30. April 2021

Arztphobie

Tipps für den Umgang mit Angstpatienten

Neben einer fundierten fachlichen Ausbildung ist für Ärzte eine Sache ganz besonders wichtig: Einfühlungsvermögen. Kein Patient kommt mit einem guten Gefühl in die Praxis, jeder Patient soll aber – nach Möglichkeit – die Praxis mit einem guten Gefühl verlassen. Ganz besonders gefragt ist dies bei Angstpatienten.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag wird vertreten vom Portal arztphobie.com

Großer Erfahrungsschatz bei Zahnärzten

Der Umgang mit Angstpatienten bringt einige Herausforderungen mit sich. Wer darin nur wenig Erfahrung hat, stößt eventuell schnell an seine Grenzen. Für die eingehende Auseinandersetzung mit den spezifischen Phobien des jeweiligen Patienten fehlt oftmals die Zeit. Da ist es gut, über ein Set an Strategien zu verfügen, über ein gewisses Portfolio an Handlungsweisen.

Besonders die Kollegen aus der Zahnmedizin können hier als umfangreiche Inspirationsquelle dienen, zählt die Angst vorm Zahnarzt doch zu den am meisten verbreiteten Phobien in Deutschland.

Die fünf Phasen der Patientenbetreuung

Wer als Arzt auf der Suche nach Tipps für den Umgang mit Angstpatienten ist, der wird hoffentlich im vorliegenden Artikel fündig. Grundsätzlich kann der komplette Ablauf in fünf Phasen eingeteilt werden. Jede einzelne Phase birgt spezielle Herausforderungen:

Terminvereinbarung

Meist ein Punkt, der im stressigen Ordinationsalltag nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die er im Fall von Angstpatienten eigentlich braucht. Wichtig ist, eine Beziehung aufzubauen. Aktives Zuhören, sich wirklich auf den Patienten einlassen, ihn in den Mittelpunkt stellen, Verständnis zeigen.

Je professioneller, wertschätzender und entspannter die Kommunikation abläuft, desto besser. Patienten machen sich durch die Schilderung ihrer Beschwerden verletzlich. Sie müssen sich öffnen, obwohl sie das in der Regel gar nicht möchten. Wird dieser Mut anerkannt, senkt das den Stresspegel deutlich.

Fragebogen

Dient zum Abstecken eines gewissen Handlungsrahmens. Wie steht es um die psychischen und sozialen Eigenheiten des Patienten? Wie ausgeprägt ist die Angst? Wie groß ist die Motivation, die Beschwerden zu behandeln? Gibt einen groben Überblick über den Menschen, mit dem es der Arzt zu tun hat.

Erstgespräch

Vertiefen des Wissens über den Patienten. Sollte auf keinen Fall zwischendurch stattfinden, deshalb ist es wichtig, genügend Zeit (20-30 Minuten) einzuplanen. Ebenfalls von elementarer Bedeutung: Das Gesprächssetting. Im Idealfall findet es in einem klar von Wartezimmer und Behandlungsraum abgegrenzten ruhigen Zimmer statt.

Zu vermeiden gilt es: Das Erstgespräch auf etwaigen Behandlungsstühlen führen! So entsteht eine Situation, in der sich Patienten ausgeliefert fühlen und deshalb blockieren. Der Stresslevel schießt wieder in die Höhe.

Untersuchung

Wenn möglich – und erwünscht! – visuelle Unterstützung. Damit sich der Patient selbst ein Bild davon machen kann, was gerade abläuft. Danach folgt eine offene und umfassende Besprechung der Befunde. Sollte das zeitlich nicht sofort möglich sein, einen separaten Termin zur detaillierten Befundbesprechung festlegen. Diesen so zeitnah wie möglich ansetzen.

Behandlung

Wichtig ist, nicht zu viel Zeit zwischen Untersuchung und Behandlung verstreichen zu lassen. Vor der Behandlung nochmals den Status Quo erklären, dabei keine Aspekte ausklammern. Absolute Ehrlichkeit! Wortwahl an den Patienten anpassen, nicht zu viel Fachbegriffe verwenden. Ist Verwirrung deutlich zu sehen, unbedingt nachfragen und gegebenenfalls in noch einfacheren Worten erklären. Zudem noch vor Beginn der Behandlung unbedingt ein Ziel festlegen.

Während der Behandlung selbst fühlen sich manche Patienten besser, wenn sie sich ablenken können. Beispielsweise durch die Lieblingsmusik oder eine Folge der Lieblingsserie auf einem Tablet/Mobiltelefon. Andere Patienten wiederum wollen auf keinen Fall abgelenkt werden, da sie sonst das Gefühl haben, Kontrolle abgeben zu müssen.

Sind mehrere Sitzungen nötig, ist es ratsam, die ersten Einheiten möglichst kurz zu halten. So wird der Patient nicht überfordert und kann sich an die Situation gewöhnen. Die „überstandene“ Einheit gibt das Gefühl, etwas vollbracht, etwas geschafft zu haben. Der Arztbesuch wird somit automatisch mit etwas Positivem verbunden, die Hemmschwelle sinkt, die Angst vor dem nächsten Besuch wird deutlich gelindert.

Als Nachschlagewerk zu Patientenphobien ist das Portal arztphobie.com zu empfehlen. Gründer Jörg Keller sammelt dort mit Kollegen aus dem Journalismus und der Biologie Informationen zu allen möglichen Phobien im Zusammenhang mit Angst- oder Schambehafteten Themen.

Bildquelle: © Getty Images/SIphotography

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