11. Juni 2021

Anaphylaxie durch Medikamente: Die Top 10 der Auslöser

Die Medikamenten-induzierte Anaphylaxie ist eine bekannte und gefürchtete, da potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung bestimmter Arzneimittelklassen. US-Forscherinnen und Forscher haben die FDA-Nebenwirkungsdatenbank (FAERS) der vergangenen 20 Jahre analysiert und die häufigsten Auslöser identifiziert.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Fachzeitschrift The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice.1 Redaktion: Christoph Renninger

20 Jahre im Rückblick

Das öffentlich zugängliche Nebenwirkungsmeldesystem der FDA führte für den Zeitraum von 1999-2019 insgesamt 17.506.002 Nebenwirkungen von Medikamenten auf. Davon waren 47.596 Anaphylaxien (0,27%). Die Betroffenen waren im Median 52 Jahre alt und zu 62,71% weiblich. Ca. 40% der Fälle ereigneten sich in den USA. In 2.984 Fällen (6,28%) endete die Anaphylaxie tödlich.

Abb.1 Top 10 Medikamente mit Anaphylaxie als Nebenwirkung

An der Spitze der Medikamente, welche am häufigsten zu einer Anaphylaxie führten, stehen der humanisierte monoklonale Antikörper gegen Immunglobulin E Omalizumab (2079 gemeldete Anaphylaxien), gefolgt vom Narkotikum Propofol (1613 Fälle) und dem chimären monoklonalen Tumor-Nekrose-Faktor α-Antikörper Infliximab (1559 Fälle) (Abb.1).

Zählt man jedoch die Berichte für das Antibiotikum Amoxicillin und Amoxicillin/Clavulansäure zusammen, würde dieses die Spitze mit 2096 Fällen übernehmen.

Antibiotika am häufigsten, aber Antikörper auf dem Vormarsch

Abb.2 Top 8 der Anaphylaxie-assoziierten Medikamentenklassen

Beim Blick auf die Wirkstoffklassen im Zusammenhang mit einer Anaphylaxie liegen Antibiotika mit einem Anteil von 14,87% auf dem Spitzenplatz. Der Höhepunkt wurde im Jahr 2008 mit einem Anteil von 26,53% erreicht, zurückzuführen auf 275 Moxifloxacin-induzierte Anaphylaxien (Abb.2).

An zweiter Stelle folgen monoklonale Antikörper, welche bei 13,06% der Fälle als Auslöser wirkten. Allerdings zeigte sich für diese Medikamentengruppe ein enormer Anstieg. Während sie im Jahr 1999 nur für 2% der Anaphylaxien verantwortlich waren, machten sie im Jahr 2019 17,37% aus.

Auf den weiteren Plätzen folgen nichtsteroidale Antirheumatika & Paracetamol (8,83%) und intraoperative Medikamente (8,59%), wie etwa Propofol, Rocuronium oder Fentanyl.  

Die Situation in verschiedenen Ländern

Neben den USA gingen vor allem aus 5 weiteren Ländern Meldungen in die Datenbank ein (Frankreich, Vereinigtes Königreich, Japan, Kanada, Deutschland). Auch in Kanada und Deutschland machten monoklonale einen großen Teil der Anaphylaxien aus. Hingegen kamen in den beiden Ländern keine intraoperativen Medikamente in den Top 10 vor. Dies war jedoch in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Japan der Fall. Japan war zudem das einzige Land, für das Kontrastmittel und Platin-basierte Chemotherapeutika unter den 10 häufigsten Auslösern waren.

Abb.3 Top 10 der Anaphylaxie-auslösenden Medikamente in Deutschland

An erster Stelle in Deutschland steht das Antibiotikum Cefuroxim mit 109 Meldungen, gefolgt von Infliximab (65 Fälle) und humanen IgG-Antikörpern (56 Fälle) (Abb.3). In Frankreich war hingegen Propofol (766 Meldungen) auf dem Spitzenrang, im UK war es Amoxicillin/Clavulansäure (287 Fälle). Oxaliplatin war mit 119 Fällen die häufigste Anaphylaxie-Ursache in Japan, in Kanada das Krebsmedikament Methotrexat (399 Berichte).

Todesfälle nach Anaphylaxie

Abb.4 Top 10 der Medikamente mit tödlicher Anaphylaxie

Mit einem Anteil von 0,01% der FAERS-Meldungen sind Todesfälle durch eine Anaphylaxie sehr selten. Das mediane Alter der Betroffenen lag bei 60 Jahren, etwa die Hälfte (50,19%) war weiblich. Insgesamt konnten 56 Medikamente identifiziert werden, die mit mindestens 20 Todesfällen in Verbindung stehen. (Abb.4)

Abb.5 Top 6 Medikamente mit höchstem Anteil tödlicher Anaphylaxien

Bei insgesamt 6 Medikamenten endeten mehr als 20% der anaphylaktischen Reaktionen tödlich, am häufigsten war dies bei bei dem Kontrastmittel Iopamidol der Fall (29,17% der Anaphylaxien endeten tödlich). (Abb.5) 4 von ihnen zählten jedoch nicht zu den Top 50 der Medikamente, die am häufigsten eine Anaphylaxie auslösen.

Abb. 6 Top 8 der Medikamentenklassen mit tödlicher Anaphylaxie

Die Wirkstoffklasse mit den meisten Todesfällen nach einer Anaphylaxie waren Antibiotika, welche für 20,84% der Verstorbenen verantwortlich waren. An zweiter Stelle rangierten Kontrastmittel mit 12,13%, danach folgten intraoperative Medikamente (11,86%). Monoklonale Antikörper machten nur einen geringen Anteil aus (5,7%), dieser stieg in den vergangenen Jahren jedoch stetig an. (Abb.6)

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  1. Yu RJ et al. Emerging Causes of Drug-Induced Anaphylaxis: A Review of Anaphylaxis-Associated Reports in the FDA Adverse Event Reporting System (FAERS). The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice 2021; 9(2): 819-829.e2

Bildquelle: © Getty Images/AlexanderFord

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