21. Mai 2021

Deutscher Ärztetag 2021

Ärztetag diskutiert assistierten Suizid, Digitalisierung, Covid-19 und mehr

Digitalisierung, ÖGD und die Folgen des Lockdowns für Kinder – neben den großen Themen des assistierten Suizids und der Musterweiterbildungsordnung diskutierten die Delegierten des 124. Deutschen Ärztetages eine Reihe aktueller gesundheitspolitischer Themen.1

Lesedauer: 3,5 Minuten

Realistischer Zeitplan bei der Digitalisierung

Digitalisierung – ja, aber nicht unter dem Druck von Sanktionen. Ärztinnen und Ärzte sollen keine Strafen fürchten müssen, wenn die digitalen Anwendungen etwa in Praxen nicht fristgerecht eigeführt werden, das hat der 124. Deutsche Ärztetag gefordert. Bereits zu Beginn der Veranstaltung hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zugesichert, dass es keine Sanktionen geben werde, wo die verzögerte Einführung nicht an den Ärzten lag.

Die Delegierten traten bei der Digitalisierung trotz dieser Zusicherung auf die Bremse und forderten, die Einführung des E-Rezepts und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) um mindestens 12 Monate zu verschieben. Werde zu schnell digitalisiert, könnten dadurch „notwendige Testungen zur Praktikabilität wie auch zur Patientensicherheit unterbleiben“, so die Delegierten.

Auch ohne die pandemiebedingte hohe Belastung der Arztpraxen seien die zeitlichen Vorgaben des Gesetzgebers unrealistisch. Mit diesen bestehe die Gefahr, „dass Anwendungen unzureichend getestet und somit unausgereift, also potenziell patientengefährdend, eingeführt werden, um Fristen zu halten und Sanktionen zu vermeiden“, so der Ärztetag.

Novellierung der Approbationsordnung

Anders als bei der Digitalisierung machten Delegierten bei der Novelle der Approbationsordnung Tempo. Sie forderten die Bundesregierung und den Bundesrat auf, die Novellierung schnell zu beschließen. Obwohl der seit November 2020 vorliegende Referentenentwurf noch nachgebessert werden müsse, sei er doch ein „wegweisender Entwicklungsschritt“ für die ärztliche Ausbildung, so der Ärztetag. Bund und Länder müssten nun zügig ein Finanzierungskonzept für die Reform vorlegen. Sparmaßnahmen dürften nicht zu Lasten der medizinischen Ausbildung beziehungsweise des ärztlichen Nachwuchses gehen, hieß es.

Außerdem sollen die angehenden Medizinerinnen und Mediziner im praktischen Jahr (PJ) endlich eine „obligatorische existenzsichernde Aufwandsentschädigung“ erhalten, so die Delegierten. Den PJ´lern müsse die Möglichkeit gegeben werden, sich während des PJ ganz auf die Ausbildung zu konzentrieren. „In Ausbildungsberufen ist das bereits die Regel, ebenso bei Rechtsreferendaren im juristischen Vorbereitungsdienst“, heißt es in dem Beschluss des Ärztetages.

Zudem forderte der Ärztetag, dass sich alle medizinischen Fakultäten am bundesweiten PJ-Portal beteiligen. Es sei Medizinstudierenden nicht zu vermitteln, weshalb ihre PJ-Bewerbung in manchen Lehrkrankenhäusern digital möglich sei und in anderen nicht. „Dieser Flickenteppich muss durch die einheitliche Lösung des PJ-Portals ersetzt werden“, so der Ärztetag.

Abermals nahm der Ärztetag den Ärztemangel in den Blick. Nur eine moderne Ausbildung von hoher Qualität könne den ärztlichen Nachwuchs locken. Die Bundesländer seien gefordert, ausreichend Medizinstudienplätze zu schaffen.

Den ÖGD stärken

Die Corona-Krise habe die Mängel des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) offenbart, so die Delegierten. Es fehle Personal und technische Ausstattung. Die Amtsärzte hätten durch ihr enormes persönliches Engagement gleichwohl „Herausragendes“ geleistet. Nun forderten die Delegierten des Ärztetages, dass der von Bund und Ländern geschlossene Pakt für den ÖGN rasch umgesetzt werde.

Zudem müssten die einzelnen Gesundheitsämter durch eine zentrale Stelle koordiniert und untereinander digital vernetzt werden, auch mit dem Robert Koch-Institut. Durch solch eine bessere Ausstattung sollen auch mehr Ärzte in den ÖGD gelockt werden. Das wird dringend nötig sein. Denn die Delegierten forderten auch: „Die ärztliche Leitung aller Gesundheitsämter in Deutschland ist zu gewährleisten!“

Die Folgen des Lockdowns – vor allem auf Kinder – erforschen

Welche Folgen haben die Lockdowns für die medizinische Akutversorgung? Für die Gesundheitsvorsorge? Der Ärztetag fordert, die „Kollateraleffekte“ der Eindämmungspolitik gegen das Coronavirus zu evaluieren. Vor allem Kinder seien von den Einschränkungen betroffen. „Es geht dabei nicht nur um entstandene schulische Bildungsdefizite, sondern mehr noch darum, dass viele Kinder wichtige Entwicklungsphasen in sozialer Isolation erlebt haben“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt.

Außerdem müsse eine COVID-19-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche her, so die Delegierten. Das Recht auf Bildung könne im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen Corona-Impfung gesichert werden, hieß es. Darum sollen Impfstoffe für Kinder und Jugendliche intensiver beforscht werden.

Medizinische Berufsgruppen belohnen

So sehr die Ärztinnen und Ärzte die Hauptakteure in der Bekämpfung der Corona-Krise sind, so sehr brauchen sie nach Ansicht der Ärztetag-Delegierten auch psychosoziale Unterstützung. Deshalb sollen die Krankenkassen zusammen mit der Ärzteschaft „konkrete Unterstützungsangebote“ zum Erhalt der psychischen Gesundheit von Ärztinnen und Ärzte erarbeiten.

Wie die Pflegekräfte in den Krankenhäusern auch sollten die Medizinischen Fachangestellten sowie die Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern eine Corona-Prämie erhalten, forderten schließlich die Delegierten. Sie hätten ein „öffentliche Anerkennung ihrer systemrelevanten Leistungen“ verdient.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape erschienen.

Titelbild: © Getty Images / fizkes

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