04. November 2020

Akutes Koronarsyndrom in der Hausarztpraxis

Welche Medikamente sollten Hausärzte stets auf Lager haben?

Ein 70-jähriger Patient kommt mit akutem Thoraxschmerz in die Hausarztpraxis. Der Mediziner vermutet ein akutes Koronarsyndrom, leitet jedoch keine medikamentöse Therapie ein, weil die entsprechenden Arzneimittel nicht vorliegen. Der hinzugerufene Notarzt berichtet.1

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Artikel basiert auf einem Bericht auf jeder-fehler-zaehlt.de 1

Was ist passiert?

Rettungsdienst und Notarzt werden in eine Hausarztpraxis gerufen wegen akuter, stärkster retrosternaler Schmerzen (NAS in Ruhe 8) bei ca. 70-jährigem Patienten im Sinne einer instabilen Angina pectoris (vor wenigen Tagen neu aufgetretene, retrosternale Schmerzen, progredient in Frequenz und Intensität, belastungsunabhängig).
Oben genannte Symptomatik habe den Patienten in die Hausarztpraxis geführt, dort ist Patient bekannt.

  • Hausmedikation: keine
  • Allergien: nein

Untersuchungsbefund

Der Notarzt erhebt folgenden Befund:

  • Patient ist wach und orientiert, dabei aufgeregt und ängstlich
  • Blutzucker und Körpertemperatur im Normalbereich
  • Atemwege frei, flache Atmung mit Tachypnoe, SpO2 97%, Lunge auskultatorisch ohne pathologischen Befund (o.p.B.)
  • Extremitäten rosig, Pulsstatus o.p.B., keine obere Einflussstauung, leichte Hypertonie (140/90 mmHg)
  • 12-Kanal-EKG soweit unauffällig
  • Hirnnerven-Status o.p.B.
  • peripherer neurologischer Status bei bekannter inkompletter Querschnittslähmung ansonsten unauffälig

Patient hat in der Hausarztpraxis folgende Maßnahmen erfahren:

  • Anamnese
  • 12-Kanal-EKG
  • Anlage Flexüle Unterarm

Die Kritik des Notarztes

Durch den Hausarzt sei keine erweiterte Untersuchung und Anamnese (weitgehend durch Notärztin/Notarzt erfragt) erfolgt, u.a.

  • kein Pulsstatus,
  • keine Auslösbarkeit des Schmerzes abgefragt,
  • keine Untersuchung auf obere Einflussstauung, TVT, kein Sono/ TTE (obwohl in Praxis vorhanden)
  • vor allem aber keine Basistherapie eingeleitet bei ACS / mgl NSTEMI
  • keine Symtomlinderung/ Schmerztherapie
  • kein Nitro sl
  • kein ASS iv
  • kein Heparin iv

Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?

Objektive Gründe:
Auf Nachfrage, warum der Patient noch keine Therapie erhalten habe, gibt die Ärztin / der Arzt an, entsprechende Medikamente nicht zu haben (keine Schmerzmedikamente, kein Nitro, kein ASS, kein Heparin)

Subjektive/vermutete Gründe:
Ärztin / Arzt wirkt sehr unsicher, scheint Ablauf Diagnostik und Therapie ACS/NSTEMI/STEMI nicht zu kennen, Rettungsdienstpersonal berichtet Notarzt, ähnliche Situationen seien schon in der Vergangenheit vorgekommen

Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?

Fragen:

  • Welche Grundversorgung bzw. Grundwissen muss ein/e Allgemeinarzt/in bei Notfällen leisten (hier Leitlinie Erstversorgung ACS/NSTEMI/STEMI kennen)?
  • Welche Grundausstattung muss er/sie in der Praxis zu Verfügung stellen können (hier: Medikamente)?
  • Welche Maßnahmen kann die Notärztin / der Notarzt sinnvoll einleiten, dass sich solche Situationen ändern und Patienten besser anbehandelt werden?

Welche Notfall-Medikamente haben Sie stets auf Lager?

Im hier beschriebenen Fall alarmierte ein Hausarzt den Notarzt, weil bei einem in der Praxis bekannten Patienten thorakale Schmerzen vorlagen. Der Hausarzt hatte ein EKG sowie eine periphere Venenverweilkanüle angelegt.
Der Notarzt reichte nun diesen Bericht ein, da der Hausarzt mehrere Anamnesepunkte nicht erhoben, Untersuchungen nicht durchgeführt und weder Aspirin, Nitro-Spray, Heparin noch Morphin verabreicht hatte bei einem möglichen NSTEMI.

Wie gehen Sie in Ihrer Praxis mit einem solchen Notfall um? Welche Notfall-Medikamente führen Sie? Haben Sie bestimmte Abläufe für solche Fälle?

  1. “Erstversorgung von kardialem Notfall in Praxis”; Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen; 28.10.2020.

Bildquelle: © gettyImages/PixelsEffect

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653