25. Dezember 2020

Diabetes bei Mensch und Haustier

Wie der Hund, so das Herrchen?

Schwedische Forscher haben untersucht, ob die Besitzer von Hunden und Katzen mit ihren Haustieren das Risiko teilen einen Typ-2-Diabetes mellitus zu entwickeln.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Weihnachtsausgabe des British Medical Journals.1 Redaktion: Christoph Renninger

Haustierbesitzer im sechsstelligen Bereich

Insgesamt identifizerten die Forscher 208.980 Hundehalter und 123.566 Katzenbesitzer und ihre jeweiligen Haustiere in der Register-basierten longitudinalen Studie. Die Diagnose eines Diabetes mellitus wurde über das Nationale Patientenregister, dem Register der Todesursachen und das Register der verordneten Medikamente gestellt. Informationen über Diabetes der Haustiere wurden anhand von veterinärmedizinischen Versicherungsdaten erhoben.

Bei Hunde und Katzen, die einen Diabetes entwickeln, zeigen üblicherweise charakteristische und schnell progrediente Symptome, wie übermäßigen Durst, Polyurie und Gewichtsverlust, ähnlich wie Menschen mit Typ-1-Diabetes. Die Pathogenese ist dabei heterogen. Die Hyperglykämie kann durch primäre Insulindefizienz oder -resistenz ausgelöst werden.

Bei Katzen ähnelt die Pathogenese der eines Typ-2-Diabetes beim Menschen, wichtigstes Merkmal ist eine reduzierte Insulinsensitivität. Zu den nicht-beeinflussbaren Risikofaktoren zählen bei beiden Haustieren das Alter, Geschlecht und die Rasse. Wie beim Menschen tragen jedoch die Ernährung, Übergewicht und die körperliche Aktivität zum Risiko einer Erkrankung bei.

Analyse der Hunde-Halter-Paare

Bei den meisten (94,6%) Hund- und Halter-Paaren lag bei Beginn der Analyse kein Diabetes vor. Verglichen mit Hundehaltern ohne Typ-2-Diabetes waren die Erkrankten älter, häufiger männlich, hatten seltener einen Universitätsabschluss und waren weniger oft verheiratet.

Hatte nur der Hund zu Beginn eine Diabeteserkrankung, waren die Besitzer häufig in der niedrigsten Einkommensgruppe. Die erkrankten Hunde waren durchschnittlich älter, häufiger weiblich und öfter aus einer Rasse mit hohem Diabetesrisiko (z.B. AustralianTerrier, Samoyede, Border Collie, West Highland White Terrier oder Zwergpudel).

Während der Nachverfolgung über maximal 6 Jahre (Median: 3,4 Jahre) lag die beobachtete Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei Hundebesitzern bei 7,7 Fällen/1000 Personenjahren. Bei den Hunden lag sie bei 1,3/1000 “Hundejahren”.

Verglichen mit Besitzern eines Hundes ohne Diabetes, hatten die Herrchen und Frauchen eines Diabetes-kranken Hundes ein erhöhtes Risiko ebenfalls zu erkranken (Hazard Ratio: 1,37; 95%-Konfidenzintervall 1,10 – 1,74). Dies änderte sich auch nicht nach Anpassung an weitere, verfügbare Kovariaten.

Das Risiko eines Typ-2-Diabetes war für Hunde höher, wenn auch ihre Besitzer erkrankt waren (HR: 1,28; 95%-KI: 1,01 – 1,63). Eine Analyse zeigte, dass das Alter der Besitzer hierbei eine wichtige Kovariate war und das Risiko mit dem Alter anstieg.

Analyse der Katzen-Besitzer-Paare

Auch bei den Katzenbesitzern war die Rate an Diabetes-Erkrankungen mit 5% niedrig. Katzenliebhaber mit einer Erkrankung waren durchschnittlich älter, häufiger männlich und seltener Akademiker. War nur die Katze betroffen, lebte sie häufiger bei einer alleinstehenden Frau und in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte. Außerdem hatten die Besitzer einer Diabetes-kranken Katze häufig ein hohes Haushaltseinkommen.

Die erkrankten Katzen waren häufiger älter, männlich und zählten zu einer Rasse mit hohem Diabetes-Risiko (z.B. Birma-Katze, Russisch Blau, Norwegische Waldkatze, Europäische Kurzhaar).

Während der Follow-Up-Zeit lag die beobachtete Diabetes-Inzidenz bei Katzenbesitzern bei 7,9 Fällen/1000 Personenjahren und für die Katzen bei 2,2 Fällen/1000 “Katzenjahren”.

Beim Vergleich zwischen Besitzern einer Katze, die an Diabetes erkrankt ist, und den Besitzern einer gesunden Katze zeigte sich kein statistischer Unterschied (HR: 0,99; 95%-KI: 0,74 – 1,34). Auch die Erkrankung ihres Besitzers hatte keine Auswirkung auf das Risiko einer Katze zu erkranken (HR: 1,00; 95%-KI: 0,78 – 1,28).

Mögliche Erklärungen

Die Wissenschaftler ziehen eine Reihe von möglichen Mechanismen heran, welche die Assoziation zwischen der Diabetes-Erkrankung von Hunden und ihren Herrchen bzw. Frauchen erklären könnten:

  • Hunde und ihre Besitzer teilen manche Lebensgewohnheiten, welche das Diabetesrisiko beeinflussen, wie die körperliche Aktivität. Eine Studie fand zudem einen Zusammenhang von Übergewicht bei Hund und Halter.2
  • Darüber hinaus kann die Ernährung von Mensch und Hund eine Rolle spielen, etwa die Portionsgröße, Häufigkeit der Mahlzeiten und Leckerlis oder Snacks vom Essenstisch.
  • Ein ähnliches Mikrobiom von Haushunden und Besitzern kann eine weitere mögliche Erklärung sein. Hundebesitzer und ihre Tiere teilen Bakterien auf der Haut und im Darm. Diese können zum Diabetes-Risiko beitragen.
  • Hunde und Halter sind häufig den selben diabetogenen Umwelteinflüssen ausgesetzt, wie etwa Schadstoffen in der Luft oder Chemikalien im Haushalt. Hierzu liegen jedoch keine Daten vor.
  • In Schweden kommt Typ-2-Diabetes häufiger in niedrigeren sozioökonomischen Klassen vor. Faktoren wie der Lebensstil, Gesundheitsbewusstsein und der Zugang zum Gesundheitssystem wirken sich auf die Entwicklung von Diabetes auf, bei Mensch und Haustier.
  • Im Gegensatz zu Hunden sind Katzen weniger abhängig von ihren Besitzern und verbringen wesentlich mehr Zeit an der freien Luft. Ihre Ernährung und Aktivität korreliert weniger stark mit ihren Besitzern als es bei Hunden der Fall ist. Auch ist kein Zusammenhang von Übergewicht zwischen Katzen und ihren Haltern bekannt.

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