14. April 2020

Covid-19: Antworten auf Ihre Fragen

Nach wie vor erreichen uns Ihre Anfragen zur aktuellen Situation mit dem neuartigen Coronavirus. Im folgenden FAQ haben wir nun die Bereiche „Hygiene” und „Medizin- und Arbeitsrecht” aktualisiert.

Hygiene

Kann man Schutzmasken sterilisieren?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Das hängt von der Maske ab. Bei einfachen Mund-Nase-Schutzmasken sollte es kein Problem sein. Bei FFP-Masken hängt es davon ab, ob Ventile dabei sind, welches Material verwendet wird, etc. In solchen Fällen sollte der Hersteller diesbezüglich angefragt werden.

    Meist ist jedoch keine Sterilisation nötig. Coronaviren verbreiten sich in Tröpfchen, es sollte daher eine einfache Reinigung und längeres Trocknen ausreichen. Dabei ist es wichtig, dass man beim Abnehmen und der Weitergabe bis zur Reinigung nicht mit der Maske kontaminiert.

Wie lange kann man Masken bis zum Wechsel tragen?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Die einfachen Masken, die zum Schutz der anderen dienen, kann man so lange tragen, bis die Durchfeuchtung droht, denn der Mundschutz hält keine Viren auf, sondern die Tröpfchen.

    RKI-Empfehlungen

    Das mehrfache Verwenden von Mundschutz wird vom RKI nur bei Lieferengpässen von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) empfohlen. Die Mehrfachverwendung ist maximal für 8 Stunde (eine Schicht) möglich. Ausgeschlossen von der Wiederverwendung sind Atemschutzmasken, die sichtbar verschmutzt, von innen kontaminiert oder defekt sind. Die Wiederverwendung erfolgt nach AGA HP02 Muster VA Atemschutz ressourcenschonender Einsatz KH. [Link]

    Wie Sie Masken sparsam einsetzen, erfahren Sie auch hier.

Wiederverwendung von Mund-Nase-Schutz (MNS) in der ambulanten Pflege

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Vorbemerkung: In der ambulanten Pflege sind MNS zum Schutz der Pflegebedürftigen vor Ansteckung mit Coronaviren deutlich besser geeignet als FFP-Masken. FFP-Masken sind, insbesondere wenn sie über Auslassventile verfügen, durch die ungehindert Tröpfchen passieren können, nur zum Schutz dessen, der sie trägt, und nicht zum Schutz der Umgebung, d.h. Pflegebedürftigen oder Patienten geeignet.

    Hier die relevanten Vorgaben:

    • MNS bzw. die FFP-Masken bei (vermuteter) Kontamination bzw. Durchfeuchtung nicht weiter verwenden
    • Mehrfache Verwendung der MNS und FFP-Masken während einer Schicht nur durch dieselbe Person
    • Der Grundsatz, dass die Wiederverwendung von MNS und FFP-Masken während einer Schicht patientenbezogen erfolgen soll, ist in der ambulanten Pflege nicht umzusetzen. Sie ist aus meiner Sicht aber auch nicht nötig, da die Masken direkt am Kopf bzw. Hals verbleiben und vor jedem neuen Patientenkontakt einfach wieder korrekt und dicht aufgesetzt werden müssen.
    • Benutzte Einweg-FFP-Masken / MNS sind nicht mit Desinfektionsmittel zu reinigen oder zu desinfizieren, da dies die Funktionalität der Maske negativ beeinflussen kann.

    Grundlage der Empfehlung vom RKI:
    Mögliche Maßnahmen zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken in Einrichtungen des Gesundheitswesens bei Lieferengpässen im Zusammenhang mit der neuartigen Coronavirus-Erkrankung COVID-19 (Stand 14.04.2020) gültig, solange die bereits ausgerufene Notfallsituation für diesen Bereich beschrieben wird, vorläufig bis zum 31. August 2020 (Link).

    Reinigung: MNS lassen sich wahrscheinlich sehr einfach und effektiv reinigen. Da die Coronaviren in Tröpfchen übertragen werden, müsste eine Entfernung der Tröpfchen mit Wasser und etwas Feinwaschmittel sowie gründliches Trocknen, am besten über 2 Tage, ausreichen. Wichtig wäre es, Handwäsche oder ein Schonprogramm, z.B. Wollprogramm zu verwenden und nicht zu schleudern, damit die MNS keinen mechanischen Schaden erleiden, der die Dichtigkeit gefährdet.

Wie kann man als Zahnarzt sich und seine Mitarbeiter schützen?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet. Aktualisiert am 16.04.2020

    Durch die Nähe zum Infektionsherd sowie die Bildung von Aerosolen durch Wasserdüsen ist die zahnärztliche Tätigkeit infektiologisch gesehen als gefährlich einzustufen. D.h. man sollte alle Schutzmaßnahmen maximieren = Haube, Schild, Schutzbrille, gute dicht sitzende FFP3-Maske, Schutzanzug. Andere Tätigkeiten am Tresen o.ä. brauchen nur die normalen Maßnahmen.

    In diesem Beitrag haben wir Informationen für Zahnärzte im Umgang mit Covid-19 zusammengestellt.

    Die häufigsten Fragen und Antworten zum Umgang mit dem Coronavirus in der Zahnarztpraxis finden Sie auf der Webseite der Bundeszahnärztekammer (Link).

Wie kann man sich in einer orthopädisch-chirurgischen Praxis schützen?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Da man für die Untersuchung und Therapie den Patienten in aller Regel berühren muss, sollte dies mit Schutzkleidung erfolgen. Dabei sollten die Bereiche geschützt werden, die mit dem Patienten in Berührung kommen. Die Schutzkleidung muss nach der Behandlung gewechselt werden. In den meisten Fällen reichen Einmalhandschuhe und gute Händehygiene. Sowohl der Arzt als auch der Patient sollten Mundschutz tragen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Wichtig: Auf möglichst dichten Sitz der Maske achten!

    Bei längerem Kontakt und geringerem Abstand, z.B. Massagen oder Physiotherapie, sieht die Situation anders aus. Eine Infektion kann in einem solchen Fall auch mit einfachem Mundschutz auf Dauer schlecht verhindert werden.

Ich bin Psychotherapeutin und meistens 50 Minuten in einer Face-to-Face-Beziehung mit Patienten. Bin ich hierdurch einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Das ist eine der schwierigsten und relevantesten Fragen überhaupt.

    Zur Sachlage: In geschlossenen Räumen atmet man dieselbe Luft ein und damit steigt über die Zeit das Risiko einer Infektion an. Mundschutz kann helfen, weil der Mundschutztragende den jeweils anderen etwas seltener ansteckt. Mehr Abstand wäre gut und wenn möglich gut lüften. Letzteres würde ich für das wichtigste halten.

    Aus meiner Sicht ist das in dieser Situation etwas erhöhte Infektionsrisiko, das ich quantitativ nicht abschätzen kann, akzeptabel und entspricht ähnlichen Alltagssituationen wie Einkauf, ein Restaurantbesuch mit anderen Gästen, die weiter als 2 Meter entfernt sitzen, 50 Minuten Zug oder Bus fahren mit sehr wenig Fahrgästen (Abstand immer größer als 2 Meter, selbst beim Ein- und Aussteigen).

    Auf dieser Basis würde ich, wenn Sie oder Ihre Patienten keiner Risikogruppe angehören, zur Weiterarbeit bei aus meiner Sicht etwas erhöhtem aber akzeptablem Risiko raten.

Was tun als Praxis, wenn die Schutzausrüstung fehlt?

  • In einer Pressekonferenz vom 1. April betont die Kassenärztliche Bundesvereinigung einerseits, dass Praxen, die keine Schutzausrüstung zur Verfügung haben, keine Maßnahmen mehr durchführen können, die entsprechendes Schutzmaterial erfordern.

    Andererseits sei es jedoch wichtig, die Regelversorgung am Laufen zu halten. Aus diesem Grund sollten Praxen die Versorgung von Patienten mit Infektverdacht klar von der Versorgung anderer Patienten trennen. Dennoch: Da eine gewisse Unsicherheit immer bestehe, müssten Praxen „um am Netz bleiben zu können“, über eine entsprechende Grundausrüstung verfügen.

    Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für die aktuelle Situation, in der FFP-Masken und MNS eine knappe Ressource darstellen, Hinweise zur Mehrfachverwendung veröffentlicht.

    Eine Videoanleitung wie Sie Masken sparsam einsetzen können, finden Sie hier.

Wie lange bleibt das Virus auf Oberflächen infektiös?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Dies hängt von sehr vielen Faktoren ab, insbesondere der Feuchtigkeit. Viren mögen Trockenheit nicht gerne und brauchen letztlich den Menschen zum Überleben. Anm. der Red.: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass Coronaviren sich bei Raumtemperatur auf Oberflächen bis zu neun Tage halten können und infektiös sind. Im Mittel lag die Zeit bei 4-5 Tagen. Desinfektionsmittel auf Basis von Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit waren wirksam bei der Beseitigung der Erreger. (Link)

    Was für den Hygieniker und die Infektionsübertragung viel wichtiger ist: Ansteckungen finden zum größten Teil von Person zu Person statt. Eine Ansteckung über Flächen ist in aller Regel nur mit Kontakt kurz hintereinander, also z.B. die berühmte Türklinke, aber leider auch der Einkaufswagen und die Konservendose oder Nudelpackung an der Kasse, möglich.

    Gegen Ansteckung über Oberflächen hilft eine gute Händehygiene (bestenfalls „no touch“) und Handschuhe. Eine Desinfektion der Flächen, wie der Konservendosen, oder eine Sprühdesinfektion der Busse (s. Bilder aus New York), ist hingegen wenig hilfreich.

Medizin- und Arbeitsrecht

Kann ich Kurzarbeitergeld für einzelne Mitarbeiterinnen aufstocken?

  • Diese Frage ist aus Sicht des Fachanwalts für Medizinrecht Dr. Florian Hölzel nach Maßgabe des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zu beurteilen. Gibt es einen sachlichen Grund für die vom Fragesteller beabsichtigte Ungleichbehandlung durch selektive Aufstockung des Kurzarbeitergelds, ist dies seines Erachtens zulässig. Dies wäre – wie immer – im Einzelfall zu prüfen.

Gilt die 25-Stunden-Anwesenheitspflicht auch für den Fall der Kurzarbeit?

  • Auch in Zeiten von Kurzarbeit unterliegt jedenfalls der Praxisinhaber den Vorgaben aus § 19a Abs. 1 S. 2 Ärzte-ZV, so der Anwalt für Medizinrecht Dr. Florian Hölzel. Hiernach ist jeder Arzt verpflichtet, im Rahmen seiner vollzeitigen vertragsärztlichen Tätigkeit mindestens 25 Stunden wöchentlich in Form von Sprechstunden für die gesetzlich Versicherten zur Verfügung zu stehen. Dies gilt auch bzw. erst recht im Pandemiefall. Kurzarbeit gibt es für angestellte Praxismitarbeiter, nicht aber für Praxisinhaber bzw. Arbeitgeber selbst.

Ist eine Zwangsrekrutierung fachfremder Ärzte in Rente möglich?

  • Der Marburger Bund schreibt hierzu: Freiwillig können sich Ärztinnen und Ärzte jenseits des Renteneintrittsalters wieder von den Krankenhäusern als Arbeitnehmer, z.B. im Rahmen eines befristeten Arbeitsverhältnisses, anstellen lassen. Eine Verpflichtung besteht nicht. Bitte informieren Sie sich unbedingt vor Arbeitsaufnahme bei Ihrem zuständigen Versorgungswerk und Ihrer Krankenversicherung. [Link]

    Wir haben außerdem diese Frage dem Anwalt Dr. Florian Hölzel gestellt. Seine Antwort:

    Im Kern geht es bei dieser Frage um die Behandlungspflicht von Ärzten im Katastrophen- bzw. Pandemiefall.

    Die naheliegenste Antwort ist zunächst ein Verweis auf die strafbare unterlassene Hilfeleistung im Sinne von § 323c StGB. Diese setzt einen Unglücksfall voraus. Dies ist in der Regel ein plötzlich eintretendes Ereignis, das eine erhebliche Gefahr für Personen oder Sachen verursacht oder zu verursachen droht. Allerdings stellen Krankheiten, auch bei schweren Verläufen, für sich genommen noch keinen Unglücksfall dar, da selbst ernste Krankheiten nicht plötzlich auftreten (Ulsenheimer, Kapitel 1 Vorbemerkung: Das materielle Arztstrafrecht Teil 2 Unterlassene Hilfeleistung Rn. 626-627). Allerdings kann sich die akute Verschlimmerung einer Krankheit als Unglücksfall darstellen. Das OLG Düsseldorf hält dies explizit bei schwerer, andauernder Atemnot für gegeben (OLG Düsseldorf NJW 1995, 799).

    § 323c StGB verlangt, dass die Hilfeleistung es Arztes „bei“ Eintritt des „Unglücksfalls“ unterlassen wurde. Hierfür wird teilweise eine Anwesenheit des Hilfspflichtigen am Unglücksort gefordert, teils lediglich eine „räumliche und zeitliche Beziehung“. In diesem Zusammenhang wird auch vertreten, dass ein niedergelassener Arzt, der außerhalb seiner eigenen Praxistätigkeit bzw. bei „Corona-bedingter“ Schließung seiner Praxis von einem Krankenhaus im Notfall kontaktiert wird und die Hilfeleistung ablehnt, auch strafbar im Sinne des § 323c StGB werden kann (so Ulsenheimer, Kapitel 1 Vorbemerkung: Das materielle Arztstrafrecht Teil 2 Unterlassene Hilfeleistung Rn. 631 explizit für den Bereich Telemedizin).

    Ob über diese strafrechtliche Verpflichtung im Einzelfall eine „Zwangsrekrutierung“ durch Krankenhäuser begründet werden kann ist aus meiner Sicht zweifelhaft.

    Allerdings kommt für eine solche „Zwangsrekrutierung“ noch eine andere Rechtsgrundlage in Betracht.

    Die Landesgesetzgeber haben Regelungen für den Katastrophenfall geschaffen, die ebenfalls die Inanspruchnahme von Ärzte – jedenfalls indirekt – festlegen. So wird beispielsweise im Landeskatastrophenschutzgesetz Baden-Württemberg (LKatSG BW) unter § 25 Abs. 1 festgelegt, dass jede Person über 16 Jahren bei der Bekämpfung von Katastrophen herangezogen und nach ihren Kenntnissen und Fähigkeiten zur Hilfeleistung verpflichtet ist.

    Es liegt nahe, dass auch und vor allem Ärzte im Pandemiefall auf dieser Grundlage zu Hilfeleistungen herangezogen werden können.

    In der Zeit dieser „Zwangsrekrutierung“, um den Begriff des Fragestellers zu verwenden, haben die Herangezogenen die Rechtsstellung von Helfern des Katastrophenschutzdienstes (§ 25 Abs. 3 LKatSG). Diese unterliegen gemäß §16 Abs. 1 LKatSG den Haftungsprivilegien der Amtshaftung gemäß § 839 BGB i.V.m. Art. 34 GG. Hiernach haftet der insoweit verpflichtete Arzt zwar grundsätzlich für jede schuldhafte Verletzung von Amtspflichten. Soweit eine Haftung nach dieser Norm vorliegt, wird der Helfer gemäß Art. 34 GG vom Staat freigestellt. Lediglich bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz ist ein staatlicher Rückgriff auf den Helfer / Arzt möglich.

Stand: 01.04.2020

Medizinischer Hintergrund

Hat die WHO zu spät reagiert, wenn man bedenkt, dass eine solche Pandemie vorhersehbar war?

  • Das Robert Koch-Institut und weitere Behörden spielten 2012 in einer Risikoanalyse das Szenario einer Pandemie durch. Es handelt sich dabei um eine theoretische Analyse, nicht um eine konkrete Vorhersage – und schon gar nicht um eine geplante Epidemie.

    Im “Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012″, der am 3. Januar 2013 vom Bundestag veröffentlicht wurde, werden unter anderem die Ergebnisse zweier Risikoanalysen dargestellt.

    Laut Bericht ist das Ziel einer solchen Analyse, einen Überblick zu bekommen, welche Gefahren und Ereignisse mit welcher Wahrscheinlichkeit eintreten und wie groß der zu erwartende Schaden ist. “Die Risikoanalyse erfolgt auf fachlicher Basis. Sie ist als sachlich-nüchterne Bestandsaufnahme dessen zu verstehen, womit bei Eintreten unterschiedlicher Gefahren in Deutschland zu rechnen ist.”

    Eine der beiden Risikoanalysen bezieht sich auf eine Pandemie – eine sich schnell weltweit verbreitende Krankheit – durch den Erreger “Modi-Sars”. Der Erreger ist hypothetisch, hat jedoch realistische Eigenschaften. “Die Wahl eines Sars-ähnlichen Virus erfolgte u. a. vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Gesundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat”, so der Bericht. Damit gemeint ist die Verbreitung der schweren Atemwegserkrankung Sars von November 2002 bis Juli 2003, an der nachweislich mehr als 8000 Menschen auf sechs Kontinenten erkrankten und knapp 800 starben.

    Das durchgespielte Szenario der Risikoanalyse beschreibe ein “außergewöhnliches Seuchengeschehen”, bei dem sich ein neuartiger Erreger verbreite.

    Weitere Informationen erhalten Sie hier: https://www.presseportal.de/pm/133833/4546420

Wie lauten die aktuellen Empfehlungen zu Ibuprofen?

  • Hierzu heißt es in der aktuellen S1-SARS-CoV-2-Leitlinie: Ob Covid-19 durch die Einnahme von ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Rezeptoren-blockern (Sartanen), Glitazonen oder Ibuprofen (Hochregulierung von ACE-2 in meist nicht-humanen Experimentalstudien) verschlimmert werden kann und ein eventueller Austausch gegen andere Arzneisubstanzen vor Komplikationen schützt, ist unbekannt; dieser hypothetisch bestehende Zusammenhang ist wissenschaftlich bislang nicht belegt.

    Da zum jetzigen Zeitpunkt noch keine belastbare Evidenz existiert, kann ein genereller Austausch oder gar ein ersatzloses Absetzen der Substanzen nicht empfohlen werden.

    Laut Professor Thomas Eschenhagen, Vorstandsprecher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. ist es aber für Patienten, die Ibuprofen oder andere NSAR zum Beispiel bei grippeähnlichen Symptomen einnehmen, ohne Probleme möglich, auf Paracetamol auszuweichen. Es hat zumindest eine ähnlich gute fiebersenkende Wirkung. Er weist außerdem darauf hin, dass für Herzpatienten, die Acetylsalicylsäure (ASS) als Standardtherapie zur Thromboseprophylaxe einnehmen, bei einer Grippe ohnehin nur Paracetamol in Frage kommt. Patienten sollten aber wissen, dass sie unbedingt die Dosis-Obergrenzen beachten, um Leberschädigungen durch das Medikament zu vermeiden. [Link]

    Auch die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, Fieber und Schmerzen bei Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion sowohl mit Paracetamol als auch mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten wie Ibuprofen zu behandeln. Die WHO hat ihre Warnung vor der Einnahme von Ibuprofen in Zusammenhang mit einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus ebenfalls widerrufen.

Können fachfremde Ärzte und Pfleger intensivmedizinische Maßnahmen übernehmen?

  • Diese Frage haben wir unserem Experten PD Dr. Johannes Winning, Leiter des Funktionsbereich Notfallmedizin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Jena weitergegeben. Das Ziel seiner Klinik sei es vor allem, so der Arzt,  zunächst die Kolleginnen und Kollegen, die relativ gut ausgebildet sind, in den Bereichen einsetzen, in welchen sie Covid-19-Patienten haben. Dennoch gäbe es ja noch sehr viele andere Aufgaben. Zwar hätte sie das elektive Programm gestoppt, trotzdem gäbe es ja noch immer Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Polytraumata.

    Außerdem versuchen sie die Kollegen, die weniger ausgebildet sind, nicht im “Hotspot” arbeiten zu lassen, sondern eher in den Bereichen, die fast im Routinebetrieb laufen. Zudem könnten sie auf einen Pool aus Medizinstudierenden zurückgreifen, die sich bereit erklärt hätten, in der kritischen Lage zu helfen (insgesamt über 800 Studierende). Diese sollen jetzt entsprechend eingearbeitet werden.

Finden derzeit Kontrollmechanismen der Forschung statt?

  • Fachleute verbringen oft Monate damit, neue Studien zu prüfen, bevor sie in einem Fachjournal veröffentlicht werden (Peer Review). In der Coronakrise ist Zeit knapp, deshalb greifen viele auf Wissen aus Studien zurück, die noch nicht geprüft wurden – zu finden auf Preprint-Servern.

    Oft werden die Preprints jedoch parallel zur Veröffentlichung auf einem Preprint-Server auch bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift zur Begutachtung eingereicht.

    Als „Schnellstraße“ versprechen Preprint-Server, wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zeitnah und frei zugänglich der weiteren Forschung, Politik oder anderen Interessensgruppen zur Verfügung zu stellen.

    Allerdings zeigt das System auch Schwachstellen: Preprint-Server begünstigen eine aufmerksamkeitsheischende Präsentation von Forschungsergebnissen, die auf eine Verbreitung über soziale Netzwerke abzielt. Die Plattform bioRxiv weist darauf hin, dass die Publikationen nicht als Anleitung für die klinische Praxis angesehen werden dürfen.

Weshalb erkranken Kinder nicht so schwer?

  • In einer Studie aus China wird berichtet, dass laut ersten Statistiken der Anteil von Kindern bei bestätigten Covid-19-Fällen tatsächlich unter einem Prozent lag. Aus Sicht der Autoren ist dies eher ungewöhnlich, da Kinder eigentlich besonders anfällig für Atemwegsinfektionen sind und auch eher als Erwachsene mit hohem Fieber reagieren. Ihre Vermutung: Möglicherweise wurden Covid-19-Infektionen häufiger übersehen, da Kinder in der Regel keine prädisponierenden Faktoren für schwere Verläufe wie Diabetes Hypertonie oder Herzerkrankungen aufweisen.

    Als eine weitere mögliche Erklärung, weshalb Kinder weniger anfällig für bestimmten Viren sind, wird in einer weiteren Publikation außerdem diskutiert:

    • Rezeptoren, die zur Andockung des Virus an Körperzellen benötigt werden, sind weniger stark exprimiert oder entwickelt.
    • Das Immunsystem spricht weniger stark auf die Virusinfektion an und die Symptome

COPD und Asthma: Sollte Kortison weitergegeben werden?

  • Zu COPD schreibt die Deutsche Atemwegsliga e.V: Es wird diskutiert, ob inhalative Kortisonpräparate das Infektionsrisiko erhöhen könnten. Bei weitem nicht jeder COPD- Patient ist auf eine Behandlung mit inhalativem Kortison angewiesen. Aus diesem Grund sollte der Arzt entscheiden, ob eine inhalative Kortisonbehandlung (als Einzel- oder in einem Kombinationspräparat) unbedingt erforderlich ist.[Link]

    Die deutschen Asthma-Spezialisten () empfehlen, eine erfolgreiche Inhalationstherapie bei Patienten mit Asthma auch bzw. gerade in der aktuellen Coronavirus-Pandemie unverändert fortzuetzen. Die Gefahr, dass sich das Asthma dadurch in bedrohlicher Weise verschlechtert und (ansonsten unnötige) Arztbesuche oder Krankenhaus-Aufenthalte erforderlich macht –einschließlich möglicher Kontakte mit COVID-19-Patienten –sei für den einzelnen Asthma-Patienten wesentlich bedrohlicher als ein mögliches, gleichwohl unbelegtes Risiko einer Förderung der Ansteckung mit dem Coronavirus (SARS-Cov-2). [Link]

Ist eine Mundspülung vor oralen Untersuchungen und Eingriffen sinnvoll?

  • Die Zahnärztekammer Nordrhein empfiehlt derzeit (Stand: 30.03.2020) bei allen zahnärztlichen Behandlungen von symptomlosen Patienten ohne erhöhtes Risiko antiseptische Mundspülungen mit im DAHZ-Leitfaden aufgeführten Mitteln Chlorhexidin (0,2 %), Octenidin (0,1 %), Natriumhypochlorit (0,08 %), Povidon-Iod (7-11 %) einzusetzen.

    Vor jeder Behandlung ist die Einwirkzeit gemäß Herstellerangaben –im Allgemeinen zwischen 30 und 120 Sekunden –einzuhalten. Diese Empfehlungen gelten vorerst bis 20.04.2020. [Link]

Wie wird eine antivirale Therapie durchgeführt?

  • Zahlreiche antivirale Therapien werden im Kontext mit SARS-CoV2 unter anderem von der WHO diskutiert. [Link]

    Aktuell sind noch zu wenige Daten verfügbar, um eine Therapieempfehlung in Deutschland auszusprechen. Auch für schwere Verlaufsformen von COVID-19 liegt keine ausreichende Evidenz für eine Therapieempfehlung vor. Es muss daher vor antiviraler Therapie als individueller Heilversuch eine sehr sorgfältige Abwägung des Nutzen-/Risiko-Verhältnisses erfolgen. Vorzugsweise sollten Patienten im Rahmen klinischer Studien behandelt werden. [Link].

Korreliert die Schwere des Krankheitsverlaufs mit der ACE-Rezeptorverteilung?

  • Hierfür gibt es bisher keinen Beleg. So heißt es in einer aktuellen Publikation im deutschen Ärzteblatt: Ähnlich wie SARS-CoV benutzt auch SARS-CoV-2 als wichtigsten Rezeptor Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2), ein Oberflächenprotein, das in diversen Organen und auf Lungen-AT2-Alveolarepithelzellen vorkommt. [Link]

    Die Affinität für diesen ACE2-Rezeptor scheint bei SARS-CoV-2 höher zu sein als bei anderen Coronaviren. Unbewiesen bleibt die Hypothese, wonach ACE-Hemmer über eine erhöhte Expression des ACE2-Rezeptors schwere COVID-19-Verläufe begünstigen. Ein Hypertonus war in der bislang größten Studie zu 1 099 Patienten mit COVID-19 mit einem erhöhten Risiko (24 % vs. 13 %) für schwere Verläufe verbunden. In dieser Studie wurde allerdings die Komedikation nicht erfasst; die Fachgesellschaften raten vom Absetzen der ACE-Hemmer ab.

Wie ist die juristische Lage bei Notdienst ohne Schutzausrüstung?

  • Sowohl das RKI als auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) empfehlen derzeit (Stand 19. März 2020), dass den Beschäftigten neben ausreichend Kitteln, Handschuhen, einer Schutzbrille auch partikelfiltrierende Halbmasken mindestens der Klasse FFP2 oder FFP3 (z.B. für Tätigkeiten an Patienten, die stark Husten oder zum Husten provoziert werden) in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

    Nach § 17 Abs. 2 ArbSchG können sich Arbeitnehmer an die zuständige Aufsichtsbehörde wenden, wenn sie der Auffassung sind, dass die vom Arbeitgeber getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen und einer darauf gerichteten Beschwerde an den Arbeitgeber nicht abgeholfen wurde. Der Marburger Bund empfiehlt in dieser Situation vorher Rücksprache mit Juristen, z.B. aus den Landeschäftsstellen des MB zu halten.[Link]

    In besonderen Ausnahmefällen ist es denkbar, die Erbringung der Arbeitsleistung nach § 275 Abs. 3 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zu verweigern, wenn die konkrete Gefährdungssituation die Arbeitsleistung unzumutbar macht. Da hier aber das Risiko der Bewertung der Unzumutbarkeit beim Arbeitnehmer liegt, sollte eine solche Vorgehensweise unbedingt vorab rechtlich eingehend geprüft werden. Zu beachten ist dabei, dass der Arbeitgeber von seiner Vergütungspflicht auch dann frei wird, wenn der Arbeitnehmer die Erbringung der Arbeitsleistung zu Recht wegen Unmöglichkeit verweigert hat.

    Beispiel:

    Der Arbeitgeber kann nicht in ausreichendem Maß Schutzkleidung und/oder Schutzmasken zur Verfügung stellen, so dass insbesondere Schutzmasken länger verwendet bzw. wiederverwendet werden müssen. Die Frage, ob dieser Umstand bereits unzumutbare Arbeitsbedingungen darstellt, müssen im Streitfall die Gerichte klären. Maßgeblich sind dabei die medizinisch wissenschaftlichen Erkenntnisse, die zu dem Zeitpunkt für den jeweiligen Arbeitsbereich gegolten haben, in denen sich der Arbeitnehmer auf ein Leistungsverweigerungsrecht beruft. Die Gerichte orientieren sich daher an den verfügbaren Aussagen von Sachverständigen. In der Corona-Pandemie werden wohl insbesondere die Empfehlungen des RKI einen Sachverständigenstatus einnehmen.

    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt spricht sich das RKI ausdrücklich nicht gegen eine längere Verwendung bzw. Wiederverwendung von Schutzmasken aus. Es ist also davon auszugehen, dass dem Arbeitnehmer kein Leistungsverweigerungsrecht zugestanden werden würde.

    Bevor ein derartiger Schritt ernsthaft erwogen wird, sollte der Einzelfall unbedingt vorab rechtlich eingehend geprüft werden.

Wie geht man mit dem Wunsch nach AU bei Schwangeren um?

  • Aus arbeitsrechtlicher Sicht reicht die Befürchtung, sich bei der Arbeit anzustecken, nicht aus, um der Arbeit fernzubleiben. [Link]  

    So gibt es derzeit keinen Hinweis, dass Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter sind als der Rest der Bevölkerung. Dennoch ist der Arbeitsplatz – wie bei jeder werdenden Mutter – vom Arbeitgeber im Rahmen der “Gefährdungsbeurteilung” zu bewerten.

    Allerdings sind die Möglichkeiten einer Behandlung im Falle eines schweren Verlaufs bei Schwangeren gegenüber der Allgemeinbevölkerung eingeschränk, heißt es etwas in einem Schreiben in der Fachgruppe Mutterschutz der Regierungspräsidien Baden-Württembergs. Daher sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen zu treffen, die eine unverantwortbare Gefährdung der Schwangeren durch ein erhöhtes Infektionsrisiko verhindern. So können derzeit etwa Schwangere an Kassenarbeitsplätzen im Lebensmittel-Einzelhandel, in Drogeriemärkten, Bäckereien oder auch in vielen Apotheken nicht mehr beschäftigt werden. [Link].

    In Krankenhäusern oder Allgemeinarztpraxen sollten schwangere Frauen grundsätzlich nur mit patientenfernen Tätigkeiten eingesetzt werden. Dicht anliegende Atemschutzmasken (FFP3) schützen zwar die Trägerin vor einer möglichen Infektion, sind jedoch für schwangere Frauen nur bedingt geeignet, da sie aufgrund des Atemwiderstands in der Tragezeit zeitlich sehr begrenzt sind.

    Raum für ein ärztliches Beschäftigungsverbot in der Situation der COVID-19-Virusinfektion nach § 16 Mutterschutzgesetz bleibt also nur, wenn nach einem ärztlichen Zeugnis die Gesundheit oder die des Kindes bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet ist (und nicht bereits ein betriebliches Beschäftigungsverbot nach Mutterschutz vom Arbeitgeber zu berücksichtigen ist).

    Gegebenenfalls kann ein sogenanntes vorläufiges Beschäftigungsverbot (BV) durch einen Arzt in Betracht kommen, wenn aus ärztlicher Sicht ernstzunehmende Anhaltspunkte dafür bestehen, dass vom Arbeitsplatz Gefahren für Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind ausgehen können.

    Ärzte sollten sich bei der für Sie zuständigen Aufsichtsbehörde erkundigen, ob es spezielle Darlegungen zum Thema „Mutterschutz unter Coronavirus“ gibt.

Soll man chronisch Kranke krankschreiben, wenn Home-Office nicht möglich ist?

  • Menschen ohne Krankheitszeichen darf der Arzt keine AU-Bescheinigung ausstellen. So besteht kein allgemeines Recht des Arbeitnehmers, aus Angst vor Ansteckung nicht bei der Arbeit zu erscheinen.

    Der Arbeitgeber kann und muss mit seinem Arbeitnehmer aufgrund seiner Fürsorgepflicht abstimmen, wie er mit diesem Risiko umgeht. In Frage kommen (unbezahlte/bezahlte) Freistellung, Urlaubs- oder Gleitzeitabbau. Ein berufliches Tätigkeitsverbot kann nur das Gesundheitsamt aussprechen. Dieses kommt jedoch erst bei Verdacht oder Infektion in Betracht. Unbenommen hiervon ist das Beschäftigungsverbot aufgrund ärztlichen Attests nach Mutterschutzgesetz. [Link] Infos dazu gibt auch der Marburger Bund.

Kann ich statt Pneumovax23 auch Prevenar13 bei Risikopatienten anwenden?

  • Laut Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut soll Prevenar13 ausschließlich für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter bis zu einem Alter von 2 Jahren verwendet werden.

    Prevenar13 ist nach Angaben des PEI derzeit „begrenzt verfügbar“, danach sind für die Säuglingsimpfung noch Kontingente vorhanden. Diese sollen aber nicht für Erwachsene verwendet werden, um die Impfung von Säuglingen nicht zu gefährden. Hersteller und Apotheker kontrollierten daher die Abgabe, erklärte Isabelle Bekeredjian-Ding gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, die am PEI die Abteilung Mikrobiologie leitet. [Link]. Für weitere Informationen können sich Ärzte an ihre zuständige KV wenden.

Stand: 23.03.2020

Medizinischer Hintergrund

Gibt es eine Fallbeschreibung mit klinischem Befund?

  • Im Deutschen Ärzteblatt wurde kürzlich eine kurze Kasuistik, mit Bildgebung, veröffentlicht. (Link)

    Das Bundesgesundheitsministerium schreibt von grippeähnlichen Symptome, wie trockener Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Über weitere Auffälligkeiten bei der körperlichen Untersuchung wird nichts aufgeführt. (Link)

    Zum aktuellen Zeitpunkt liegt uns keine Informationen über typische Befunde der klinischen Untersuchung vor.

Wie lange ist die Inkubationszeit von 2019-nCoV?

  • Die Inkubationszeit liegt im Mittel (Median) bei 5–6 Tagen (Spannweite 1 bis 14 Tage). (Link)

    Das serielle Intervall ist meistens länger als die Inkubationszeit, weil die Ansteckung im Allgemeinen erst dann erfolgt, wenn ein Fall symptomatisch geworden ist. Das serielle Intervall lag in einer Studie mit 425 Patienten im Mittel (Median) bei 7,5 (Link) und in einer anderen Studie bei geschätzten vier Tagen. (Link)

Wann wird es serologische Tests geben?

  • Zur Zeit stehen keine zuverlässige und breit anwendbare serologische Tests zur Verfügung.

    Die Süddeutsche Zeitung eruiert diesen Punkt in einem aktuellen Artikel sehr gut, und meldet auch, dass sich serologische Tests in Entwicklung befinden. Anscheinend wird es aber einige Monate dauern, bis diese flächendeckend eingesetzt werden können. (Link)

Kann man ein zweites Mal an Covid-19 erkranken?

  • Eine in JAMA veröffentlichte Studie konnte bei 4 Patienten 5-13 Tage nach Genesung von Covid-19 und der Entlassung aus der Klinik erneut das Virus mittels PCR-Testung nachgewiesen werden. Voraussetzung für die Klinikentlassung waren negative PCR-Tests. (Link

    Allerdings war die Zahl an Patienten in der Studie überschaubar. Die Virologin Prof. Dr. Isabella Eckerle geht vielmehr von einer Immunität aus. Deren Dauer ist noch nicht abschätzbar, bei SARS sind Antikörper noch 3-5 Jahre nachweisbar. Eine erneute Infektion ist daher unwahrscheinlich. (Link

Ab wann gilt man nach einer überstandenen 2019-nCoV-Infektion als genesen?

  • Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts liegen bislang keine publizierten Daten dazu vor, bis zu welchem Zeitpunkt nach Erkrankungsbeginn vermehrungsfähige Viren im oberen Atemwegstrakt gefunden werden. (Link)

    In einer Studie wurde die Dauer von Erkrankungsbeginn bis zu dem Zeitpunkt, bis keine virale RNA mehr nachweisbar war – abhängig vom Schweregrad der Erkrankung – auf 13–18 Tage angegeben, auch hier war nicht bekannt, wie lange vermehrungsfähige Viren ausgeschieden wurden. (Link)

    Die mediane Krankheitsdauer bis zur Erholung lag bei einer Patientenkohorte in China bei 32 Tagen, wie in einem unserer Beiträge beschrieben, in dem auch die Originalpublikation verlinkt ist. (Link)

Wie hoch ist die „Dunkelziffer“ der Infizierten?

  • Da besonders bei jungen und gesunden Menschen sowie Kindern oft keine Symptome bestehen, muss von einer gewissen Dunkelziffer ausgegangen werden. Wie hoch diese ist, steht aktuell nicht zuverlässig fest. Das RKI gibt eine erste Einschätzung unter dem Punkt „Untererfassung“. (Link)

Können Haus- und Nutztiere den Erreger übertragen?

  • Bislang gibt es keine wissenschaftlich belegbaren Hinweise, dass Haus- oder Nutztiere bei der Übertragung von SARS-CoV-2 eine Rolle spielen. Dies bestätigt auch das Friedrich-Loeffler-Institut. Das Institut gibt zudem weitere Hinweise für Hundehalter. (Link)

Umsetzung in der Praxis

Wie wird ein Abstrich (Nase und Rachen) korrekt durchgeführt?

Influenza vs. Covid-19

Wie unterscheiden sich Influenza und Covid-19 im Verlauf, Ausbreitung und Mortalität? 

  • Die WHO hat eine Übersicht zu Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen Influenza und Covid-19 veröffentlicht. (Link

    Die Erkrankungen können sich in den Symptomen ähneln, da beide das respiratorische System betreffen. Auch die Transmission (über Tröpfchen) ist ähnlich. Daher werden die gleichen Hygieneregeln  (Handhygiene, Kontaktvermeidung) empfohlen. 

    Unterschiede gibt es bei der Dauer der Transmission, da Influenza eine kürzere Inkubationszeit und serielles Intervall hat (3 Tage vs. 5-6 Tage). Kinder sind von Covid-19 weniger symptomatisch betroffen als bei Grippeerkrankungen. Auch für Schwangere ist das Risiko bei einer Influenza-Infektion erhöht, beim SARS-Cov-2 scheint dies nicht der Fall zu sein. 

    Für Covid-19 werden zu 80% milde oder asymptomatische Verläufe gemeldet. Die Zahl kritischer Verläufe ist bei Influenza höher. 
    Allerdings ist Mortalität von Covid-19 bislang höher als bei der saisonalen Grippewelle. Allerdings liegen für die neue Erkrankung noch keine endgültigen Zahlen vor. Die WHO nennt eine Rate von 3-4%, geht aber von einer Senkung im Laufe der Zeit aus, wenn mehr Patienten genesen. Für die Influenza liegt die Rate durchschnittlich unter 0,1%. 

Ist eine gleichzeitige Infektion von Influenza und SARS-CoV-2 möglich?

  • In einem englischsprachigen Beitrag wird ein Arzt zitiert, der eine gleichzeitige Infektion von Influenza und Covid-19 für äußerst selten hält. Üblicherweise haben Patienten nur eine der Viruskrankheiten. (Link) Eine Impfung gegen Influenza schützt nicht vor einer Infektion mit SARS-CoV-2, sie kann allerdings zur Entlastung von Praxen und Kliniken beitragen und die Detektion von Covid-19-Fällen verbessern.

    Zur ambulanten Diagnostik wird vom RKI zur Abklärung eines Verdachts auf Covid-19 auch eine Influenza-Diagnostik empfohlen. (Link)

    Da keine spezifische Therapie gegen das neuartige Coronavirus zur Verfügung steht, erfolgt die Behandlung symptomorientiert und sollte daher durch eine gleichzeitige Influenza-Infektion nicht beeinflusst werden. (Link)

Impfungen und Therapien

Sollte ich meinen Risiko-Patienten jetzt eine Pneumokokken-Impfung empfehlen?

  • Eine Impfung gegen Pneumokokken ist sinnvoll und wurde auch von Gesundheitsminister Jens Spahn für Menschen ab 60 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen empfohlen. Bakterielle Superinfektionen im Falle einer Infektion mit SARS-CoV-2 stellen eine besondere Gefahr dar. (Link)

    Allerdings wird inzwischen von einer hohen Nachfrage an den Pneumokokken-Impfstoff berichtet, so dass dieser vor allem Risikogruppen vorbehalten werden sollte, so die aktuelle Handlungsempfehlung der STIKO. (Link)

Verursachen inhalative Glucocorticoide bei Asthmatikern ein höheres Infektionsrisiko? Sollten sie deshalb abgesetzt werden? 

  • Im Gegenteil, die inhalativen Glucocorticoide sollten, nach Empfehlung der Lungenliga, unbedingt weiter genommen und je nach asthmatischer Symptomatik in der Dosis angepasst werden. Unter adäquater Asthma-Therapie ist die Infektionsgefahr nicht erhöht. (Link

    Empfehlungen für Kinder

    Eltern fragen sich, ob Kinder mit Allergien (Allergische Rhinitis, Asthma bronchiale, Nahrungsmittelallergie) und atopischer Dermatitis ein erhöhtes Risiko haben, im Rahmen einer Coronaviirus-Infektion an Covid-19 zu erkranken bzw. schwerer zu erkranken als Kinder ohne allergische Erkrankungen.

    Die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) hat zu diesem Themenkomplex eine Stellungnahme veröffentlicht mit beruhigender Botschaft: Kinder sind seltener von COVID-19-Infektionen betroffen und erkranken in der Regel weniger schwer. Wie für die erwachsenen Asthmatiker*innnen wird empfohlen, Therapien unverändert fortzuführen. [Link]

Wirken ACE-Hemmer sich auf den Krankheitsverlauf aus?

  • In der Tat nutzt SARS-CoV-2 das transmembranäre Enzym ACE2 als Rezeptor (hier eine aktuelle Studie: https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(20)30229-4), um in die Zelle zu gelangen. 

    Laut Professor Thomas Eschenhagen, Vorstandsprecher des Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. DZHK gibt es bislang keine belastbaren klinischen Daten, dass Patienten aufgrund der Einnahme von ACE-Hemmern und Sartanen einen schlechteren Verlauf bei einer SARS-CoV-2-Infektion haben könnten. (Stand 15.04.2020) [Link]

    Auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die Deutsche Hochdruckliga raten aktuell davon ab, Blutdrucksenker wie ACE-Hemmer und Sartane abzusetzen. Vielmehr bringt das Absetzen von Blutdrucksenkern erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich. Denn es ist bewiesen, dass ACE-Hemmer und Sartane bei Patienten mit Bluthochdruck und Herzschwäche die Sterblichkeit und die Wahrscheinlichkeit senken, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Außerdem schützen sie die Nieren dieser Patienten.

Onkologie und Immunsuppression

Wie gehe ich in einer onkologischen Praxis vor? 

  • Bislang gibt es keine Zahlen zu einer erhöhten Erkrankungsrate bei Krebspatienten. Die DGHO betont jedoch eine besondere Achtsamkeit bei der Einhaltung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden, wozu auch Hygienemaßnahmen zählen. 

    Die Stellungnahme der Fachgesellschaft finden Sie hier: https://www.coliquio.de/wissen/onkologie-kompakt-100/covid-19-krebspatienten-100 

Ist bei immunsupprimierten Patienten ein schwererer Verlauf zu erwarten?

  • Personen mit einem geschwächten Immunsystem (aufgrund einer Erkrankung oder durch Medikamente) zählen zu den Risikogruppen für schwere Verläufe. (Link) Für diese Gruppen sind die empfohlenen Präventionsmaßnahmen (Hygiene, kein Kontakt zu Infizierten, Vermeiden von Großveranstaltungen) besonders wichtig.

    Eine Impfung gegen Pneumokokken ist sinnvoll und wurde auch von Gesundheitsminister Jens Spahn für Menschen ab 60 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen empfohlen. Bakterielle Superinfektionen im Falle einer Infektion mit SARS-CoV-2 stellen eine besondere Gefahr dar. (Link)

    Auch eine Grippeschutz-Impfung ist noch sinnvoll, auch wenn eine gleichzeitige Infektion mit Influenza und Covid-19 unwahrscheinlich ist. Das Gesundheitssystem kann durch Prävention anderer Erkrankungen entlastet werden.

Verlauf bei Kindern und Jugendlichen

Was wird für Familien mit Kindern empfohlen? Dürfen die Kinder draußen spielen? 

  • Das Bundesgesundheitsministerium bietet Tipps für Eltern zum Umgang mit der häuslichen Quarantäne (Link

    Darin wird unter anderem empfohlen, dass Kinder auch an der frischen Luft spielen sollen, allerdings unter Einhaltung der aktuellen Kontaktempfehlungen. Derzeit sollen soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden. Auf Besuche bei Freunden oder Großeltern sollte verzichtet werden. 

    Für Aktivitäten zu Hause bietet das Ministerium Empfehlungen in der Broschüre. 

Gibt es bereits Erfahrungen mit vorerkrankten Kindern und Jugendlichen?

  • Die Infektionsraten von Covid-19 sind bei Kindern vergleichbar mit denen von Erwachsenen, der Krankheitsverlauf ist jedoch meist milder. (Link) Wissenschaftliche Daten zu Kindern mit chronischen Erkrankungen liegen uns derzeit nicht vor.

    Eine Stellungnahme bezüglich Covid-19 und Kinder mit Asthma oder chronischen Erkrankungen hat die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. verfasst. [Link]

    Ein Professor für Pädiatrie der Yale School of Medicine (New Haven) meint, dass für diese Kinder keine erweiterten Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen. Die Familie sollten sich an die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention von Covid-19, Influenza und anderen Infektionskrankheiten halten (Hände waschen, Kontakt mit Infizierten vermeiden, keine Teilnahme an Großveranstaltungen). (Link)

    Auch Neugeborene können infiziert sein, die zeigt eine chinesische Studie. [Link]

Schwangerschaft

Sollte ich einer Schwangeren jetzt ein vorläufiges Beschäftigungsverbot erteilen?

  • Laut unserer Medizinanwältin gibt es aktuell hierzu keine verbindlichen gesetzlichen Vorgaben.

    Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF) hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) Hinweise und FAQ zu spezifischen Risiken der COVID-19-Virusinfektion für schwangere Frauen veröffentlicht. (Link)

    Dort heißt es: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es international keinen Hinweis, dass Schwangere durch das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Es wird erwartet, dass die große Mehrheit der schwangeren Frauen nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe aufweist. Schwerwiegendere Symptome wie Lungenentzündung scheinen bei älteren Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Langzeiterkrankungen häufiger zu sein. Wenn eine bereits vor der Schwangerschaft bestehende Herz- oder Lungenerkrankung vorliegt, könnten eher Komplikationen bei Atemwegsinfektion wie bei der Coronavirusinfektion eintreten.“ (Link)

Situation in anderen Ländern

Wo finde ich aktuelle Fallzahlen anderer Länder? 

  • Die aktuellen Fallzahlen und Sterbezahlen liegen unter anderem beim European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) vor: https://www.ecdc.europa.eu/en/geographical-distribution-2019-ncov-cases 

    Allerdings gibt es auch dort keine Angaben zur Zahl der durchgeführten Tests, auch nicht auf anderen uns verfügbaren Seiten.

Seit Wochen stagniert die Infektionsrate in China. Warum?

Falls auch Sie Fragen zu Covid-19 haben oder weiterführende Informationen benötigen, schreiben Sie uns an medizinredaktion@coliquio.de

Bildquelle: © Getty Images/ style-photography

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