23. März 2020

Respiratorische Erkrankung durch das Coronavirus SARS-CoV-2

Finden Sie bei Deximed eine übersichtliche und tagesaktuelle Zusammenfassung über die Diagnostik, Behandlung und Therapie von COVID-19. In diesem Auszug präsentieren wir Ihnen die aktuellen epidemiologischen Daten aus Deutschland, Europa und China.
(Stand: 21.03.2020)

Dieser Beitrag erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von Deximed, der Medizinenzyklopädie im Internet.

DEFINITIONRespiratorische Erkrankung durch das neuartige SARS-CoV-2, COVID-19.
HÄUFIGKEIT: 2020: Seit Ende Dezember 2019 wird aus China über das Auftreten von Lungenentzündungen mit einem Beta-Coronavirus (SARS-CoV-2) berichtet, Name der Erkrankung COVID-19. Größte Fallzahl und die meisten Todesfälle inzwischen in Europa. 
SYMPTOME: Variieren zwischen Symptomfreiheit, leichten Erkältungssymptomen, grippeähnlichem Krankheitsbild mit Fieber, Krankheitsgefühl, Husten, evtl. Atemnot oder einem schweren Krankheitsbild mit Pneumonie, ARDS.
BEFUNDE: Bei schweren Verläufen akutes respiratorisches Syndrom (mit oder ohne Fieber und Husten), radiologische oder klinische Hinweise auf Pneumonie oder akutes Atemnotsyndrom.
DIAGNOSTIK: Ein RT-PCR-Test kann das Virus nachweisen. Ggf. können Patienten den erforderlichen Nasen- und Rachenabstrich selbst durchführen.
THERAPIE: Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen Coronaviren (SARS-CoV-2, SARS- oder MERS-Viren).

Fallzahlen und Mortalität (Stand 21.03.2020)

  • Es ist unklar, wie hoch weltweit und in einzelnen Ländern die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten, meist asymptomatischen infizierten Personen ist. [4]

Zahlen aus China

  • Die meisten dokumentierten Infizierten gab es bisher in China als einzelnes Land in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei mit der Stadt Wuhan.
  • Bei dem COVID-19-Ausbruch in China lag der WHO zufolge das Alter der Betroffenen im Mittel bei 51 Jahren, gut 3/4 der Fälle trat in der Altersgruppe der 30- bis 69-Jährigen auf.2
  • Bei Kindern scheint die Erkrankung laut WHO vergleichsweise selten aufzutreten und dann mild zu verlaufen.2
  • Laut einer chinesischen Untersuchung, in der die 1.286 engen Kontaktpersonen von 391 COVID-19-Fällen untersucht wurden, stecken sich Kinder in gleichem Maße wie Erwachsene an, erkranken jedoch nur selten.5
  • Es ist mit den bisherigen Daten allerdings nicht möglich zu bestimmen, welche Rolle Kinder und Jugendliche bei Übertragungen spielen, und ob sie generell weniger anfällig für das Virus sind.2

Zahlen in Deutschland und Europa

  • Laut einer Auswertung der deutschen Fallzahlen sind 56 % der Infizierten männlich, der Altersmedian liegt bei 47 Jahren.6
  • Altersverteilung:
  • <  5 Jahre: 0,8 %
  • 4–14 Jahre: 2,4 %
  • 15–59 Jahre: 80 %
  • ≥ 60 Jahre: 16,3 %
  • Inzwischen steigen die Fallzahlen und die Anzahl der Todesfälle außerhalb Chinas rapide an, auch in Deutschland, und es gibt in Europa bereits mehr Fälle als in China.
  • Nach Daten des italienischen Istituto Superiore di Sanità gab es auch bei den getesteten 20- bis 50-Jährigen eine hohe Zahl positiver Testergebnisse.
  • Von den Verstorbenen hingegen war mehr als die Hälfte über 80 Jahre alt, 2/3 wiesen mindestens 3 chronische Vorerkrankungen auf.
  • Die Lage ist instabil und ändert sich sehr kurzfristig.
  • Detaillierte Zahlen zur Lage in Deutschland finden Sie auf dem RKI-COVID-19-Dashboard.
  • Weltweite Fallzahlen mit einer detaillierten tagesaktuellen Angabe für Deutschland finden Sie beim RKI auf der Seite SARS-CoV-2: Fallzahlen in Deutschland und weltweit.
  • Einen tagesaktuellen weltweiten Überblick inklusive Anzahl der Todesfälle finden Sie auf dem Dashboard der WHO.
  • Einen tagesaktuellen weltweiten Überblick über die Fallzahlen, inklusive der Anzahl derjenigen, die die Infektion überstanden haben und wieder genesen sind (mehrere Zehntausend), finden Sie auf dem Dashboard der Johns Hopkins University.
  • In China wurden am 14.02.2020 1.716 Infektionsfälle und 6 Todesfälle bei medizinischem Personal bestätigt.7
  • Durchseuchung 8
  • Laut Deutschem Ärzteblatt wurden seit dem 2. März 2020 35.000 PCR-Tests im ambulanten Bereich in Deutschland durchgeführt, davon waren 1.112 positiv.

Risikobewertung des RKI 9

  • Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation.
  • Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor.
  • Die Zahl der Fälle in Deutschland steigt weiter an.
  • Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt.
  • Diese Gefährdung variiert aber von Region zu Region.
  • Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu.
  • Die Belastung des Gesundheitswesens hängt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, Quarantäne, soziale Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein.
  • Die massiven Anstrengungen auf allen Ebenen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) verfolgen weiterhin das Ziel, die Infektionen in Deutschland so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verzögern.
  • Sie sollten durch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen wie die Reduzierung von sozialen Kontakten mit dem Ziel der Vermeidung von Infektionen im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich ergänzt werden.

Einschätzung in den FAQ des RKI2

  • Es ist offen, wie viele Menschen sich insgesamt in Deutschland mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren werden.
  • Schätzungen gehen von bis zu 70 % der Bevölkerung aus, es ist allerdings unklar, über welchen Zeitraum dies geschehen wird.
  • Grundlage dieser Schätzungen ist die sog. Basisreproduktionszahl von COVID-19. Sie beträgt 2–3. Das bedeutet, dass eine ansteckende Person 2 bis 3 weitere Personen ansteckt. Wenn sich nun ein solcher Erreger in einer homogenen Bevölkerung ohne jegliche Gegenmaßnahmen ausbreitet, dann würde die Ausbreitung erst dann aufhören, wenn von 50 % bis zu 70 % einer als vollkommen empfänglich angenommenen Bevölkerung nicht mehr empfänglich ist, d. h. sich angesteckt hat und dann immun geworden ist.
  • Die Auswirkungen für Deutschland lassen sich nicht vorhersagen: Auch wenn nach derzeitigen Erkenntnissen nur ein kleiner Teil der Erkrankungen schwer verläuft, könnte eine ungebremste Erkrankungswelle aufgrund der fehlenden Immunität zu einer erheblichen Krankheitslast in Deutschland führen.

Risikobewertung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)10

  • Das Risiko im Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion ist für die Allgemeinbevölkerung in Europa derzeit mäßig und für ältere Personen und für Personen mit Grunderkrankungen hoch.
  • Das Risiko einer milden Erkrankung und die damit verbundenen Folgen im sozialen und beruflichen Bereich wird als hoch eingeschätzt.
  • Das Risiko für eine regionale und landesweite verbreitete und anhaltende Übertragung von COVID-19 in der EU/GB wird für die kommenden Wochen als sehr hoch bzw. hoch eingeschätzt.
  • Das Risiko für eine Überlastung der Gesundheitssysteme in Europa in den kommenden Wochen wird als hoch eingeschätzt.
  • Das Risiko durch eine Übertragung von COVID-19 in Institutionen mit großer Anzahl an Personen mit Risikofaktoren für einen schweren Verlauf wird als hoch angesehen.

Surveillance2

  • Im Rahmen der Influenza-Surveillance werden vom RKI ab sofort Proben von Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen, die von Praxen der Arbeitsgemeinschaft Influenza eingesandt werden, zusätzlich auch auf SARS-CoV-2 untersucht, um eine Zirkulation von SARS-CoV-2 frühzeitig zu erkennen und zu überwachen.11

Einschätzung der WHO2

  • Der WHO-Generaldirektor hat am 11.03.2020 die Situation zu Erkrankungen mit den neuartigen Coronaviren (COVID-19) zu einer Pandemie erklärt.
  • Die von der WHO hierzu empfohlenen Maßnahmen werden in Deutschland ohnehin umgesetzt.

Für tagesaktuelle Informationen zur Diagnostik und Therapie der COVID-19-Erkrankung steht Ihnen der kostenlose Beitrag auf Deximed.de zur Verfügung.

Autorin: Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München

  1. WHO: Coronavirus disease 2019 (COVID-19). Situation Report-58. Data as reported by national authorities by 18 March 2020* (letzter Zugriff 19.03.2020). www.who.int
  2. RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2. Stand 21.03.2020. (letzter Zugriff 21.03.2020). www.rki.de
  3. RKI: Neuartiges Coronavirus 2019-nCoV: Risikogebiete. Stand: 21.03.2020. (Letzter Zugriff 21.03.2020). www.rki.de
  4. JOHN P.A. IOANNIDIS. A fiasco in the making? As the coronavirus pandemic takes hold, we are making decisions without reliable data. Stat News. March 17, 2020. (letzter Zugriff am 19.03.2020) MARCH 17, 2020 www.statnews.com
  5. Qifang Bi, Yongsheng Wu, Shujiang Mei, et al. Epidemiology and Transmission of COVID-19 in Shenzhen China: Analysis of 391 cases and 1,286 of their close contacts. medRxiv 2020. ePub ahead of print and peer-review. doi: https://doi.org/10.1101/2020.03.03.20028423 www.medrxiv.org
  6. RKI. SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) Stand: 20.3.2020 (letzter Zugriff am 21.03.2020). www.rki.de
  7. WHO Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Situation Report – 25 Data as reported by 14 February 2020* (letzter Zugriff am 02.03.2020) www.who.int
  8. SARS-CoV-2: Kassenärztliche Vereinigung empfiehlt Selbstabstrich zu Hause. aerzteblatt.de. 09.03.2020 (letzter Zugriff am 10.03.2020) www.aerzteblatt.de
  9. RKI. Risikobewertung zu COVID-19. Stand 17.03.2020 (letzter Zugriff am 18.03.2020) www.rki.de
  10. European Centre for Disease Prevention and Control An agency of the European Union. COVID-19. Last update 19 March 2020. (Letzter Zugriff am 20.03.2020) www.ecdc.europa.eu
  11. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI erweitert die virologische Surveillance um SARS-CoV-2. Epid Bull: 2020; 9. Online-vorab 24. Februar 2020. www.rki.de

Bildquelle: © Getty Images/ ET-ARTWORKS

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