23. August 2019

Teil 2

9 Medikamente mit unerwartetem Zusatznutzen

Hier stellen wir Ihnen zwei Medikamente vor, die sich schon bei Diabetes und dem Benignen Prostata-Syndrom bewährt haben, und ein Lipidsenker, der Potential gegen Krebs, Asthma und Bakterien zeigt.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Liraglutid zur Gewichtsreduktion

Seit Anfang April 2016 ist der GLP-1-Agonist Liraglutid, der primär als subkutan verabreichtes Antidiabetikum eingesetzt wird, in der Indikation „Übergewicht“ erhältlich. Die empfohlene Dosis zur Gewichtsreduktion liegt fast doppelt so hoch wie bei der Diabetes-Behandlung. Im Mittel nehmen Patienten ca. 8 kg pro Jahr ab.1 Zu den Nebenwirkungen zählt die Magenentleerungsstörung, die jedoch einen zentralen Aspekt der erwünschten Wirkung von Liraglutid darstellt. Außerdem steigt das Risiko für eine Pankreatitis. Zudem könnten diverse Karzinome (Pankreas, Gallenwege, Schilddrüse) verstärkt auftreten.

Finasterid gegen Haarausfall

Der 5-alpha-Reduktasehemmer Finasterid, der bei der benignen Prostatahyperplasie etabliert ist, hemmt die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron und verringert damit wahrscheinlich den Wachstumsreiz auf die harnröhrennahen Zellen. Gleichzeitig verlangsamt es den androgenetischen Haarausfall und ist für diese Indikation auch in wesentlich niedrigerer Dosierung seit 1998 zugelassen. Allerdings müssen Patienten darüber aufgeklärt werden, dass das Medikament sexuelle Dysfunktion auslöst, die auch nach mehr als zehn Jahren nach Absetzen der Arznei fortbestehen kann. Ebenso kann die Stimmung beeinträchtig werden, bis hin zur Depression mit Suizidgedanken, wie auch in einem Rote-Hand-Brief aus dem Jahr 2018 gewarnt wird.

Können Statine noch mehr?

Auch Statine, die primär bei der Hyperlipidämie indiziert sind, werden intensiv auf eine weitere Wirkung hin untersucht. Sie sollen anti-inflammatorisch, anti-proliferativ und anti-fibrotisch wirken.

Onkologische Indikationen: Wie auch bei Metformin stehen bei Statinen onkologische Indikationen im Mittelpunkt, auch aufgrund von präklinischen und retrospektiven Studien. Doch auch hier ist die Lage in den prospektiven Studien ernüchternd, wie Abdullah et al. (2018)2 schlussfolgern. Die Autoren gehen davon aus, dass Pitavastatin in hohen Dosen am ehesten den gewünschten Effekt zeigen könnte.

Asthma: Doch Statine könnten auch eine therapeutische Option bei Asthma darstellen.3 Kleine randomisierte kontrollierte Studien konnten zeigen, dass im Sputum von Asthma-Patienten unter Statin-Behandlung die Anzahl inflammatorischer Zellen und die Zytokin-Werte sanken. Klinische Verbesserung konnte jedoch nicht festgestellt werden. Da bei der oralen Einnahme des Wirkstoffes jedoch fraglich ist, ob eine ausreichende Konzentration im Lungengewebe erzielt wird, könnte der nächste Schritt die Entwicklung geeigneter inhalativer Statine sein.

Antimikrobielle Effekte: Statine, darunter besonders Simvastatin, scheinen ebenfalls einen antimikrobiellen Effekt sowohl gegen gram(+) als auch gram(-) Bakterien zu haben. Der Mechanismus dahinter ist noch nicht eindeutig geklärt, es scheint jedoch, dass Statine an verschiedene bakterielle Zellwandmoleküle binden und diese zerstören.4

  1. Deutsches Ärzteblatt: „Liraglutid: Tägliche Spritze hilft beim Abnehmen“ 03.07.2015
  2. Abdullah MI et al: The poor design of clinical trials of statins in oncology may explain their failure – Lessons for drug repurposing. Cancer Treatment Reviews. 2018 Sep;69:84-89.
  3. Zeki AA et al.: Innovations in asthma therapy: is there a role for inhaled statins? Expert Rev Respir Med. 2018 Jun;12(6):461-473
  4. Ko HHT et al.: Statins: antimicrobial resistance breakers or makers? PeerJ. 2017 Oct 24;5:e3952.

Teaserbild: © Getty Images/ MJ_Prototype
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