Dauerhaft abspecken – so gelingt es am besten
Mit kurzfristigen Diäten ist es beim Kampf gegen Übergewicht und Adipositas meist nicht getan – häufig kehren die verlorenen Pfunde schnell zurück und oft wiegen die Menschen dann noch mehr als vorher. Nur durch eine langfristige Verhaltensänderung kann eine dauerhafte Gewichtsreduktion erreicht werden.1,2
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Redaktion: Maria Weiß
Langfristige Strategie nötig
Viele der stark Übergewichtigen haben schon zahlreiche Diätversuche hinter sich und sind durch den damit oft verbundenen Jo-Jo-Effekt frustriert. Deshalb müssen sich Patient und Behandler bei der Therapie der Adipositas klar machen, dass es sich um eine sehr langfristige Aufgabe handelt. Einen Überblick über die Strategien gibt eine CME-Fortbildung zur Verhaltenstherapie bei Adipositas von Sandra Becker und Stephan Zipfel. 1
Durch eine multimodale strukturierte Behandlung unter Einbeziehung von Fachdisziplinen wie Endokrinologie, Sportmedizin, Ernährungstherapie und ggf. auch Adipositaschirurgie sollte bei Adipositas Grad 1-2 (BMI 30-40 kg/m2) versucht werden, eine dauerhafte Gewichtsabnahme und eine Besserung der Komorbiditäten zu erreichen. Zum Basisprogramm gehören dabei die drei Hauptmodule Verhaltens-, Ernährungs- und Bewegungstherapie.
Unrealistischen Vorstellungen entgegenwirken
Bei der Verhaltenstherapie geht es vor allem darum, den Patienten an einen gesunden Lebensstil mit kalorisch angepasster Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität heranzuführen. Unrealistischen Vorstellungen zum raschen Gewichtsverlust sollte dabei entgegengewirkt werden. Primäres Behandlungsziel ist am Anfang eine moderate Gewichtsabnahme (0,5-1 kg/Woche, im Schnitt 5-10 % des Ausgangsgewichtes in einem Jahr) innerhalb von 6-12 Monaten mit nachfolgender dauerhafter Gewichtsstabilisierung ohne erneute Zunahme.
Um dieses Ziel zu erreichen, sollten ungünstige Denk- und Verhaltensmuster zusammen mit dem Patienten identifiziert und modifiziert werden. Psychoedukation über Folgen der Adipositas, Aufbau von Motivation, Förderung von Selbstbeobachtung (z.B. Ess- und Bewegungstagebücher, regelmäßiges Wiegen mit Gewichtskurve) und Stimuluskontrolle (wenig Essen zuhause haben, strukturierte Ess- und Einkaufpläne) gehören ebenfalls zum Programm.
Energiedefizit von 500 kcal pro Tag anstreben
Bei der Ernährungstherapie in der Abnehmphase sollte möglichst ein Energiedefizit von etwa 500 kcal/Tag erreicht werden. Ob dabei eher auf fettreiche oder kohlenhydratreiche Lebensmittel verzichtet wird, ist letztendlich egal. Für die Adhärenz ist es wichtig, Nahrungsmittelvorlieben und Wünschen des Patienten Rechnung zu tragen — sehr einseitige Diäten sollten allerdings vermieden werden.
Essverhalten und Essstruktur sollten thematisiert werden. Vor allem unkontrolliertes Essen zwischen den drei Hauptmahlzeiten gilt es zu vermeiden. Zusammen mit dem Patienten müssen auch praktische Probleme der neuen Ernährungsform wie Essen im Büro oder mit der Familie geklärt werden.
Zweieinhalb Stunden Ausdauersport in der Woche
Die dritte Säule ist die Bewegungstherapie. Empfohlen wird im Basisprogramm ein Ausdauertraining von mehr als 150 Minuten pro Woche. Dadurch nimmt man zwar nicht viel ab, steigert aber die körperliche Leistungsfähigkeit und wirkt der erneuten Gewichtszunahme entgegen. Zudem werden kardiovaskuläre und metabolische Begleiterscheinungen verbessert. Geeignete Bewegungsarten sind z.B. Nordic Walking, Ergometrie, Ausdauergymnastik, Schwimmen oder Laufen auf dem Laufband.
Damit sich die alten Gewohnheiten nicht nach und nach wieder einschleifen, müssen die gelernten Methoden zur Verhaltenskontrolle immer wieder rekapituliert werden, bis sie automatisiert ablaufen. Hierbei kann auch der Hausarzt eine wichtige Stütze sein.


