09. Februar 2018

Syphilis auf dem Vormarsch: Häufigkeit & Stadien

Seit 2010 steigt die Zahl der Syphilis-Meldungen in Deutschland an. Unbehandelt kann die Geschlechtskrankheit zu schweren Spätschäden führen. Sehen Sie hier bebilderte Fälle der Krankheitsstadien und erfahren Sie mehr über die Therapieotionen. (Lesedauer: 3 Minuten)

Die folgenden Informationen hat Dr. Nina Mörsch, coliquio-Redaktion, für Sie zusammengestellt.

Die Syphilis (Lues) wird von dem zu den Spirochäten gehörenden Bakterium Treponema pallidum verursacht. Die Infektion erfolgt über kleine Haut- und Schleimhautwunden, insbesondere im Genitalbereich bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Aber auch eine Übertragung durch Blut oder intrauterin von der Mutter auf das Kind ist möglich.1

Anstieg der Fallzahlen seit 2010

Syphilis ist wieder auf dem Vormarsch: So wurden im Jahr 2016 dem RKI 7.178 Syphilis-Fälle gemeldet, 475 (7 %) mehr als im Vorjahr. Damit setzt sich der seit 2010 beobachtete Anstieg der Fallzahlen weiter fort.1 Mit hohen Inzidenzraten in großen deutschen Städten bleibt die Syphilis ein Phänomen der Ballungsräume. Männer sind dabei um ein Vielfaches häufiger betroffen als Frauen. Insbesondere Homosexuelle infizieren sich mit dem Erreger.2 Der Anstieg der Fallzahlen wird daher auf eine Zunahme an ungeschützten Sexualkontakten unter Männern, insbesondere in Großstädten, zurückgeführt.2 Die Syphilis verläuft typischerweise in drei Stadien:

Primärstadium

Abb.1: Schanker im Primärstadium auf der Eichel
Abb.2: Primärläsion auf der Zunge

Im Durchschnitt tritt drei Wochen nach Infektion an der Eintrittsstelle, meist im Anogenitalbereich oder im Mund, ein dunkelroter Fleck, der in einen derben Knoten und später in ein schmerzloses, begrenztes flaches Geschwür mit eingerollten Rand übergeht (Primäreffekt, Schanker). Schanker können innerhalb weniger Tage von alleine abheilen, weshalb sie meist unbehandelt bleiben. Der Patient ist in diesem Stadium jedoch hochinfektiös. Im Verlauf der folgenden Wochen entwickeln sich regionäre Lymphknotenschwellungen.

Sekundärstadium

Abb. 3: Zungen-Läsionen im Sekundärstadium
Abb. 4: Ausschlag an der Hand

Unbehandelt geht die Syphilis etwa 9-12 Wochen nach der Infektion in ein Stadium mit Bakteriämie und allgemeinen Krankheitssymptomen über. Die häufigste Manifestation ist ein schuppender papulonodulärer Ausschlag, insbesondere an den Handflächen und Fußsohlen. Auch die Mundschleimhaut kann betroffen sein. Bei einem Viertel der Patienten treten im Genitalbereich warzenartige Läsionen (Condylomata lata) auf, die extrem infektiös sind. Weitere Manifestationen sind fleckiger Haarausfall und neurologische Symptome.2,3  

Tertiärstadium

Bei unbehandelter und nicht spontan ausgeheilter Frühsyphilis greift die Krankheit im Tertiärstadium (Jahre nach der Erstinfektion) neben der Haut auf weitere Organsysteme über, allem voran auf das Herzkreislaufsystem und das zentrale Nervensystem (Neurosyphilis). Auch ein Befall der Knochen ist möglich.1 Typische Läsionen sind Gummen, subkutane schmerzlose knotige Hautveränderungen von gummiartiger Konsistenz, die ein fadenziehendes, entzündliches Sekret enthalten. Sie zeigen sich vor allem an der Stirn, am Gaumen, an den Lippen, der Nasenscheidewand, am Hals, an den Geschlechtsorganen und den Unterschenkeln.

Angeborene Syphilis

Steckt sich ein Fötus im Mutterleib mit Syphilis an, steigt das Risiko einer Totgeburt ohne geeignete Therapie. Auch Frühgeburten sind häufig. Eine konnatale Syphilis kann asymptomatisch verlaufen – unbehandelt ist sie jedoch mit verschiedenen Komplikationen verbunden und kann zum Tode führen. Schwangere Frauen sollten sich gleich zu Beginn der Schwangerschaftsvorsorge und gegebenenfalls nochmals später einem Syphilis-Screening unterziehen.5

Erfahren Sie im zweiten Teil des Beitrags, wie Sie den Verdacht auf eine Syphilis abklären und welche Therapiemaßnahmen zur Verfügung stehen.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

  1. Robert Koch-Institut, Berlin 2017: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016.
  2. S2k-Leitlinie der Deutschen STI-Gesellschaft, 07/2014: Diagnostik und Therapie der Syphilis
  3. Informationen des CDC für Ärzte: Syphilis – Pocketguide for Providers
  4. RKI-Ratgeber für Ärzte: Syphilis, Stand 2007  
  5. Medscape, 03.08.2017: Gemeine Souvenirs an den Urlaubsflirt: 20 typische Merkmale sexuell übertragbarer Krankheiten

Titelbild: © istockphoto.com, igorbondarenko

Abbildungen 1 -4: CDC Centers for Disease Control and Prevention

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653