03. Juli 2018

Nachtclub-Mitarbeiter mit Überdosis Koffein

Nachdem er versehentlich mehrere Kaffeelöffel eines Koffeinextrakts zu sich genommen hat, kommt ein 46-Jähriger mit Übelkeit, Schwindel und psychomotorischer Unruhe in die Notaufnahme. Erfahren Sie hier, wie die Ärzte vorgegangen sind.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Fachzeitschrift Notarzt, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Potenziell letale Dosis Koffein

Um bei seiner Arbeit in einem Berliner Club wach und fit zu sein, greift der 46-jährige Patient regelmäßig auf Ampthetamine (“Speed”) zurück. Da er den Drogenkonsum jedoch hinter sich lassen möchte, steigt er auf konzentriertes Koffeinextrakt um. Allerdings irrt er sich bei der Dosierung und löst 5 Kaffeelöffel (ca. 10 g) des Pulvers in einem Getränk auf. Als potenziell letale Dosis gelten 5-10 g reines Koffein.

Bereits nach einer halben Stunde sucht er die Notaufnahme einer Klinik auf, da er sich unwohl und ruhelos fühlt und unter Schwindel, Übelkeit und Kaltschweißigkeit leidet. Bei der Untersuchung stellen die Ärzte eine Tachykardie (150-160/Min) und Hypertonie (172/108 mmHg) fest. Bei der Laboruntersuchung fallen ein erhöhter Wert der Creatinkinase (279 U/l), eine Hyperglykämie (Blutzucker 194 mg/dl) und Hypokaliämie (3 mmol/l) auf. (Abb. 1 & 2)

Da für Koffein kein Antidot vorhanden ist, erfolgt die Therapie symptomatisch. Die initiale Therapie besteht aus:

  • Benzodiazepinen
  • β-Blockern
  • Metoclopramid
  • H 2 -Rezeptor-Antagonisten

Nach der Aufnahme in die Klinik bessern sich die Symptome zunächst nicht und es treten zudem Diarrhö und Hypersalivation auf, der Patient ist sehr unruhig und ängstlich. Bei der Blutgasanalyse zeigen sich eine metabolische Azidose, erhöhte Laktatwerte, eine Hyperglykämie und eine Hypokaliämie. (Abb. 1 & 2) Der Koffeinserumspiegel liegt etwa sechs Stunden nach der Einnahme bei 142 mg/l. Bei tödlich verlaufenen Koffein-Intoxikationen lagen post mortem die Spiegel bei durchschnittlich 180 mg/l.2

Abb.1 Laborwerte im Verlauf (pH, pCO2, HCO3 und Basenexzess)
Abb. 2 Laborwerte im Verlauf (Laktat, Kalium, Glukose und CK)

Weitere Komplikationen, aber ein gutes Ende

Zusätzlich zur bestehenden Medikation erhält der Patient eine Kaliumsubstitution. Im EKG wird eine QT-Verlängerung (QTc = 570 ms) festgestellt, jedoch keine ventrikulären Herzrhythmusstörungen. Während des Klinikaufenthalts wird der Patient aufgrund einer leichten Aspirationspneumonie mit Ampicillin/Sulbactam behandelt. Der Mann erholt sich unter der Therapie und kann nach drei Tagen wieder gesund nach Hause gehen.

Koffeinintoxikation: Viele betroffene Systeme

Die empfohlene Tagesdosis von Koffein liegt für gesunde Erwachsene bei 400 mg (für Schwangere: 200 mg). Bei einer Intoxikation sind die Symptome vielfältig und von der Dosis abhängig. Zu den typischen klinischen Anzeichen zählen:

  • Psychomotorische Unruhe,
  • Angstgefühle
  • Zittern,
  • Übelkeit und Brechreiz,
  • Diarrhö,
  • tachykarde Herzrhythmusstörungen,
  • zerebrale Krampfanfälle.

    • Kaffee: 80 mg/100 ml
    • Espresso: 110 mg/100 ml
    • Cappuccino: 27 mg/100 ml
    • Schwarztee: 25 mg/100 ml
    • Cola: 9-25 mg/100 ml
    • Energydrinks: 23-32 mg/100 ml
    • Energy Shots: 130-160 mg/100ml

Schwere Vergiftungen mit Koffein sind seltene Vorkommnisse, können jedoch tödlich enden. Die meisten fatalen Fälle stehen im Zusammenhang mit der Einnahme von Koffeintabletten oder Koffeinextrakt in Pulverform (caffeine anhydrous), vornehmlich in suizidaler Absicht. Eine letale Dosis über den Konsum koffeinhaltiger Getränke ist unwahrscheinlich. Todesursache sind vor allem kardiovaskuläre Komplikationen.

Die US-amerikanische Lebensmittelsicherheit- und Arzneimittel-Behörde FDA hat vor kurzem zwei Internethändler abgemahnt, die hochkonzentrierte Koffeinprodukte vertreiben. In den verkauften Packungen sind mehrfache toxische Dosen enthalten und zur Portionierung sind spezielle Geräte erforderlich.3

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