12. November 2021

Cola und Gesundheit: 5 interessante Fakten

Cola, als koffein- und kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk mit hohem Zuckeranteil, steht nicht im Ruf, Teil einer gesunden Ernährung zu sein. Doch welche Auswirkungen hat der Softdrink und wie kann Cola sogar therapeutisch eingesetzt werden?

Lesedauer: 3,5 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Cola und Medikamente: Achtung vor Wechselwirkungen

Zwei Eigenschaften von Cola-haltigen Getränken können auf verschiedenen Ebenen zu Interaktionen mit Medikamenten führen: Der Koffeingehalt und der saure pH-Wert aufgrund der enthaltenen Phosphorsäure.1

Koffein bindet u.a. als Antagonist an Adenosinrezeptoren (A1 und A2A), erhöht die Ausschüttung von Neurotransmittern in verschiedenen Gehirnbereichen und führt so zu stimulierenden psychomotorischen Effekten. Hierdurch entsteht ein Interaktionspotenzial mit psychiatrischen Medikamenten, sowohl mit stimulierender als auch mit sedierender Wirkung.

Außerdem besteht eine negative Korrelation zwischen Adenosin- und Dopaminrezeptoren, weshalb Wechselwirkungen mit dopaminergen Medikamenten ebenfalls möglich sind.

Auch die Pharmakokinetik kann durch Inhaltsstoffe von Cola beeinflusst werden, sei es bei der Absorption, der Metabolisierung oder der Ausscheidung. Eine Reihe von Fallberichten, Studien und Tierversuchen zeigen Wechselwirkungen von Cola, oftmals bei hohem Konsum, und diversen Medikamenten. Darunter sind:

  • Lithium,
  • Ibuprofen,
  • Clozapin,
  • Warfarin,
  • Carbamazepin,
  • Phenytoin.

Cola, Orangensaft und Stoffwechselerkrankungen

Eine Studie von Stuttgarter Forschenden untersuchte den Einfluss von Cola (ohne Koffein) und Orangensaft auf das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Gicht.2 Die 26 gesunden erwachsenen Probanden tranken für 2 × 2 Wochen je eines der Getränke (3 x täglich, Nahrungsaufnahme ad libitum).

Bei beiden untersuchten Gruppen zeigten sich keine Auswirkungen auf das Körpergewicht, das fäkale Mikrobiom und die Insulinsensitivität. Unter Cola-Konsum veränderten sich die Harnsäurewerte nicht, in der Orangensaft-Gruppe nahmen diese aufgrund einer erhöhten Ausscheidung jedoch ab.

Bei mehrmals täglichem Cola-Konsum kam es zu höheren Blutzuckerwerten im Laufe des Tages, einer erhöhten Glukosevariabilität und einer verminderten 24-Stunden-Insulinsekretion, welche möglicherweise durch niedrige Kaliumwerte im Blut erklärt werden kann.

Cola und Hypokaliämie: Potenziell schwere Auswirkungen

Der erste Bericht einer Cola-induzierten Hypokaliämie stammt aus dem Jahr 1993, es folgten einige weitere, oftmals bei schwangeren Frauen.3,4 In den Berichten traten vor allem muskuläre Beschwerden auf, bei meist hohem täglichem Cola-Konsum. Die niedrigen Kaliumwerte waren nicht auf andere Ursachen zurückzuführen und besserten sich rasch nach Beendigung des Colatrinkens und einer Kaliumsupplementierung.

Auslöser der Hypokaliämie können dabei drei Mechanismen sein, welche durch Inhaltsstoffe von Cola ausgelöst werden: Glukose, Fruktose und Koffein. Bei der Glukose-induzierten Hypokaliämie kommt es zu osmotischer Diurese und erhöhter Kaliumausscheidung über den Urin. Hohe Mengen an Fruktose können zu Diarrhoe führen und einen Mangel an Kalium verursachen. Koffein hingegen kann zu einer Kaliumaufnahme in Zellen und einer erhöhten renalen Exkretion führen.

Eine chronische Hypokaliämie kann zur Entwicklung von schweren Komplikationen, wie Arrhythmien führen, ebenso zu Fatigue, Muskelschwäche, Lähmungen und weiteren Myopathien.

Cola als Hilfsmittel bei verschluckten Nahrungsmitteln

Bleiben Nahrungsmittel in der Speiseröhre stecken und ist eine Endoskopie, die leitliniengerechte Behandlung, nicht möglich, kann Cola eine einfache und günstige Alternativmethode sein.

Ein Übersichtsartikel berichtet von 19 Menschen, bei denen eine Notfallmäßige Cola-Intervention durchgeführt wurde, in den meisten Fällen war Fleisch für die Verstopfung der Speiseröhre verantwortlich.5 Bei 59 % konnte die Ösophagusobstruktion vollständig aufgelöst werden. Nebenwirkungen traten dabei keine auf.

Cola wird schon seit Jahrzehnten als Behandlungsoption bei einem Nahrungsbolus diskutiert, insbesondere wenn andere Methoden nicht verfügbar sind und der Fall akut ist. Wie genau Cola hier wirkt ist noch unklar, diskutiert werden eine Auflösung des Bolus durch die Kohlensäure oder eine Relaxation der Speiseröhre, welche die Passage erleichtert. Auch eine Verminderung des Drucks im unteren Ösophagussphinkter wurde nachgewiesen.

Süchtig nach Cola: Ein Fallbericht

Im ersten in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlichen Fall von Cola-Abhängigkeit handelte es sich um eine 40-jährige Frau aus Dänemark, die unter wiederkehrenden Depressionen litt.6  

Immer wenn die Patientin sich niedergeschlagen fühlte, trank sie Cola, um mehr Energie zu haben. Im Verlauf von sieben Jahren verstärkten sich die depressiven Symptome und ihr Hausarzt verordnete Antidepressiva. Aufgrund einer schweren depressiven Episode wurde die Frau in eine psychiatrische Klinik aufgenommen.

Bei der Aufnahme berichtete sie von chronischer Müdigkeit, Energiemangel, Konzentrationsproblemen, Einschlafschwierigkeiten und Schlafstörungen. Täglich trank sie etwa 3 Liter Cola. Auch ein metabolisches Syndrom lag vor.

Die Frau erfüllte die ICD-10-Kriterien einer Sucht, ihr Wert auf der Yale Food Addiction Skala (YFAS) lag bei 40. Im Verlauf einer kognitiven Verhaltenstherapie konnte sie ihren Cola-Konsum auf 200 ml am Tag reduzieren. Ihre Konzentrationsfähigkeit besserte sich und sie fühlte sich geistig und körperlich besser.

Am Ende der Therapie lag der YFAS bei 0, sie war mental stabil und benötigte keine Antidepressiva mehr. Die Frau hatte zudem 7,2 kg an Gewicht verloren und das metabolische Syndrom war wieder verschwunden.

  1. Nomani H et al. Drug interactions of cola-containing drinks. Clinical Nutrition 2019; 28(6): 2545-2551
  2. Büsing F et al. High intake of orange juice and cola differently affects metabolic risk in healthy subjects. Clinical Nutrition 2018; 38(2): 812-819.
  3. Matsunami K et al. Hypokalemia in a pregnant woman with long-term heavy cola consumption. Int J Gynaecol Obstet 1994; 44: 283–4.
  4. Tsimihodimos V et al. Cola-induced hypokalaemia: pathophysiological mechanisms and clinical implications. The International Journal of Clinical Practice 2009; 63(6): 900-902.
  5. Baerends EP et al. Cola therapy for oesophageal food bolus impactions a case series. African Journal of Emergency Medicine 2019; 19(1): 41-44.
  6. Kromann CB & Nielsen CT. A case of cola dependency in a woman with recurrent depression. BMC Research Notes 2012; 5: 692.

Bildquelle: © Getty Images/Daniel Mazilu

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