13. Januar 2018

Yoga: Seine therapeutischen Effekte

Etwa 2,7 Millionen Menschen in Deutschland praktizieren Yoga, die meisten mit der Erwartung ihr körperliches und psychisches Befinden zu verbessern.1 Doch welche Effekte hat Yoga aus medizinischer Sicht? (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und wurde von Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie zusammengefasst.2

Mehr als komplizierte Körperhaltungen

Die meisten Yoga-Schulen berufen sich auf den jahrtausende alten achtgliedrigen Pfad des Yoga nach Patanjali. Neben den bekannten Körperhaltungen umfasst dieser Atemtechniken, Meditation und Konzentration, aber auch Selbstdisziplin und einen ethischen Lebensstil.

Heutzutage stehen meist präventive oder therapeutische Ziele im Vordergrund. Die Auswirkungen von Yoga auf verschiedene Erkrankungen wurden seit den 1970er-Jahren in über 300 randomisierten Studien untersucht.

Chronische Schmerzen: Einheit von Körper und Geist

Während der Yogahaltungen (Asanas) kommt es zu einer bewussten Wahrnehmung des Muskeltonus und der Gelenkpositionen. Dadurch verbessert sich auch im Alltag die Körperhaltung und Muskelspannung und kann so vor allem muskuloskelettalen Schmerzen entgegenwirken.

Insbesondere bei Rücken- und Nackenschmerzen gibt es positive Auswirkungen von Yoga auf die Schmerzintensität und die Muskelfunktion. In der Nationalen Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz wird Yoga als gleichwertige Alternative zu Therapien wie Rückenschule, Muskeltraining oder Aerobic empfohlen.3 Etwa zwei Drittel aller Patienten mit Rückenschmerzen profitieren von einem Yoga-Kurs, mit langanhaltenden Verbesserungen.

Hypertonie: Zurück ins Gleichgewicht

Chronischer Stress und eine Dysbalance des autonomen Nervensystems können zu Bluthochdruck führen. Durch Atemtechniken (Pranayama), Entspannung und Meditation, die beim Yoga praktiziert werden, kann spezifisch das parasympathische System aktiviert und somit das Ungleichgewicht ausgeglichen werden.

Bei Hypertonie-Patienten kann eine antihypertensive Wirkung von Yoga festgestellt werden, wenn der Fokus auf Atmung und Meditation liegt, der Bewegungs- und Haltungsaspekt scheint keine Rolle zu spielen. Auch weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Adipositas und Hyperlipidämie können durch Yoga reduziert werden.

Depression: Besser als Sport

Der meditative Aspekt und die Beruhigung der Gedanken können bei Patienten mit Depressionen zu einer Symptomverbesserung führen. Zudem gibt es Hinweise, dass durch Yoga der Metabolismus von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin beeinflusst wird, welche bekanntlich eine Rolle in der Pathophysiologie der Depression spielen. Die Schwere der Depression und komorbide Ängste können durch Yoga stärker reduziert werden als durch sportliche oder rein entspannende Aktivitäten.4

Yoga sollte allerdings nur ergänzend zur psychotherapeutischen und/oder pharmakologischen Behandlung eingesetzt werden. Zudem profitieren vor allem Patienten mit leichteren depressiven Störungen. Bei einer manifesten majoren Depression hat Yoga keinen additiven Effekt zur Medikation.

Supportive Krebstherapie: Sinnvolle Behandlungsergänzung

Der positive Einfluss auf die Psyche macht Yoga zu einer Option in der supportiven Krebstherapie. Ein aktueller Cochrane-Review konnte zeigen, dass Yoga bei Mammakarzinom-Patientinnen die Lebensqualität fördern und die Fatigue senken kann.5 Dabei ist Yoga psychotherapeutischen und -edukativen Verfahren überlegen und Sport ebenbürtig.

Die menopausalen Symptome unter anti-hormoneller Therapie können durch meditatives Yoga reduziert werden. Bei Lymphom-Patienten hat Yoga positive Auswirkungen auf die Schlafqualität.

Sicherheit: Nicht gefährlicher als anderer Sport

Wie ziemlich alle Sportarten ist Yoga mit einem Verletzungsrisiko assoziiert. Unerwünschte Ereignisse, wie Muskelzerrungen und -verletzungen, Bänderrisse und Frakturen, treten jedoch nicht häufiger als bei anderen Sportarten. Die Abbruchquote aufgrund von Verletzungen ist mit 1% deutlich geringer als bei anderen sportlichen Aktivitäten.6

Für Glaukom-Patienten sind Umkehrhaltungen (z.B. Kopf- oder Schulterstand) kontraindiziert, da dabei der Augeninnendruck erhöht wird. Bei Vorerkrankungen sollten die Übungen idealerweise von einem Yogalehrenden mit medizinischen Kenntnissen angeleitet werden.

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  1. Yoga-Markt in Deutschland 2016. Fitogram, 29.03.2017
  2. Cramer H. Wo und wie wirkt Yoga? – Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Dtsch Med Wochenschr 2017; 142: 1925-1929.
  3. Nationale Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz. NVL-Programm von BÄK, KBV, AWMF. AWMF-Register-Nr. nvl-007 31.12.2016
  4. Cramer H et al. Yoga for depression: a systematic review and meta-analysis. Depress Anxiety 2013; 30: 1068-1083.
  5. Cramer H et al. Yoga for improving health-related quality of life, mental health and cancer-related symptoms in women diagnosed with breast cancer. Cochrane Database Syst Rev 2017; 1: CD010802.
  6. Cramer H et al. The Safety of Yoga: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Am J Epidemiol 2015; 182: 281-293.

Bildquelle: © microgen-istockphoto.com

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