30. Januar 2019

Blut im Urin: Was steckt dahinter?

Berichtet Ihr Patient von blutigem Urin, sollten Sie hellhörig werden. Denn dies könnte viele Ursachen haben – auch schwerwiegende, wie beispielsweise ein Harnblasenkarzinom.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel der Zeitschrift MMW – Fortschritte der Medizin.1 Redaktion: Talina Weber

Was sind mögliche Ursachen für Blut im Urin?

Ein blutiger Urin kann entstehen durch:

  • Entzündungen der Blase, Harnröhre, Niere und Prostata,
  • Verletzungen der Niere, Blase und Harnwege,
  • Blasen-, Harnleiter- und Nierensteine,
  • Tumore wie Blasen-, Harnröhre-, Harnleiter-, Nieren- und Prostatakrebs,
  • Erkrankungen der Prostata, z.B. gutartige Prostatavergrößerung, Prostatavarizenblutung,
  • Erkrankungen der Nieren, z.B. Bilharziose, Nierenvenenthrombose, -zysten, -papillennekrose sowie Nierentuberkulose,
  • bestimmte Medikamente wie Blutgerinnungshemmer, Antibiotika und Schmerzmittel,
  • hämatologische Krankheiten wie Anämien und Polyglobulien,
  • Kontamination mit dem Menstruationsblut,
  • Endometriose,
  • Blutgerinnungsstörungen,
  • System- und Autoimmunerkrankungen, z.B. systemischer Lupus erythematodes, Panarteriitis nodosa und das Goodoasture-Syndrom.2

Die Farben des Urins und ihre Bedeutung
Urinuntersuchungen haben eine lange Geschichte in der Medizin. Bereits die Farbe kann einiges über den Gesundheitszustand verraten. Lesen Sie hier mehr über die Farben des Urins und ihre Bedeutung.

Im Folgenden wird der Fokus auf dem Harnblasenkarzinom als Ursache für Blut im Urin liegen, bei dem besondere Vorsicht und Abklärungsbedarf gelten.

Harnblasenkarzinom: Makro- und Mikrohämaturie als Leitsymptome

Da Makrohämaturie und rezidivierende Mikrohämaturien zu den führenden Symptomen eines Harnblasenkarzinoms zählen, sollten sie beim Auftreten als mögliche Folge eines Tumors eingestuft und weiter abgeklärt werden. Zudem können unspezifische Reizsymptome wie Pollakisurie, Drangsymptomatik oder Dysurie auf ein Harnblasenkarzinom hinweisen.1

Harnblasenkarzinom: Bekannte Risikofaktoren

Etwa drei Viertel der Harnblasenkarzinom-Patienten sind männlich. Die Prävalenz nimmt mit dem Alter zu, sodass das Durchschnittsalter bei 65 bis 72 Jahren liegt.1

Das Risiko für die Entwicklung eines Harnblasenkarzinoms erhöhen:

  • Zigarettenkonsum: Bei Männern, die 20 bis 29 Zigaretten pro Tag über einen Zeitraum von zehn bis 19 Jahren bzw. von 20 bis 29 Jahren konsumieren, ist das Risiko, an einem Harnblasenkarzinom zu erkranken, 2,1-fach bzw. 3,6-fach erhöht.1 Eine große retrospektive Studie in den USA hat gezeigt, dass kumulativer Zigarettenkonsum mit einem höheren Tumorstadium (p < 0,001), mit Lymphknotenmetastasen (p = 0,002), mit einer erhöhten Rezidiv-Wahrscheinlichkeit (p < 0,001), mit verringertem krebsspezifischen Überleben (p = 0,001) und erhöhter Gesamtmortalität (p = 0,037) einhergeht.3
  • die Exposition gegenüber bestimmten aromatischen Aminen: Bei Berufen in der Stahl- und Lederindustrie sowie im Friseursalon kann der Kontakt mit bestimmten kanzerogenen Stoffen wie Benzidin und Auramin erfolgen.1
  • eine vorangegangene Strahlentherapie: In einer auf 13 Bevölkerungskrebsregistern beruhenden Studie stieg das Risiko, an einem strahlentherapeutisch bedingten Harnblasenkarzinom zu erkranken, mit einer Latenzzeit von mehreren Jahren kontinuierlich. Nach einer Latenzzeit von ein bis neun Jahren wurde das 2,7-Fache, nach 20 bis 29 Jahren das 4,1-Fache und nach mindestens 40 Jahren das 5,8-Fache der erwarteten Fälle festgestellt (alle p < 0,05).4
  • chronische Entzündungen: In einer schwedischen Studie mit 60.000 Patienten mit Nieren- sowie Harnleitersteinen wurde ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Harnblasenkarzinoms festgestellt. Dieses Risiko war bei Frauen 4,2-fach erhöht.6
  • bestimmte Medikamente: Die Arzneimittel Chlornaphazin zur Behandlung von Polyzythämie, Cyclophosphamid zur Behandlung von Krebs und schweren Autoimmunerkrankungen, Phenazetin zur Schmerzbehandlung und Fiebersenkung sowie Aristolochiasäure in Stärkungsmitteln können die Entstehung eines Harnblasenkarzinoms begünstigen.5

Diagnostik und endoskopische Therapie

Bei Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom eignen sich diese Untersuchungen:

  • der Urinmarkertest,
  • die Ultraschalluntersuchung,
  • die Harnblasenspiegelung sowie
  • die bildgebende Diagnostik beim nicht-muskelinvasiven Harnblasenkarzinom.

Im Rahmen der Untersuchung sollte ein Urinsediment zur weiteren Abklärung der Hämaturie erfolgen. Zusätzlich kann eine Zytologie aus frischem Urin zur Diagnose von aggressiven Tumorformen (high grade) beitragen. Die Diagnose sollte immer von einem Urologen bestätigt werden.1

Wird die Diagnose Harnblasenkarzinom gestellt, kann dieser über ein Resektoskop in Allgemein- oder Spinalanästhesie abgetragen werden. Abhängig von der Größe des Karzinoms erfolgt die Abtragung in mehreren Fraktionen.1 Neue Studien untersuchen die Abtragung en bloc, um eine Tumorzellaussaat zu verringern. Vorteile dieses en-bloc-Verfahrens sind die verbesserte Gewebebeurteilung sowie die Möglichkeit, einen Tumor pathologisch als R0 bzw. R1 einzustufen.1,7

Fazit: Verdacht auf Harnblasenkarzinom

  • Zigarettenkonsum, chronische Erkrankungen, vorangegangene Strahlentherapien, bestimmte Medikamente wie Chlornaphazin und eine Exposition gegenüber bestimmten aromatischen Aminen können die Entwicklung eines Harnblasenkarzinoms begünstigen.1,5
  • Jede Makro- und rezidivierende Mikrohämaturie sollten von einem Urologen weiter abgeklärt werden.1
  • Der Urologe sollte die möglichen Ursprungsorte einer vorliegenden Hämaturie mithilfe einer Sonografie und einer Harnblasenspiegelung untersuchen. Sind diese Untersuchungen unauffällig, sollte ein CT oder MRT des oberen Harntrakts erfolgen.1
  • Ein Harnblasenkarzinom sollte über ein Resektoskop oder mit einem modernen en-bloc-Resektionsverfahren abgetragen werden. Die histologische Untersuchung entscheidet über das weitere therapeutische Vorgehen.1

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  1. Karl A. Blut im Urin! Das müssen Sie unbedingt abklären. MMW. Fortschritte der Medizin. Fortbildung. Schwerpunkt 2018; 21-22: 43-46.
  2. Aycock RD & Kass DA. Abnormal Urine Color. Southern Medical Journal 2012; 105(1): 43-47.
  3. Rink M et al. Impact of smoking and smoking cessation on outcomes in bladder cancer patients treated with radical cystectomy. European Urology, 2013; 64(3): 456-464.
  4. Anil K et al. Second cancers among 104760 survivors of cervical cancer: evaluation of long-term risk. Journal of the National Cancer Institute. 2007; 99(21): 1634-1643.
  5. Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms. November 2016. Langversion 1.1.
  6. Chow WH et al. Risk of urinary tract cancers following kidney or ureter stones. Journal of the National Cancer Institute. 1997; 89(19): 1453-1457.
  7. Herrmann TR et al. Transurethral en bloc resection of nonmuscle invasive bladder cancer: trend or hype. Current Opinion in Urology. 2017; 27(2): 182-190.

Bildquelle: © iStock.com/atakan

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