27. März 2020

Kommentar

Covid-19 auf Teneriffa: „Behandlung nur am Telefon“

Dr. Karl Gnadlinger arbeitet seit vielen Jahren auf den Kanarischen Inseln. Er berichtet über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Alltag und seine Zahnarztpraxis.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder. Redaktion: Christoph Renninger

Hohe Strafen bei Verstoß gegen Ausgangssperre

Die Situation hier auf Teneriffa ist ähnlich wie in Deutschland oder Österreich. Es wurde eine Ausgangssperre verordnet und die Menschen müssen zu Hause bleiben.  Dies wird auch über Lautsprecher bekannt gegeben. Man darf das Haus verlassen, um zu arbeiten, Einkäufe zu erledigen oder in die Apotheke zu gehen. Die Polizei und das Militär führen Kontrollen durch, und wer unterwegs ist, ohne einen Grund vorweisen zu können, muss mit hohen Strafen, bis zu 3000 Euro, rechnen.

Alle Hotels sind geschlossen und der Tourismus praktisch zum Erliegen gekommen. Da viele Menschen hier vom Tourismus leben, wird dies große wirtschaftliche Auswirkungen haben. Um die Situation zu stabilisieren bezahlt die Regierung derzeit da Gehalt von Menschen, die aufgrund der Pandemie arbeitslos wurden, weiter. Außerdem gibt es jetzt viele Steuer- und Sozialversicherungsbefreiungen für verschiedene Branchen. Auch bei Banken soll es die Möglichkeit die Rückzahlung von Kreditraten auszusetzen geben.

Wenn man einkaufen geht, muss man Schlange stehen und dabei zwei Meter Abstand halten, die größeren Supermärkte lassen maximal 60 Personen zum Einkauf hinein. Allerdings muss man sagen, in diesen Supermärkten wird auch sehr viel desinfiziert.

Es gibt nur noch ein oder zwei Mal am Tag einen Flug nach Madrid, Bilbao und Barcelona, man kann aber nicht mehr einreisen. Auch die Schifffahrt zwischen den Kanarischen Insel ist eingeschränkt, und man muss schriftlich vorweisen, weshalb man reisen möchte.

Diagnose und Behandlung nur telemedizinisch

Die Zahnarztpraxen auf den Inseln sind so gut wie alle geschlossen. Aufgrund der Empfehlung der Zahnärztekammer. Die Gefahr angesteckt zu werden, ist in Zahnarztpraxen sehr hoch., da wir mit Instrumenten arbeiten, die u.a. durch Druckluft die Viren in der Luft verteilen.

Ich darf noch in die Praxis fahren, auch wenn ich keine Patienten habe, um administrative Aufgaben zu erledigen oder eine telemedizinische Beratung anzubieten. Wenn Patienten anrufen, die Probleme oder Schmerzen haben, wird die Art der Beschwerden diagnostiziert und wir verschreiben am Telefon auch Rezepte. Notfallbehandlungen sind möglich. Ich darf allerdings entscheiden welche Behandlung man als Notbehandlung versteht. Das kann auch eine gebrochene Zahnprothese sein.

Für mich ist es relativ einfach Medikamente zu verordnen, da ich eine Apotheke des Vertrauens habe, in der man mich kennt.

Ich kann dort anrufen oder den Patienten in Apotheke bestellen, um das Medikament abzuholen. Ich selbst gehe dann gelegentlich dorthin und bringe das Rezept vorbei, welches die Apotheke benötigt. Dies werde ich weiterführen, bis es eine neue Anordnung gibt.

Viele ältere Menschen auf den Inseln

Zeitweise hatten wir auf Teneriffa doppelt so viele Leute, die bestraft wurden, weil sie unberechtigt aus dem Haus gingen, als nachgewiesen Infizierte. Es gab aber auch schon Todesfälle, hier auf den Inseln leben viele ältere Leute (über 80 Jahre), die meist auch Vorerkrankungen haben. Ich habe noch nicht gehört, dass hier ein zuvor gesunder Mensch gestorben sei.

Ich und meine Kollegen stellen aber auch fest, dass in der besonders stark betroffenen Region in China eine der weltweit größten Luftverschmutzungen besteht. Die meisten der Patienten litten bereits an Atemwegserkrankungen. Auch in Norditalien, wo derzeit leider viele Todesfälle auftreten, hat man eine der ältesten Bevölkerungen und eine große Luftverschmutzung. Das macht mich sehr nachdenklich.

Dr. Karl Gnadlinger ist Zahnarzt, Zahntechnikermeister und gerichtlich beeideter Sachverständiger. Seit 5 Jahren betreibt er seine eigene Praxis auf Teneriffa.

Bildquellen: © Getty Images/Balate Dorin ; privat

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