09. August 2017

Verdacht auf Masern: So sollten Sie vorgehen

In der ersten Jahreshälfte 2017 hat es in Deutschland bereits mehr Fälle von Masern gegeben als im gesamten Vorjahr. Vor allem bei Erkrankungen in den ersten Lebensmonaten besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und Spätfolgen. Erfahren Sie hier, wie Sie beim Verdacht auf Masern vorgehen sollten. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Dieser Beitrag basiert auf den aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts 1 und einer Publikation in der Zeitschrift MMW-Fortschritte der Medizin. 2 Redaktionelle Bearbeitung: Christoph Renninger.

Masernfälle 2017: Mehr als 80 Prozent der Betroffenen ungeimpft

Mit 401 Fällen von Masern hat es bis Ende März 2017 bereits mehr Infektionen als im gesamten Vorjahr gegeben. In den vergangenen Jahren nimmt besonders die Zahl der betroffenen Kinder in den ersten beiden Lebensjahren zu.

Dabei waren die Betroffenen bei bekanntem Impfstatus zu 84% ungeimpft. Die immer weiter sinkende Impfquote ist besorgniserregend: Im Jahr 2015 hatten lediglich 74% der Kinder im Alter von zwei Jahren zwei Masernimpfungen erhalten. Zudem erfolgen die Impfungen in Deutschland häufig später als von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen.

Verdacht auf Masern: So sichern Sie die Diagnose ab

Die ersten Symptome: Das charakteristische rötliche makulopapulöse Exanthem tritt etwa drei Tage nach einem hoch infektiösen Prodromalstadium mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen und Konjunktivitis auf.

Empfohlene Labordiganostik: Insbesondere bei sporadisch auftretenden Fällen oder bei geimpften Personen erfolgt die Bestätigung der Diagnose im Labor.

  • In der Regel fällt mit Ausbruch des Exanthems der Nachweis von IgM-Antikörpern positiv aus, diese sind meist bis zu sechs Wochen nachweisbar.
  • Eine hohe diagnostische Sicherheit bietet auch der Nachweis des Virusgenoms mittels Polymerasekettenreaktion (PCR). Dabei werden die nicht-invasiven Maßnahmen, wie Urinproben oder ein Abstrich des Rachens empfohlen. Eine Genotypisierung zur Überwachung verschiedener Virustypen und der Nachverfolgung von Infektionsketten bietet das Nationale Referenzzentrum kostenlos an. Entnahmesets können hier angefordert werden.

Masernfälle: In Deutschland meldepflichtig

Der Verdacht auf eine akute Maserninfektion ist gemäß Infektionsschutzgesetz unverzüglich an das zuständige Gesundheitsamt zu melden. Erst dann können Maßnahmen zum Schutz von gefährdeten Personen ergriffen werden. Dazu zählen postexpositionelle oder präventive Impfungen, Information von Einrichtungen, der Ärzteschaft und Bevölkerung oder Betretungsverbote.

Weitere Fälle verhindern

Bis zu drei Tage nach Kontakt mit Infizierten kann eine aktive Masern-Mumps-Röteln(MMR)-Impfung eine Infektion verhindern oder abschwächen. Für Personen, bei denen keine Impfung möglich ist, wie Schwangeren, Immunsupprimierten oder Säuglingen unter sechs Monaten, empfiehlt die STIKO den Einsatz von Immunglobulinen.3

Impfungen: Das empfiehlt die STIKO

Säuglinge und Kinder: Nach den aktuellen Empfehlungen der STIKO 3 sollte die erste MMR-Impfung im Alter von 11-14 Monaten erfolgen, die zweite Impfung dann bis Ende des zweiten Lebensjahres. Nach Kontakt mit Masernkranken oder bei Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung (z.B. Kita, Krippe) kann die erste Impfung auch ab einem Alter von neun Monaten erfolgen. Im Rahmen eines Ausbruchs ist nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung eine Impfung bei 6-8 Monaten alten Säuglingen im Off-Label-Use möglich.

Erwachsene: Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und keine oder nur eine MMR-Impfung erhalten haben oder deren Impfstatus unbekannt ist, sollten nach der Standardimpfungs-Empfehlung einmalig gegen MMR geimpft werden.

Berufliche Indikation: Eine berufliche Indikation für die Masernimpfung besteht bei Tätigkeiten im Gesundheitsdienst, bei der Betreuung von immundefizienten Personen oder in Gemeinschaftseinrichtungen. Sofern keine zwei Impfungen im Kindesalter bekannt sind, sollte eine einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff erfolgen.

Impfstatus vor allem vor der Reise nach Südeuropa überprüfen

Da derzeit auch in Europa, insbesondere in Italien, Spanien, Belgien, Österreich und Rumänien, die Zahl der Masernerkrankungen zunimmt, sollte vor Reisen in die betorffenen Länder der Impfstatus überprüft und gegebenenfalls die Impfung nachgeholt werden.4

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  1. Matysiak-Klsoe D. Epidemiologie der Masern in Deutschland 2017. Epidemiologisches Bulletin 2017; 16: 143-145.
  2. Wicker S et al. Was Sie über Masern wissen sollten. MMW-Fortschritte der Medizin 2017; 159(6): 54-58.
  3. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut – 2016/2017. Epidemiologisches Bulletin 2016; 34: 301-340.
  4. Toskana, Venetien, Sizilien… Vor der Reise Masernimpfung überprüfen. CRM Centrum für Reisemedizin.

Bildquelle: © Astrid860-istockphoto.com

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