26. November 2021

Zeckenbiss

Doxycyclin gegen Progression zu Lyme-Borreliose

Eine prophylaktische Antibiose scheint die Entwicklung einer Lyme-Borreliose nach einem Zeckenbiss zu verhindern. Das zeigen Ergebnisse einer Meta-Analyse aus sechs randomisierten Studien. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Linda Fischer

Behandlung auf gefährdete Personen beschränken

In dem systematischen Meta-Review setzten sich Forschende das Ziel, die Wirksamkeit einer Antibiotikaprophylaxe zur Prävention einer Lyme-Borreliose zu beurteilen und untersuchten, welche Behandlungsstrategie dafür zu bevorzugen ist.

Das Ergebnis: Eine Einzeldosis oral verabreichtes Doxycyclin kann dazu beitragen, eine Lyme-Borreliose nach einem Zeckenbiss zu verhindern. Die Behandlung sollte allerdings auf gefährdete Patientinnen und Patienten beschränkt werden. Darunter fällt beispielsweise die Situation, wenn die Zecke bereits über 36 Stunden in der Haut feststeckt oder bei der Entfernung teilweise durch Blutaufnahme angeschwollen ist.

Das Studiendesign

Die Forschenden bezogen Daten aus sechs randomisierten kontrollierten Studien und insgesamt 3.766 Teilnehmenden mit ein. Insgesamt lagen in der Kohorte 56 ungünstige Ereignisse in Form von Erythema migrans vor, inklusive eines Falls von disseminierter Lyme-Borreliose. Als ungünstiges Ereignis definierten die Forschenden

  • die Entwicklung eines Erythema migrans an der Stelle des Zeckenbisses oder
  • eine objektive Manifestation, welche mit einer frühen extrakutanen (z.B. Lähmung des siebten Hirnnervs) oder einer späten Lyme-Borreliose (z.B. Arthritis) vereinbar ist und durch ein erstmaliges Auftreten erregerspezifischer Antikörper im Serum nach der Infektion (Serokonversion) bestätigt wurde.

Die Patientinnen und Patienten unterzogen sich je nach Studie einer

  • 10-tägigen oralen Antibiotikatherapie (Penicillin, Amoxicillin, Tetracycline),
  • bekamen eine Einmaldosis Doxycyclin (200 mg), oder eine
  • topische Antibiotikabehandlung (Azithromycin).

10-tägige Antibiotikatherapie wirksam

In fünf Studien wurde eine orale Antibiotikatherapie verabreicht. Die gepoolte Rate ungünstiger Ereignisse betrug in der Interventions- und der Kontrollgruppe 0,2 % (95 %-Konfidenzintervall KI: 0,0 bis 1,0 %) und 2,5 % (KI: 1,7 bis 3,5 %). Das gepoolte Risikoverhältnis (risk ratio, RR) lag bei 0,29 (KI: 0,15 bis 0,57).

Von diesen fünf Studien, wurde in drei Studien über 10 Tage mit Antibiotika behandelt. Die gepoolte Rate ungünstiger Ereignisse belief sich hier auf 0,0 % (95 % KI: 0,0 bis 0,3 %) für die Interventions- und 1,3 % (95 % KI: 0,3 bis 2,9 %) für die Kontrollgruppe. Die RR betrug 0,28 (95 %-KI: 0,05 bis 1,67).

Ebenso die Einmaldosis Doxycyclin

In den anderen zwei der fünf Studien wurde einmalig Doxycyclin (200 mg) verabreicht. Die gepoolte Rate ungünstiger Ereignisse bei Personen der Interventions- und Kontrollgruppen betrug 0,8 % (KI: 0,4 bis 1,4 %) und 3,0 % (KI: 2,0 bis 4,2 %). Die RR lag bei 0,29 (KI: 0,14 bis 0,60)

Eine topische Antibiotikabehandlung wurde nur in einer Studie durchgeführt. Die gepoolte Rate ungünstiger Ereignisse belief sich auf 1,2 % (KI: 0,4 bis 2,3 %) und 1,6 % (KI: 0,7 bis 2,9 %) in der Interventions- und der Kontrollgruppe. Die RR betrug 0,73 (KI: 0,25 bis 2,08).

Einschränkungen der Studie

Sowohl die begrenzte Menge an Daten, die Heterogenität zwischen den Zecken- und Erreger-Spezies und der begrenzten Endpunkt schränken die Aussagekraft der Meta-Analyse ein.

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Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.

  1. Zhou et al: „Antibiotic prophylaxis for prevention against Lyme disease following tick bite: an updated systematic review and meta-analysis“ in BMC Infectious Diseases (2021)

Bildquelle: © gettyImages/Teka77

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