30. Januar 2019

9 Gründe, warum Männer früher als Frauen sterben

Dass Männer im Durchschnitt früher als Frauen sterben, ist kein Geheimnis. Doch woran liegt das? Und wie kann die Situation verbessert werden?

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag wird vertreten durch Prof. Dr. sc. med. Doris Bardehle, Koordinatorin des Wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Männergesundheit.

Männer: Höhere Sterberaten in allen Altersgruppen

Die schlechtere Gesundheit der Männer lässt sich an der um circa 5 Jahre geringeren Lebenserwartung verorten, die aus höheren Sterberaten in allen Altersgruppen resultiert. Das betrifft überhöhte Sterberaten bei kardiovaskulären Erkrankungen, beim Diabetes mellitus, bei Suiziden, Unfällen und beim Homizid.

Abb. 1: Vorzeitige Sterblichkeit. Todesfälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner unter 70 Jahren (ohne unter 1-Jährige).

Vorzeitige Sterblichkeit bezieht die Sterblichkeit der Altersgruppen von 1 bis unter 70 Jahre ein.
In den Bundesländern dagegen 0-64 Jahre. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sehen Sie auf der Abbildung 1. 2

9 Gründe für höhere Sterblichkeit bei Männern

Die Zielsetzung bis zum Jahr 2030 sieht vor, bei den Männern 190 Sterbefälle je 100.000 der männlichen Bevölkerung und bei den Frauen 100 je 100.000 der weiblichen Bevölkerung zu erreichen. Damit bleibt die vorzeitige Sterblichkeit der Männer fast doppelt so hoch wie die der Frauen. Doch welche Probleme und gesundheitliche Risiken führen dazu, dass Männer so häufig im jüngeren Alter versterben?

Hier sind die wichtigsten Gründe im Überblick:

  • Es versterben 3,4-mal mehr Männer bei Verkehrsunfällen als Frauen
  • 73% der Suizid-Todesfälle sind Männer
  • 4,6-mal mehr Männer als Frauen im Alter von 15-39 Jahren versterben durch Drogen
  • Doppelt so viele Männer wie Frauen erkranken an Lungenkrebs
  • Männer im Alter von 35-74 Jahren erleiden 3,4-mal häufiger einen Herzinfarkt als Frauen dieser Altersgruppe
  • Männer im Alter von 35-84 Jahren erleiden 1,65-mal häufiger einen Schlaganfall als Frauen dieser Altersgruppe
  • 65% der Männer mit Hypertonie sind in medizinischer Behandlung, bei den Frauen sind es 79%
  • 62% der Männer im Alter von 18-75+ sind übergewichtig oder fettleibig, bei den Frauen sind es 43%
  • Riskanter Alkoholgenuss betrifft 18,2% der Männer im Alter von 18 Jahre und älter, bei den Frauen sind es 13,8%.

Andererseits gibt es Indikatoren positiver Entwicklung von Gesundheitsfaktoren bei Männern:

  • Lebenserwartung: Die Lebenserwartung der Männer steigt schneller als die Lebenserwartung der Frauen.
  • Gesundheitszustand in den letzten Lebensjahren: Männer erleben die letzten 13 Lebensjahre unter eingeschränkter Gesundheit, Frauen dagegen 15,9 Jahre.
  • Rauchen: Der Anteil regelmäßiger Raucher ist bei Männern seit 1995 um über 7% auf gegenwärtig 22% gesunken.
  • Grippeimpfung: Männer im Alter von 65+ nehmen in 59,7% eine Grippeimpfung in Anspruch, Frauen in 57,7%.
  • Sport: Sportliche Aktivitäten von Männern (18-79 Jahre) sind auf 66,6% gestiegen (Frauen 67,9%). Das ist im EU-Vergleich eine beachtliche Spitzenstellung.
  • Herzinfarkte: Die stationäre Herzinfarktsterblichkeit (I21-I22) ist bei Männern 45+ von 7,3% im Jahr 2000 auf 5,1% im Jahr 2016 gesunken (bei Frauen von 6,7% auf 5,3%)
  • Schlaganfall: Die stationäre Schlaganfallsterblichkeit (I63-I64) der Männer 45+ ist von 4,5% im Jahr 2000 auf 2,6% im Jahr 2016 gesunken (bei Frauen von 4,3% auf 3,0%).
  • Pflegebedürftigkeit: Pflegebedürftigkeit ist bei Männern ab 75 Jahre in allen Altersgruppen geringer als bei Frauen.

Kein Action Plan für Männergesundheit in Deutschland

Die Stiftung Männergesundheit definierte mit einer Expertengruppe den Begriff Männergesundheit in einem modifizierten DELPHI-Verfahren. 5 Bezogen auf die männliche Bevölkerung gilt es, genderspezifisch, also unter Berücksichtigung des Bildungsstandes, Familienstandes, Migrationshintergrunds und Alters, nachhaltigen Einfluss auf die Verbesserung der gesundheitlichen Lage von Männern zu nehmen.

Wir haben in Deutschland keinen Action Plan für Männergesundheit, aber das Gesundheitspersonal hat die Möglichkeit, individuell auf die Gesundheit Einfluss zu nehmen.

Über die Stiftung Männergesundheit:
Männergesundheit rückt immer stärker in den Fokus von Gesundheitsforschung, Epidemiologie und Gesundheitspolitik. Im April 2013 hat sich eine Expertengruppe zusammengefunden, um auf der Grundlage von Kriterien für „Männergesundheit“ eine Definition zu erstellen und auf deren Basis Männergesundheit in Deutschland und in weiteren Ländern zu verbessern.

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  1. Baker P (2018) Men´s health: time for a new approach. Journal Physical Therapy Reviews. Eo. March 2018 online. DOI.org/10.1080/10833196.2018.1452562).
  2. Statistisches Bundesamt: Indikatorenbericht 2018 „Nachhaltige Entwicklung in Deutschland genommen”.
  3. Statistisches Bundesamt (2018): Gesundheitsberichterstattung der Laender, Indikator 3.5 des Indikatorensatzes der Länder.
  4. Landeszentrum für Gesundheit NRW (2018): Gesundheitsindikator 3.5 Vorzeitige Sterblichkeit (bis zum Alter von 64 Jahren) nach Geschlecht, Nordrhein-Westfalen, 1980, 1985, 1990, 1995, 2000-2017.
  5. Bardehle D, Dinges M, White A (2015) Was ist Männergesundheit? Eine Definition. Gesundheitswesen 2015; 77:e30-e39. DOI 10.1055/s-0035-1564077. Gesu 2015; 77:e30-e39).
  6. Schaeffer D, Hurrelmann K et al. (2018): National Action Plan Health Literacy. ComPart Verlagsgesellschaft Berlin, pp. 62).

Bildquelle: © istock.com/imtmphoto

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