28. Januar 2020

Coronavirus 2019-nCoV: Was man darüber weiß – und was nicht

Lesedauer: 2,5 Minuten

Das neue Coronavirus breitet sich trotz der Gegenmaßnahmen der chinesischen Behörden aus. Weltweit versuchen Forscher, aus der noch jungen Entwicklung auf möglichst viele Eigenschaften des Erregers zu schließen. Was man weiß – und was nicht: 1

Coronaviren

Der Erreger 2019-nCoV zählt zu den Coronaviren – so benannt, weil sie von zackenartigen Strukturen umgeben sind, die einer Krone ähneln. Sieben Vertreter dieser Gruppe verursachen beim Menschen Atemwegserkrankungen. Von dreien davon ist bekannt, dass sie mitunter schwere Symptome auslösen: Beim ebenfalls aus China stammenden Sars-Virus (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) wurden 2002/2003 rund 8000 Fälle bekannt, etwa 800 Menschen starben. 2012 tauchte in Vorderasien das Mers-Virus (Middle East Respiratory Syndrome) auf. Es ist weniger ansteckend, aber aggressiver: Von rund 2500 Infizierten bis November 2019 starben knapp 860 – etwa jeder dritte. 2019-nCoV ist sehr eng mit Sars verwandt.

Infektiösität

Wie ansteckend das neue Virus ist, lässt sich bisher nur schwer beurteilen. Chinesische Behörden gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 2,5 Menschen ansteckt – das wäre ähnlich wie bei Sars. „Solche Zahlen sind extrem unzuverlässig”, sagt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Nach aktuellem Kenntnisstand ist eine Übertragung möglich, noch bevor Symptome auftreten.2

Aggressivität

Das neue Coronavirus scheint weniger aggressiv zu sein als Sars und Mers. Bis Dienstagmorgen starben mehr als 100 von rund 4500 Infizierten – das entspräche einer Sterberate von etwa 2 Prozent. Allerdings dürfte diese Zahl täuschen, denn gerade am Anfang eines Ausbruchs werden eher die schweren Fälle bekannt. Eine Mortalität um drei Prozent wäre nach Ansicht Drostens sehr viel. Der Experte geht davon aus, dass auch die für Sars gewöhnlich angegebenen zehn Prozent ein viel zu hoher Wert sind. „Vermutlich gab es damals viel mehr als die bekannten 8000 Sars-Fälle”, erläutert er.

Symptome

Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – beträgt 2 bis 14 Tage. Die Lungenerkrankung äußert sich durch Fieber, trockenen Husten, Abgeschlagenheit und Atemnot. Weil das Virus die unteren Atemwege infiziert, haben Betroffene keinen Schnupfen. Letztlich ähneln die Symptome denen einer Sars-Infektion, da das neue Virus am gleichen Rezeptor andockt. Der Test auf das Virus basiert meist auf der Analyse von Sputum und dauert etwa zwei Stunden.

Therapie

Eine spezielle Therapie für die Lungenerkrankung gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger sekundärer Infektionen und in schweren Fällen mechanischer Beatmung.

Prognosen

Manche Experten rechnen mit einem langen Ausbruch. „Wir sollten das als Marathon betrachten und nicht als Sprint“, sagte Chris Whitty, der die britische Regierung in Gesundheitsfragen berät. „Das Ausmaß und die Auswirkungen dieses Ausbruchs sind derzeit unklar, weil sich die Lage rapide entwickelt“, schrieb ein Team um Anthony Fauci von den US-Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) im Fachblatt „JAMA“. Der Virologe Drosten hingegen kann sich vorstellen, dass die Epidemie ähnlich schnell endet wie der Sars-Ausbruch, der schnell abflaute und 2004 für beendet erklärt wurde.

  1. dpa vom 28.01.2020
  2. Ärzteblatt: 2019-nCoV: Erste Bilder vom Virus und Erkenntnisse zum klinischen Verlauf. 27.01.2020

Bilquelle: © Getty Images/sittithat tangwitthayaphum

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