12. August 2021

Eine Frau mit akuter Herzinsuffizienz zwei Jahre nach Struma-Operation

Bei Patienten mit schwerer kardialer Dysfunktion kann es notwendig sein, auch an Hypoparathyreoidismus zu denken.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Eine Begründung dieser Empfehlung liefert die Fallgeschichte einer Patientin, die portugiesische Internisten der Universitätskliniken in Porto im „American Journal of Emergency Medicine“ schildern.

Die Patientin und ihre Geschichte

Die 42-jährige Frau kam in die Notaufnahme wegen Belastungsdyspnoe, Orthopnoe, unproduktivem Husten und Müdigkeit, zirkumoralem Taubheitsgefühl, generalisierter Muskelschwäche und spontanen Muskelkrämpfen; die Symptome hätten etwa eine Woche zuvor begonnen. 

Vorgeschichte: zwei Jahre vor Beginn der aktuellen Symptome totale Thyreoidektomie wegen einer Struma und postoperativer Hypoparathyreoidismus, der später als vorübergehend angesehen wurde. 

Die Befunde

  • Psychomotorisch verlangsamte Patientin mit Tachykardie und akuter Hypoxämie (PaO2: 53 mmHg; PaCO2: 30 mmHg)
  • Labor-Analysen: ausgeprägte Hypokalzämie (Serum-Kalzium 1,99 mmol/L) und Hyperphosphatämie (1,89 mmol/L), erhöhtes BNP, erhöhtes C-reaktives Protein, normale Werte der Myokardnekrose-Biomarker 
  • Thorax-Röntgenaufnahme: eine Herzvergrößerung mit Lungenstauung und beidseitiger Pleuraerguss
  • EKG: leicht verlängertes QT-Intervall und eine invertierte T-Welle in den anterolateralen Ableitungen 
  • Echokardiographie: dilatierter linker Ventrikel mit einer mäßig bis stark erniedrigten Ejektionsfraktion von 30 % aufgrund einer globalen Akinese des linken Ventrikelseptums und des Apex ohne Ballonbildung
  • Thorax-Computertomographie: diffuse pulmonale zentrilobuläre Konsolidierungen

Diagnose, Therapie und Verlauf 

  • Aufgrund der Verdachtsdiagnose einer atypischen bilateralen Pneumonie Antibiose mit Ceftriaxon plus Azithromycin. Innerhalb weniger Stunden Entwicklung einer schweren globalen respiratorischen Insuffizienz,  so dass die Patientin beatmet werden musste.
  • Aufgrund der schweren Hypokalzämie mit Hyperphosphatämie Diagnose eines postoperativen unbehandelten Hypoparathyreoidismus
  • Therapie mit Kalziumglukonat und Vitamin D, dadurch Korrektur der Hypokalzämie; die systolische LV-Funktion besserte sich. Die weitere Behandlung mit Diuretika, Betablocker und ACE-Hemmer wurde nach Abklingen der akuten Herzinsuffizienz rasch beendet. Nach zwei Wochen zeigte das Echokardiogramm eine vollständige Erholung der systolischen Funktion; die Laborwerte des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels lagen im Normalbereich.

Diskussion und Empfehlungen

Bei einem Patienten, der sich in der Notaufnahme mit unklarer akuter Herzinsuffizienz vorstellt, muss eine hypokalzämische Kardiomyopathie in Betracht gezogen werden. Eine Schilddrüsen-Operation in der Vorgeschichte sollte den Autoren zufolge aktiv ausgeschlossen werden, ebenso eine schwere Hypokalzämie.

Im Allgemeinen spreche eine hypokalzämische Kardiomyopathie nicht auf die konventionelle medizinische Behandlung der akuten Herzinsuffizienz an, erklären die Autoren; Furosemid könne die Hypokalzämie sogar verstärken. Die Gabe von Kalzium und Vitamin D sei die Standardbehandlung. Meist gehe die Normalisierung des Serum-Kalziumspiegels mit einer raschen Verbesserung der Herzfunktion einher.

,,Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.“

  1. da Silva Santos T & Cuoto de Carvalo A. Hypocalcemic cardiomyopathy – A rare and reversible entity. The American Journal of Emergency Medicine 2021; DOI:10.1016/j.ajem.2021.06.060
  2. Eine Frau mit akuter Herzinsuffizienz zwei Jahre nach Struma-Operation. Univadis, 08.08.2021

Bildquelle: © gettyImages/arto_canon

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