Konsequenzen haben, wie der Fall eines 54-jährigen Klapperschlangenhalters zeigt. Mehr

Notfall Schlangenbiss: 6 Sofortmaßnahmen

  1. Entfernen des Bissopfers aus der Gefahrenzone, umsichtiges Verhalten, um keine weiteren Bisse zu riskieren. Falls möglich die Schlange mit einem Foto dokumentieren.
  2. Schlangenbissopfer nicht alleine lassen, da es oftmals zu Panik kommt. Stressinduzierte Symptome können die toxischen Effekte überlagern oder verstärken.
  3. Die betroffenen Körperregionen ruhigstellen, ggf. schienen. Kein Abbinden oder abschnürende Verbände, da dies zu einer Kumulation des Gifts führt! Kein Einschneiden und Aussaugen frischer Bisswunden, dies führt zu einer Gefahr für den Ersthelfer.
  4. Lagerung idealerweise in Schocklage (Beine und Unterkörper hoch, Kopf und Oberkörper tief). Überwachung der Vitalfunktionen. Bissstelle markieren und die Entwicklung überwachen.
  5. Armbänder, Ringe, Uhren und abschnürende Kleidung umgehend entfernen.
  6. Notruf absetzen, Giftnotrufzentrale informieren.

Kreuzotterbisse
Wird ein Patient, der ACE-Hemmer nimmt, von einer Kreuzotter gebissen, so ist er unverzüglich in die Klinik einzuweisen. Den Grund dafür erfahren Sie in diesem Beitrag, mit freundlicher Genehmigung von Deximed.

Weitere Therapieschritte

Bei symptomlosen Bissen sollte eine Überwachung über mindestens drei Stunden, besser über 24 Stunden erfolgen. Treten klinische Beschwerden auf, sollte die Behandlung länger erfolgen. Nach dem Transport in eine Klinik sind ein Ruhigstellen der betroffenen Extremität, Kühlung und Schmerzmittel weitere Maßnahmen. Auch eine Tetanusprophylaxe sollte durchgeführt werden.

Wichtig: An der Bissstelle sollte außer einer Desinfektion keine Manipulationen erfolgen, insbesondere kein Aussaugen, Ausschneiden oder Abbinden. (s.o.)

Ein Antiserum kann bei systemischen Auswirkungen des Schlangengifts zum Einsatz kommen. Gegen dermatologische Folgen eines Bisses ist es wirkungslos. Da die meisten Vipern-Arten lokal wirksame Gifte haben, sind Antisera meist nicht effektiv.

Gibt es jedoch Anzeichen einer Gerinnungsstörung ist zwingend ein Antiserum möglichst früh, intravenös und in hoher Dosis zu verabreichen. Je nach klinischem Verlauf, kann die Gabe auch noch 2-4 Tage nach dem Biss sinnvoll sein.

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  1. Montag A. Giftschlangen in Deutschland und Europa. Hautarzt 2018; 69(8): 681-702.

Bildquelle: Titelbild: © istock.com/AlasdairJames
Abbildung 1: Piet Spaans – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5
Abbildung 2: Eric Steinert – photo taken by Eric Steinert at Paussac, France, CC BY 2.5,

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