26. Juli 2021

Gefahr im eigenen Haushalt

Hunde können zur Verbreitung multiresistenter Erreger beitragen

Um ihre Hunde möglichst artgerecht zu ernähren, setzen Hundebesitzer zunehmend auf rohes Fleisch, das tiefgefroren von verschiedenen Anbietern zu erwerben ist. Nach den Ergebnissen einer portugiesischen Studie könnte dieser Trend die Ausbreitung resistenter Bakterien begünstigen. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Ein Forschungsteam von der Universität Porto hat jetzt insgesamt 55 kommerziell erhältliche Hundefutterproben von 25 Anbietern mikrobiologisch untersucht. Bei 14 Proben handelte es sich um roh eingefrorenes Futter – unter anderem mit Lachs, Gans, Pute, Rind, Lamm oder auch Gemüse.

Das erschreckende Ergebnis: Durch die Bank enthielten alle diese tiefgefrorenen Proben antibiotikaresistente Enterokokken. 40 % der Enterokokken waren resistent gegen Erythromycin, Tetracyclin, Quinupristin-Dalfopristin, Streptomycin, Gentamicin, Chloramphenicol, Ampicillin oder Ciprofloxacin – 23 % sogar gegen Linezolid, das bei Enterokokokkeninfektionen als Reserveantibiotikum eingesetzt wird. Auch gegen Vancomycin und Teicoplanin waren jeweils 2% der Bakterien resistent. Auch bei den anderen Hundefutterproben wie Nassfutter, Trockenfutter und Leckerlis wurden vereinzelt resistente Keime nachgewiesen. 

Hundefutter könnte somit ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung resistenter Enterokokken sein. Hundebesitzerinnen und -besitzer wird daher dringend geraten, sich nach dem Füttern der Tiere und dem Einsammeln von Kot gründlich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen.

Übertragung von Resistenzgenen durch Hunde?

Auch eine weitere Studie weist auf eine mögliche Übertragung von multiresistenten Keimen von Hunden auf Frauchen oder Herrchen. Forschende der Universität Lissabon haben sich hier auf Bakterien mit einem bestimmten Gen konzentriert, durch das die Resistenz gegen das Reserveantibiotikum Colistin übertragen wird. Bei 126 gesunden Menschen und ihren 102 zum Teil leicht erkrankten Tieren aus 80 Haushalten wurde nach den Bakterien mit dem Resistenzgen gefahndet.

Nachgewiesen wurden sie bei 8 Hunden und 4 Menschen. In zwei Haushalten waren sowohl Hund und Mensch betroffen. In einem dieser Haushalte zeigten genauere genetische Analysen, dass die Bakterien bei den Hunden und ihren Haltern oder Halterinnen identisch waren. Es lässt zwar keine Aussage darüber treffen, wer hier wen angesteckt hat – die Forschenden halten es aber für wahrscheinlicher, dass die Bakterien tatsächlich vom Hund auf den Menschen übertragen worden waren.  

  1. Liliana Finsiterra et al;  Industrial dog food is a vehicle of multidrug-resistant enterococci carrying virulence genes often linked to human infections; Int J Food Microbiol (2021); DOI: https://doi.org/10.1016/j.ijfoodmicro.2021.109284
  2. Resistance to last-resort antibiotic may be passing between pet dogs and their owners EurekAlert https://www.eurekalert.org/pub_releases/2021-07/esoc-rtl070821.php

Bildquelle: © gettyImages/Manuel Tauber-Romieri

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