03. März 2020

Umfrage zu Covid-19: Ärzte fühlen sich im Stich gelassen

Über 1.000 Ärzte haben auf coliquio an einer Umfrage zur aktuellen Situation der Covid-19-Ausbreitung in Deutschland teilgenommen. Ihre Hauptkritikpunkte: das Vorgehen der Behörden und der Mangel an Schutzausrüstung.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Befragung der coliquio-Mitglieder.1 Redaktion: Christoph Renninger

Reaktion der Behörden unzureichend und zu langsam

Gerade einmal 17,1 % der Umfrageteilnehmer sind mit den getroffenen Maßnahmen gegen eine Covid-19-Ausbreitung zufrieden und fühlen sich umfassend informiert. Etwa die Hälfte der Ärzte ist hingegen der Ansicht, dass die Maßnahmen nicht ausreichen und die Reaktion der Behörden zu langsam erfolgte. Knapp 40 % sind der Ansicht, dass relevante Informationen nicht bei ihnen ankommen.

Über die Hälfte der Befragten gab an, dass es bereits jetzt an Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln fehle. Bei weiteren 30% geht der Vorrat langsam zur Neige. Nur bei 18,2% besteht momentan ein ausreichender Vorrat.

In nächster Zeit möchten die meisten Ärzte (59 %) Großveranstaltungen, wie z.B. auch medizinische Kongresse, meiden. Mehr als jeder fünfte Befragte ist sich noch unsicher. 18,9 % lassen sich nicht einschüchtern und planen eine Teilnahme.

Gemischte Ansicht über Klinikvorbereitung

Unter den 185 befragten Klinikärzten haben bislang 9,7 % Patienten mit Covid-19 in ihrem Haus behandelt. Bei 37,8 % handelte es sich bislang nur um Verdachtsfälle. Bei der Frage, ob ihre Klinik personell und organisatorisch auf eine Pandemie vorbereitet sei, bejahte dies ein Drittel der Kliniker. Einen Mangel an Fachpersonal sehen hingegen 37,8 %. Die übrigen Teilnehmer können die Situation derzeit nicht bewerten.

Notfallpläne sind in den meisten Kliniken (68,1 %) vorhanden, auch Schulungen für das Personal werden in über der Hälfte (57,8 %) der Krankenhäuser durchgeführt. Eine Verschiebung elektiver Eingriffe (9 %) oder eine Urlaubssperre (3,6 %) sind momentan noch die Ausnahme.

Wenige Verdachtsfälle, aber viele Probleme in der Praxis

755 der Umfrageteilnehmer sind in einer Praxis tätig. Der Großteil (80,3%) von ihnen hat in der vergangenen Woche keine Verdachtsfälle behandelt. Bei knapp einem Fünftel waren es zwischen 1 und 10 Fällen. Praxen mit mehr Verdachtsfällen sind die Ausnahme.

Nach Ansicht der Praxisärzte ist die mögliche Übertragung im Wartezimmer das größte Problem (70,1 %), gefolgt von Patienten, die sich nicht an die Empfehlungen halten (68 %). Auch Angst im Praxisteam und eine Vielzahl an Anrufen besorgter Patienten werden von je 45% als Probleme im Praxisalltag gesehen.

Die am häufigsten genannten Schutzmaßnahmen sind eine intensivierte Hygiene (74,9 %), ausführliches Informationsmaterial für das Praxisteam und die Patienten (56,5 %) und eine direkte Klinikeinweisung im Verdachtsfall (27,1 %). Lediglich 10,6 % der Praxen ergreifen keine speziellen Maßnahmen.

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