05. Juli 2019

Facebook, Twitter & Co.

Ärzte in Sozialen Medien: So umgehen Sie Stolperfallen

Für viele Menschen gehören Soziale Netzwerke inzwischen zur zentralen Nachrichtenquelle. Daher setzen auch immer mehr Ärzte auf Facebook & Co. Doch gerade für sie gilt es, mögliche Stolperfallen zu kennen. Mit diesen Tipps gehen Sie auf Nummer sicher.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag beruht auf einer Handreichung der Bundesärztekammer und Empfehlungen der European Association of Urology. Redaktion: Marc Fröhling

Professionelles Verhalten in Sozialen Medien

Aussagekräftiges Profil: Die Grundlage für einen gelungenen Auftritt in den Sozialen Medien bildet ein aussagekräftiges digitales Profil, das im Einklang mit den realen Eigenschaften und Zielen steht. Vor der aktiven Partizipation gilt es, das Netzwerk zu erkunden und sich als passiver Nutzer ein Bild vom Verhalten der anderen Teilnehmer zu machen. Erst nachdem sich ein Gefühl für die Umgangsformen auf der Plattform entwickelt hat, sollte mit eigenen Interaktionen begonnen werden.1

Dass professionelles Verhalten auch im Internet ein Muss ist, zeigt unter anderem diese Studie der kanadischen University of Guelph. Demnach reicht nur ein einziger Kommentar im Facebook-Profil eines Mediziners aus, der auf Frustration am Arbeitsplatz hindeutet, um dessen Glaubwürdigkeit und Professionalität bei möglichen Patienten herabzusetzen. Es sollte daher immer hinterfragt werden, wie Selbstdarstellung von anderen wahrgenommen wird.2

Lohnt sich Facebook auch für Sie?
Die Social Media-Expertin Ana-Maria Bocica erklärt in diesem Beitrag, wie Sie Facebook sinnvoll nutzen können, um Patienten von Ihren Leistungen zu überzeugen.

Ärztliche Schweigepflicht: Diese gilt selbstverständlich auch innerhalb öffentlicher Sozialer Netzwerke. Bei der Beschreibung konkreter Patientenfälle können selbst gut gemeinte Anonymisierungsversuche, bei denen weder Namen noch Klinik genannt werden, über Informationen, die an anderer Stelle verfügbar sind, ausgehebelt werden. Daher sollte immer das Ziel eines solchen Vorgehens hinterfragt und auch der Patient im Vorfeld um sein Einverständnis gebeten werden. Hält es ein Arzt für probat, eine Fallschilderung mit konkretem Patientenbezug zu veröffentlichen, muss er gewährleisten, dass eine Identifizierung des Patienten nicht möglich ist.3

Diffamierung auch im Netz tabu: Unangemessenes Verhalten im Netz kann auch im realen Leben schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Zum einen gehört es sich schlicht nicht, zum anderen kann im Internet leicht herausgefunden werden, wer vermeintlich anonym diffamiert wird und von wem die Äußerungen stammen. Außerdem bleiben solche Entgleisungen im Internet für immer auffindbar.3

Im Überblick: Professionelles Verhalten in Sozialen Medien

  • Verhalten der anderen Nutzer kennen
  • Aussagekräftiges Profil erstellen
  • Diffarmierung unterlassen
  • Besondere Beachtung der ärztlichen Schweigepflicht

Berufsrechtliche Aspekte

Vorsicht beim gelockerten Fernbehandlungsverbot: Ende 2018 wurde in der Berufsordnung der Ärzte die Regelung zur Fernbehandlung gelockert. Neben dem grundsätzlichen Fernbehandlungsverbot ist es nun erlaubt, Kommunikationsmedien unterstützend zur Behandlung bei Patienten einzusetzen, die bereits persönlich vorstellig wurden. So kann beispielsweise Zeit gespart, die Versorgung immobiler Patienten verbessert und dem Ärztemangel auf dem Land entgegengewirkt werden.

Auch eine reine telemedizinische Versorgung ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist. Doch in diesem Ausnahmefall ist Vorsicht geboten: Wie kann auf diese Weise das Gesamtbild des zu untersuchenden Patienten erfasst werden, ohne gesundheitliche Risiken sicher auszuschließen? Daher sind reine Online-Behandlungen weiter kritisch zu sehen. Um Unklarheiten zu vermeiden, sollten individuelle Fragen auch versicherungstechnisch abgeklärt werden.4

Befunde schnell und sicher übermitteln, Patienten online beraten: Mit der neuen App „medflex“ sparen Sie Zeit, da Sie sich asynchron mit Ihren Patienten austauschen können. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier >>

Berufswidrige Werbung: Laut Berufsordnung sind sachliche, berufsbezogene Informationen gestattet. Untersagt ist dagegen anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung. Aufgrund der unterschiedlichen Einzelfallsituationen ist eine detaillierte Regelung hier schwierig. In einer Grauzone befindet sich ein Kollege, der etwa mit dem Bild eines Profisportlers, den er möglicherweise nie selbst behandelt hat, für seine eigene Praxis wirbt. Auch bei Werbung über Soziale Medien sollte immer wohlüberlegt sein, wie diese von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.3

Die eigene Meinung über Produkte: Auf dem Facebook-Profil eines Arztes diskutieren Patienten über ein Produkt. Der Arzt erachtet dieses Präparat als nutzlos und möchte dies seinen Patienten mitteilen, ist sich aber nicht sicher, wie er sich dazu äußern soll. Der entscheidende Punkt hierbei ist, ob es sich bei der Aussage des Arztes um eine Tatsachenbehauptung oder um eine Meinungsäußerung handelt. Denn die freie Meinung darf, wie im Grundgesetz verankert, kundgetan werden. Unwahre Tatsachenbehauptungen jedoch werden nicht geduldet. Ein Produkthersteller muss also kritische Kommentare durchaus dulden.3

Im Überblick: Berufsrechtliche Aspekte

  • Vorsicht bei reiner telemedizinischer Versorgung
  • Individuelle Fragen mit der Versicherung klären
  • Nur sachliche, berufsbezogene Informationen verbreiten
  • Keine unwahren Tatsachen verbreiten

Datenschutz & Arzt-Patientenverhältnis in Sozialen Medien

Gerade im Kontext Sozialer Medien lohnt sich ein genauer Blick auf das Thema Datenschutz. Außerdem erfahren Sie, wie Sie die nötige Distanz zu Ihren Patienten wahren und in welcher Situation Sie Ihren Patienten Hilfe anbieten sollten. Lesen Sie jetzt den zweiten Teil des Beitrags.

1. Online Professionalism—2018 Update of European Association of Urology (@Uroweb) Recommendations on the Appropriate Use of Social Media. Borgmann, Hendrik; Cooperberg, Matthew et al. 15.08.2018.
2. Effects of Mock Facebook Workday Comments on Public Perception of Professional Credibility: A Field Study in Canada. Weijs, Cynthia; Coe, Jason et al. 18.04.2019.
3. Ärzte in sozialen Medien. Handreichung der Bundesärztekammer; 20.02.2014.
4. Fernbehandlung durch Online-Ärzte nun erlaubt? Tatsächlich eher nicht. Christmann, Philipp; 13.06.2019.

Titelbild: © Getty Images/Urupong

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